ÖGJ: Kaum möglich, eine drei- oder vierjährige Lehre in einem einzigen Jahr nachzuholen

Statt Express-Lehre zu erfinden, sollte die Wirtschaft Jugendliche mit BHS-Abschluss ordentlich einstufen und bezahlen

Wien (OTS/ÖGB) - "In einem einzigen Jahr eine Lehre nachholen, die sonst drei oder vier Jahre dauert - das werden nur die wenigsten Jugendlichen schaffen", sieht ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Michlmayr den Vorstoß von WKÖ-Präsidenten Christoph Leitl für eine "Expresslehre" äußerst kritisch: "Es ist verantwortungslos, den AHS-MaturantInnen einzureden, dass ein Lehrabschluss eine leicht zu holende Zusatzqualifikation ist, die man schnell an die Matura anhängt."

Auch besteht die Gefahr, dass die AHS-AbsolventInnen erst im Laufe des Express-Lehrjahres draufkommen, dass sie in dieser Zeit unmöglich eine ganze Lehre mitsamt allem nötigen theoretischen Wissen und den praktischen Erfahrungen nachholen können. "Dann haben sie selbst nichts davon, aber die Wirtschaft hat ein Jahr lang eine billige Hilfskraft gehabt", befürchtet Michlmayr. Auf der anderen Seite dürfe die Lehrabschlussprüfung den Maturanten mit Express-Lehrjahr nicht leichter gemacht werden als jenen Jugendlichen, die eine reguläre Lehre absolviert haben. "Das wäre unfairer Wettbewerb", so Michlmayr.

Wichtiger als Leitls Express-Experiment wäre es, wenn die Wirtschaft gut ausgebildete MaturantInnen mit Berufsabschluss, nämlich jene aus den Berufsbildenden Höheren Schulen, endlich auch ordentlich als Fachkräfte einstufen und bezahlen würde. "Die Praxis zeigt aber das Gegenteil: Sie werden nur als Lehrlinge eingestuft und mit der Lehrlingsentschädigung abgespeist."

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