Prof. Claus Gatterer Preis 2012 an Ö1-Journalisten Ursula Scheidle und Arno Aschauer verliehen

ÖJC fordert bessere finanzielle Absicherungen für Journalisten

St.Ulrich/Südtirol (OTS/ÖJC) - Im Hauptort der ladinischen Minderheit, im Südtiroler St. Ulrich im Grödnertal wurde am Dienstag der heurige Prof. Claus Gatterer Preis verliehen. Die Preisverleihung fand im Beisein der Südtiroler Landesrätin Sabina Kasslatter-Mur statt.

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis ging an die beiden Ö1 Journalisten Ursula Scheidle und Arno Aschauer. Scheidle, eine Tirolerin, wurde 1973 in Innsbruck geboren. Sie studierte Deutsche Philologie und Theater- Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien. Zusätzlich erlangte sie die Schauspielreife. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Freie auch für den ORF. Ihr Partner bei der heute ausgezeichneten Produktion war Arno Aschauer, 1953 in Wien geboren. Er studierte am Max-Reinhardt-Seminar Regie und ist bereits seit 1975 freier Mitarbeiter des ORF. Aschauer ist auch Theaterregisseur und unterrichtet Drehbuch, Schauspiel und Regie an mehreren in- und ausländischen Universitäten.

Die von Ursula Scheidle und Arno Aschauer gestaltete Reportage wird heute mit der wichtigsten Auszeichnung im Bereich des sozial engagierten Journalismus, die in Südtirol und Österreich vergeben wird, dem Prof. Claus Gatterer-Preis, ausgezeichnet.

Das Radiofeature "Was lange gärt wird endlich Wut / Protokoll eines Asylverfahrens" ist eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Integration Made in Austria", sowohl im privaten, als auch im halb-öffentlichen Bereich einer lokalen Kirchengemeinde.
Die Recherchen zu dieser am 28. Mai 2011 auf Ö1 ausgestrahlten Sendung begannen im März 2010.

Der opportune Umgang der Bundesregierung, insbesondere des Bundesministeriums für Inneres mit dem Bleiberecht, der Europäischen Menschenrechtskonvention, sowie vor allem der UN-Kinderrechtskonvention machte eine vollinhaltliche, viele Monate dauernde Recherche in diversen Gesetzestexten notwendig.
Zugleich musste der aktuelle Fall der Familie Maksuti aus Gjakova im Kosovo verfolgt werden.

Diese journalistische Beharrlichkeit, die Ausdauer und der Mut der Radiomacher, wird mit dem heurigen Prof. Claus Gatterer-Preis ausgezeichnet.

Die Preisträger bedankten sich für den Preis und riefen das Publikum auf, in Zeiten eines neuen Trachtenkults und neuer Heilsbringer besonders wachsam zu sein.

Die "Ehrende Anerkennung" geht heuer an die Wochenzeitung der ladinischen Minderheit in Südtirol. "La Usc di Ladins" verfolgt einen kritischen und eigenständigen Journalismus in Südtirol. Sie ist als ein Medium einer Sprachminderheit den Subjekten und Objekten ihrer Berichterstattung besonders Nahe und hat trotzdem die notwendige journalistische Distanz bewahrt. Die Zeitung hat natürlich auch finanzielle Probleme, da die staatliche, italienische Presseförderung eine Wochenzeitung für eine Minderheit auch nur ganz minimal fördert.

Der ladinische Journalist David Lardschneider fordert daher eine bessere finanzielle Absicherung der ladinischen Wochenzeitung und eine Gleichstellung im Rahmen der italienischen Presseförderung mit einer Minderheiten-Tageszeitung.

ÖJC-Präsident Fred Turnheim stellte in seiner Laudatio fest, dass alle drei Preisträger etwas gemeinsam haben. Sie sind hervorragende Journalisten, verdienen aber so wenig, dass sie vom Journalismus allein nicht leben können. Die prekäre finanzielle Situation gefährdet die Unabhängigkeit des Journalismus.

Die Südtiroler Landesrätin Sabina Kasslatter-Mur freute sich dass der Gatterer-Preis von einer reinen Journalistenjury vergeben wird. "Für Südtirol war Gatterer ein Vordenker, der sich intensiv und wegweisend mit landesspezifischen Themen auseinandergesetzt hat ohne dabei den Blick über die Grenzen Südtirols hinaus zu verlieren."

Der Prof. Claus Gatterer-Preis wird seit 1984 jedes Jahr vom Österreichischen Journalisten Club in Zusammenarbeit mit dem Land Südtirol verliehen.

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