VÖZ kündigt Journalisten-KV präventiv zum Jahresende 2012

Gasser und Bergmann fordern neuen Journalisten-KV bis zum 31. 12. - Appell an Journalistengewerkschaft: "Im Interesse der Jungen gemeinsam an einem Strang ziehen"

Wien (OTS) - Nach reiflichen Überlegungen haben die Vorstandsmitglieder des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) bei ihrer gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, den Journalisten-Kollektivvertrag mit Jahresende 2012 präventiv zu kündigen.

"Im Hinblick auf die sich verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das nahende Ende des vierten Verhandlungsjahres sieht es der Vorstand des VÖZ als geboten an, die Branche und den journalistischen Nachwuchs nicht dem Risiko weiterer ergebnislos verstreichender Verhandlungsjahre auszusetzen", betonten VÖZ-Präsident Hans Gasser und Geschäftsführer Gerald Grünberger in ihrem gemeinsamen Schreiben an die Journalistengewerkschaft. Gleichzeitig unterstreichen sie, dass der VÖZ nach einer beiderseitigen Unterzeichnung des neuen Kollektivvertrages vor dem 31. Dezember 2012 die Kündigungserklärung zurückzieht.

Gasser und Grünberger schließen sich der Auffassung der Journalistengewerkschaft an, die Franz C. Bauer in einer APA-Meldung vom 11. September artikuliert hat, dass ein Konsens bei den Verhandlungen bis zum Jahresende möglich sei. "Der Abschluss der weit vorangeschrittenen Verhandlungen ist uns ein großes Anliegen. Ein neuer KV ist von essentieller Bedeutung für die Branche." Der VÖZ appelliert daher an die Journalistengewerkschaft "im Interesse der jungen Journalisten gemeinsam an einem Strang zu ziehen" und die Kollektivertragsverhandlungen bis zum Jahresende abzuschließen. "Wir verbleiben in der Hoffnung, die weit gediehenen, jedoch aus nicht nachvollziehbaren Gründen äußerst schleppend verlaufenden Verhandlungen noch im laufenden Verhandlungsjahr zu einem Abschluss zu bringen", betonten der VÖZ-Präsident und der Geschäftsführer im Kündigungsschreiben an die Gewerkschaft.

Zum Hintergrund: Seit 2009 verhandeln Verlegerverband und Journalistengewerkschaft in 31 Verhandlungsrunden zu je circa sechs Stunden an einem neuen Kollektivvertrag, der auch für Onlinejournalisten gelten soll. Dabei wurden bereits weitreichende Ergebnisse erzielt, wie Arbeitszeitregelungen auf Basis einer 5-Tage-Woche, erhebliche Qualitätsverbesserung bei der Journalistenausbildung und Neuschaffung einer umfassenden Sabbatical-Regelung von bis zu einem Jahr. Beim neuen Gehaltsschema lagen die Vorstellungen der beiden Verhandlungsparteien nur 50 bis 150 Euro auseinander. In der letzten Verhandlung vom 18. Juni wischte die Gewerkschaft diese mühsam erzielten Kompromisse handstreichartig vom Tisch und forderte ein komplett anderes und deutlich teureres Gehaltsschema. Daraufhin brach der VÖZ die Verhandlungen ab, zeigte sich jedoch weiterhin verhandlungsbereit unter der Bedingung, dass sich die Gewerkschaft zu den bereits akkordierten Einigungen bekennt. Nach elf Wochen Funkstille hat die Arbeitnehmerseite zwar am 21. September neue Terminvorschläge für weitere Verhandlungen im Herbst übermittelt, die Zusage der Gewerkschaft auf Basis der bestehenden Kompromisse weiter zu verhandeln, fehlt aber bis heute.
Auf Seiten des VÖZ wurde in der Vorstandssitzung vom 26. September Standard-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann zum neuen Verhandlungsführer bestellt. Der scheidende Verhandlungsleiter Hermann Petz unterstützt diesen Schritt der präventiven Kündigung ausdrücklich, wünscht dem Verhandlungsteam alles Gute und betont:
"Die Kündigung wirkt sich nicht auf bestehende Angestelltenverhältnisse aus." Der KV gilt jedoch ab 1. Jänner 2013 nicht mehr für neu eintretende Journalisten.

"Die Printmedien werden wegen der Umwälzungen in der Branche auch dann unter großem Druck stehen, wenn sich die Konjunktur verbessert. Mit der Kostenstruktur des jetzigen Kollektivvertrages, der immer noch 15 Gehälter hat, ist die Zukunft akut gefährdet. Das kann auch nicht im Interesse der Mitarbeiter sein. Da wir schon knapp vor einer Einigung standen, ist das Ziel eines Abschlusses bis Jahresende immer noch realistisch - wenn beide Seiten wollen, wir wollen jedenfalls!", betonte VÖZ-Verhandlungsführer Bergmann abschließend.

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