Nackenschmerzen: Therapien am Prüfstand

Wien (OTS) - Etwa eine halbe Million Österreicherinnen und Österreicher leidet im Laufe eines Jahres mindestens einmal an Nackenschmerzen.1 Was hilft wirklich gegen die Beschwerden? - diese Frage stellen sich wohl Betroffene und Ärzte gleichermaßen. Eine kritische Analyse der Studien zum Thema, durchgeführt von NetDoktor.at mit der auf solche Bewertungen spezialisierten Cochrane Collaboration, ergibt einige Überraschungen und einen klaren "Testsieger".

Therapieoptionen bei Nackenschmerzen gibt es viele: Sie reichen von Schmerztabletten, Injektionen und Akupunktur bis hin zu Wärmebehandlungen und Massage. Der Frage, welche Therapien am vielversprechendsten sind, ist nun Österreichs größte Gesundheitsplattform www.netdoktor.at gemeinsam mit der österreichischen Zweigstelle der Cochrane Collaboration (Link:
http://www.cochrane.at/de/was-ist-cochrane ) nachgegangen. Insgesamt
flossen in die Recherche zum Thema Nackenschmerz 14 Übersichtsarbeiten mit den Resultaten von rund 200 Studien ein.

Was wirkt, was nicht?

Bei Nackenschmerzen wird oft zu gängigen Schmerzmitteln in Tablettenform wie etwa nicht-steroidalen Antirheumatika (z.B. Acetylsalycylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen) oder Paracetamol gegriffen. Eine ausführliche Literaturrecherche zeigt jedoch, dass ihre Wirkung bei Nackenschmerzen nur unzureichend untersucht ist. Für die rezeptpflichtigen Schmerzmittel aus der Wirkstoffgruppe der Opioide liegen gar keine Untersuchungen vor. Einige Studien gibt es hingegen zur Wirkung von muskelentspannenden Mitteln, sogenannten Muskelrelaxantien. Ob sie Nackenschmerzen tatsächlich verbessern, dazu liefern diese Studien aber widersprüchliche Ergebnisse.
Die Wirksamkeit von Schmerztabletten ist also im Großen und Ganzen unklar. Und noch eine Überraschung zeigt unsere Recherche: Auch die Wirksamkeit von Massagen und Stromtherapien, die bei Nackenschmerzen gerne gemeinsam verschrieben und von der Krankenkasse finanziert werden, ist nicht bewiesen.

Als sicher wirksam hat sich lediglich die Kombination von Heilgymnastik und manueller Therapie (Mobilisations- oder Manipulationstechniken wie etwa die Chiropraktik) herausgestellt. Zusammen mit einer manuellen Therapie kann durch heilgymnastische Übungen eine nachhaltige Besserung bei Nackenschmerzen erreicht werden.

Gut schnitten in der Wirksamkeitsbeurteilung auch die Akupunktur (bei chronischen Nackenschmerzen) und lokale Injektionen mit Betäubungsmitteln ab. Zwei alternativmedizinische Behandlungsformen -die Osteopathie und verschiedene Pflanzenzubereitungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin - könnten ebenfalls wirksam sein. Eine detaillierte Übersicht der wirksamen und nicht wirksamen Therapiemethoden zeigt das Factsheet "Nackenschmerzen" (Link:
http://www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/neu/nackenschmerzen.shtml )
auf NetDoktor.at. Dort finden Sie auch Anregungen für Nackenübungen, die man jederzeit im Büro oder zu Hause durchführen kann.

Über NetDoktor.at und die Cochrane Collaboration

NetDoktor.at und die österreichische Zweigstelle der Cochrache Collaboration erarbeiten gemeinsam Patienten-Factsheets mit einer Wirksamkeitsbewertung von Therapien, die häufig angewandt werden. Aktuell entstehen Factsheets zu den Themen "Erhöhter Cholesterinspiegel" und "Polyzystisches Ovarsyndrom".
NetDoktor.at ist Österreichs größtes online-Gesundheitsportal mit rund 1,3 Millionen Besuchern monatlich. Primäres Ziel von NetDoktor.at ist es, Patienten durch unabhängige Recherche jene Information bereitzustellen, die sie für bewusste Entscheidungen für ihre Gesundheit benötigen.

Die internationale Cochrane Collaboration betreibt seit 2010 eine Zweigstelle in Österreich. Ihre zentrale Aufgabe ist die Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten zu medizinischen Fragestellungen mit einem Hauptaugenmerk auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Therapien.

1 Quelle: Statistik Austria 2007

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