Zoo Salzburg: Tierschutzwidrige Haltung doch Schuld an der Gepardenflucht?

EndZOO Österreich: Platzmangel und Stress kommen als Auslöser in Frage

Salzburg (OTS) - Bereits im Juni, nach der ersten Flucht der Geparden JUVI und RAHA, hatte die Tierschutzorganisation EndZOO Österreich vermutet, dass Platzmangel und Stress die Ursachen für die Flucht der noch jungen Geparden gewesen sein könnte. Nachdem die Tierschützer jetzt die alten Gehege gemessen und mit dem letzten Tierbestand (7 Individuen) verglichen hat, spricht die Organisation heute von tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen.

Nach der Tierhaltungsverordnung hätte alle sieben Geparden gleichzeitig ein Außengehege von mindestens 800 m2 zur Verfügung stehen müssen. Doch diese Gesetzespflicht konnte Hellbrunn, so EndZOO, für die sieben Individuen schon aufgrund der Sozialstruktur und den dazugehörigen baulichen Begebenheiten nicht annähernd umsetzen.

Warum die jungen Geparde Juvi und Raha letztendlich flohen, dafür hat die Tierschutzorganisation auch eine mögliche Erklärung. So könnte der ständige und zu nahe Kontakt zwischen allen sieben Geparden zu erheblichem Stress und letztendlich zu einer Panikreaktion beim unerfahrenen Nachwuchs geführt haben. Auch sei sehr gut möglich, dass die Mutter der beiden Junggeparden bereits in der nächsten heißen Phase ihrer Paarungsbereitschaft (Östrus) war und ihren Nachwuchs schon nicht mehr länger neben sich duldete. Aggressionen sind in beiden Fällen vorprogrammiert und können in Gefangenschaft fatale Folgen haben. EndZOO fordert aufgrund der Vorfälle jetzt eine durchgehende Bestandregulierung und einen Zuchtstopp bei den Geparden in Hellbrunn. Ganz offensichtlich gab es für die sieben Geparden (Überschuss), bisher auch keine seriösen Abnehmer.

"Weibliche Geparden sind zumeist Einzelgänger. Die Nähe einer anderen Artgenossin kann dann durchaus zu dauerhafter Aggression zwischen den Individuen führen. Auch werden männliche Geparden von den Weibchen oft nur zur Paarungszeit geduldet. Ein so enges Nebeneinander, wie in Hellbrunn, kann sich schnell zu einer tickenden Zeitbombe entwickelt haben. Geparden sind ohnehin sehr empfindlich bei Störungen und haben auch eine sehr hohe Fluchtbereitschaft. Dass nicht schon eher etwas passiert ist, grenzt für uns an ein Wunder", so Zoo-Experte und EndZOO-Sprecher Frank Albrecht. "Die geflohen Junggeparden waren bei ihrer Flucht auch bereits 14 Monate alt. Mütter dulden ihren Nachwuchs oft schon mit 13 Monaten nicht mehr neben sich. Zudem können Geparden mit einem Jahr schon geschlechtsreif werden und erste Rangkämpfe mit anderen Artgenossen ausfechten. Dies sind alles Faktoren die auch für Hellbrunn sehr gut zutrafen. Dass diese Umstände letztendlich zur Flucht führten, halten wir durchaus für möglich. Ermöglicht hat die Flucht ein völlig desolates Gehegeschloss und nicht Jugendliche oder Zoogegner, denen die Tiergartenleitung die Schuld zuschieben wollte. "

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