WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wie Spaniens EZB-Deal den Euro rettet von Wolfgang Tucek

Der Spekulant darf sich nicht mehr trauen, aufs Klo zu gehen

Wien (OTS) - Noch lassen sich die Märkte von der Ankündigung von EZB-Chef Draghi einschüchtern, dass er zur Not unbegrenzt Staatsanleihen von Peripherieländern aufkaufen werde, um die Kurse zu stützen. Doch die Märkte sind nervös, schon eine Meldung über ein geplantes Rechtsgutachten für die Stützungskäufe löste am Dienstag ein Abrutschen des Eurokurses aus. Wenn es nicht rasch eine Lösung für Spanien gibt, könnten die Worte des EZB-Präsidenten bald verhallt sein. Das wäre schade, weil die Euroretter endlich dabei sind, eine glaubwürdige Drohkulisse für Spekulanten aufzubauen.

Damit sich der spanische Premier Rajoy nach einem neuerlichen Hilfsantrag beim Euroschirm ESM nicht auf langwierige halböffentliche Verhandlungen mit der Troika aus EU, EZB und IWF einlassen muss, sollten die Bedingungen im Wesentlichen schon vorab ausgedealt werden. Idealerweise entsprechen die Spar- und Reformvorschläge, die Rajoy am Donnerstag vorstellen will, den Bedingungen für das grüne ESM-Licht. Das ist notwendig, weil Draghi die Interventionsmilliarden sonst nicht von der Leine lassen kann. Denn ein vorbeugendes ESM-Programm, das den Ankauf von Staatsanleihen am Primärmarkt beinhaltet und den IWF einbindet, hat er als Voraussetzung genannt. "Vorbeugend" heißt, dass es zwar bewilligt aber nicht aktiviert werden muss, um Draghi den nötigen Spielraum zu geben.

Ab dem Zeitpunkt der Bewilligung müssten Trader fürchten, dass die EZB jederzeit massiv in den Markt geht und periphere Staatsanleihen unbegrenzt aufkauft, um die Kurse zu stützen und so die Zinsen für die Eurostaaten niedrig zu halten. Der Spekulant darf sich nicht einmal mehr trauen, aufs Klo zu gehen, weil er jeden Moment mit der EZB rechnen muss. Wenn er nach ein paar Minuten an seine Bildschirme zurückkehrte, könnte er viele Millionen Euro verloren haben. So ist es für ihn wenig reizvoll, auf sinkende Kurse spanischer Staatsanleihen zu wetten. Allein diese Drohkulisse würde Spanien helfen, wieder dauerhaft zu leistbaren Zinsen Geld beschaffen zu können. Die Spar- und Reformprogramme darf die Regierung freilich nicht vernachlässigen, mit ihrer Umsetzung steht und fällt der EZB-Schutzschild.

Funktioniert das alles tatsächlich so, kann man das Konzept genauso für Italien anwenden. Die dortige Regierung weist zwar jedes Hilfebedürfnis zurück. Das liegt aber auch daran, dass sie sich nervtötende Troika-Verhandlungen sparen will. Der spanische Deal, offiziell mit Eigeninitiative das Ziel zu erreichen, käme den Italienern entgegen. Spanien muss bloß rasch nach dem ESM-Start am 8. Oktober einen neuerlichen Hilfsantrag stellen.

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