Khol: Heutige Experten-Vorschläge zu Pensionen müssen auf den Prüfstand

Kommission zur langfristigen Pensionssicherung soll Umsetzbarkeit und Auswirkungen prüfen.

Wien (OTS) - Auf den heute von den Experten vorgelegten Reformplänen reagiert Dr. Andreas Khol, Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes und amtsführender Präsident des Österreichischen Seniorenrates nicht mit grundsätzlicher Ablehnung, regt jedoch eine dringende Prüfung des Modells, inklusive aller Auswirkungen auf die Betroffenen, durch die Kommission zur langfristigen Pensionssicherung an.

Zu den ersten Details betont Khol:

"Am 1. Jänner 2014 werden fast alle Österreicherinnen und Österreicher auf das neue Pensionskonto umgestellt. Dies ist aus meiner Sicht die realistische Variante, während das heute vorgestellte Modell auf zumindest einer irrationalen Annahme beruht:
Darin müsste der Staat die Gelder nämlich so veranlagen, dass die Zinsen immer zumindest die Inflation übersteigen. Wer die Erfahrungen bei den Pensionskassen oder bei den Finanzmarkt-Entwicklungen in der Krise berücksichtigt, hegt an dieser Variante wohl berechtigte Zweifel."

"Zudem erscheint das Modell als grobe Ungerechtigkeit gegenüber den jüngeren Generationen: Heute Junge zahlen jetzt mit ihren Pensionsbeiträgen die Pensionen der Älteren. Zugleich zahlen sie mit ihren Steuern den Staatszuschuss zu den Pensionen. Die erworbenen Ansprüche sollen bestehen bleiben. Aber wenn diese Jungen dann später selbst eine Pension erhalten, soll der Staat ihnen den Zuschuss nicht mehr leisten? Mit dem Pensionskonto, das ab 2014 gilt, erhöht sich ohnehin schon die Durchrechnung der Pensionsansprüche auf eine Lebensdurchrechnung, was mittelfristig die Pensionsersatzrate für die heute ganz Jungen senkt. Jetzt soll die gesamte Finanzierung auch noch auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt werden - der allgemeine Steuerzahler soll außen vor bleiben. Das wäre eine wirkliche Schlechterstellung der Jugend. Sie erhält weniger, als sie bezahlt hat", betont Khol zu einem weiteren Bedenken, das er nach erster Prüfung des Experten-Modells hegt.

"Hinzu kommt die soziale Schieflage, weil dieses Modell auf die soziale Leistungsfähigkeit des Einzelnen zu wenig Rücksicht nimmt:
Wer richtig viel verdient soll auch mit 30 oder 40 in Pension gehen können - solange seine errechnete Einkunft über der Ausgleichszulage liegt? Und jemand der sehr wenig verdient muss dann bis 70 weiterarbeiten, damit er diese Grenze überhaupt knackt? Wie gesagt:
Ich ersuche die Kommission zur langfristigen Pensionssicherung um detailreiche Prüfung zur Umsetzung dieses Modells. Derzeit scheint es einige Lücken aufzuweisen, die man diskutieren muss, bevor man sich ein Urteil bilden kann", betont Khol.

"Mir persönlich wäre es wichtiger, es würde uns mit vereinten Kräften gelingen, das per 2014 geltende Pensionskonto endlich auf alle Berufsgruppen möglichst rasch auszuweiten - ASVG für alle bleibt hier das erklärte Ziel. Auch die Anstrengungen zur Erhöhung des wirklichen Pensionsantrittsalters auf das gesetzliche Alter oder der gemeinsame Kampf gegen Kündigungen kurz vor Erreichen des Pensionsalters bzw. gegen noch immer stattfindende Zwangspensionierungen erscheinen mir in diesem Zusammenhang als realistischere und vor allem dringlichere Ziele, die man gemeinsam dringend angehen sollte", hält Khol abschließend fest.

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