Amnesty International und Greenpeace veröffentlichen Giftmüllreport

Rohstoffkonzern Trafigura muss für Giftmüll-Tragödie zur Verantwortung gezogen werden

Wien/Dakar (OTS) - Greenpeace und Amnesty International veröffentlichen heute bei einer Pressekonferenz in Dakar den gemeinsam erstellten Bericht "The Toxic Truth". Der 234 Seiten umfassende Bericht ist das Resultat dreijähriger intensiver Recherchen zu einem Giftmüllskandal in der Elfenbeinküste, dessen Folgen mindestens 15 Personen das Leben kostete und mehr als 100.000 Menschen nachweislich gesundheitlich schädigte. Die tragische Kette von Fehlentscheidungen, die zur medizinischen, ökologischen und politischen Katastrophe führten, wurde dabei einer akribischen Überprüfung unterzogen. Der Bericht belegt im Detail, wie bestehende Gesetze missachtet wurden und wie mehrere Regierungen es versäumten, die Verfrachtung des Giftmülls zu stoppen. Amnesty International und Greenpeace fordern gemeinsam die britische Regierung auf, Ermittlungen gegen den multinationalen Rohstoffkonzern Trafigura wegen der illegalen Entsorgung von Giftmüll in der Elfenbeinküste einzuleiten. Sechs Jahre nach der Tragödie muss der Konzern endlich zur Verantwortung gezogen werden.

"In den sechs Jahren, die seit der illegalen Giftmüllentsorgung in der Elfenbeinküste vergangen sind, hat Trafigura alle einem milliardenschweren multinationalen Konzern zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft, um sich seiner Verantwortung zu entziehen", sagt Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International. "Die mehr als 100.000 geschädigten Menschen fordern, dass die Drahtzieher hinter diesem Desaster zur Verantwortung gezogen und alle Informationen offengelegt werden. Alle Staaten müssen aus diesem Fall lernen und sicherstellen, dass es keine Straffreiheit für Konzerne wie Trafigura geben kann."

Der Skandal ereignete sich im August 2006, als toxischer Abfall an Bord des Frachters Probo Koala an die Elfenbeinküste gebracht und dort von einer erst kürzlich zugelassenen, kleinen Entsorgungsfirma in der Nähe von Wohngebieten in Abidjan entsorgt wurde. Der Giftmüll entstand als Abfallprodukt einer Rohölreinigung, welche von Trafigura, dem weltweit drittgrößten unabhängigen Ölhändler, durchgeführt wurde. Obwohl die Folgen für die Menschen verheerend waren, konnte sich Trafigura bis heute der rechtlichen Verantwortung für die illegale Entsorgung des Giftmülls entziehen. Gestützt auf die Aussagen von Betroffenen und Experten, wirft der Bericht von Amnesty International und Greenpeace ein neues Licht auf die Folgen für die Menschen in Abidjan und ihren anhaltenden Kampf für Gerechtigkeit.

"Bereits sechs Jahre sind seit dieser schrecklichen Tragödie vergangen. Es ist höchste Zeit, dass Trafigura endlich die volle rechtliche Verantwortung dafür übernehmen muss", sagt Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International. "Wir sind es den Menschen schuldig, die, wie hier in Abidjan, zu unschuldigen Opfern eines internationalen Konzerns werden, dem Profit ganz klar wichtiger ist als die Gesundheit tausender Menschen."

Amnesty International und Greenpeace haben mit diesem Bericht umfassende Empfehlungen für die Internationale Gemeinschaft erarbeitet, damit sich eine solche Tragödie in Zukunft nicht wiederholen kann. Diese enthalten klare Richtlinien, wie gegen transnational tätige Konzerne bei Menschenrechtsverstößen und Umweltverschmutzungen vorgegangen werden muss. Weiters fordern die beiden Organisationen die britische Regierung auf, Ermittlungen gegen die in London ansässige Trafigura Ldt. einzuleiten und ihre Rolle im Giftmüllskandal zu beleuchten. Auch die Regierung der Elfenbeinküste wird aufgefordert, die Betroffenen Menschen zu entschädigen und die rechtliche Vereinbarung neu zu bewerten,die Trafigura umfassende Straffreiheit in der Elfenbeinküste sichert.

Für Interviews stehen Ihnen internationale Experten von Greenpeace und Amnesty International gerne zur Verfügung.

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