Neues Justizzentrum Korneuburg fertiggestellt

Gerichtsgebäude und Justizanstalt über 33.000 Quadratmeter Fläche - Investitionen rund 77 Mio. Euro

Korneuburg (OTS) - Korneuburg hat ein neues Justizzentrum. Am Landesgerichtsplatz 1 sind Landes- und Bezirksgericht mit Staatsanwaltschaft sowie eine Justizanstalt in zwei Gebäuden zusammengefasst. Drei Jahre baute die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz (BMJ) und investierte dabei rund 77 Millionen Euro.

"Das rund 16.900 Quadratmeter Nettogrundfläche umfassende Gericht und die Justizanstalt sind baulich klar voneinander getrennt. Über eine unterirdische Verbindung zwischen den beiden Gebäuden können die Häftlinge dem Gericht vorgeführt werden, aber auch die Vernehmungs-und Besuchszonen erreicht werden", sagt Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der BIG.

Im Gericht befinden sich im Erdgeschoß öffentliche Einrichtungen wie Cafeteria, Servicecenter, Verhandlungssäle des Landesgerichts sowie der Schwurgerichtssaal. Im 1. Obergeschoß sind die Verhandlungssäle samt Büros des Bezirksgerichts und im 2. Stock der gesamte Strafrechtsbereich, das sind die Staatsanwaltschaft sowie alle Strafrichter, untergebracht. Die Verwaltungseinheiten des Landesgerichts sind im 2. sowie 3. Obergeschoß gebündelt.

"Optimierung der Arbeitsabläufe, Opferschutz sowie Orientierung und letztlich damit auch Kundenfreundlichkeit sind für uns wesentliche Faktoren in unserer täglichen Arbeit. Im neuen Justizzentrum ist all das jetzt gewährleistet", sagt Wilhelm Tschugguel, Präsident des Landesgerichts Korneuburg.

Die Justizanstalt weist rund 16.700 Quadratmeter Nettogrundfläche auf und ist für 262 Haftplätze konzipiert. Im Erdgeschoß befinden sich unter anderem Aufnahme- und Entlassungsbereich, Besucher- und Vernehmungszone, der Sportbereich sowie Wirtschafts- und Arbeitsbetriebe. Im 1. Stock sind der allgemeine Verwaltungsbereich sowie Freigänger-Abteilung und Gästezimmer untergebracht. Die einzelnen Haftabteilungen sind vom 1. Stock bis zum 4. Stock T-förmig übereinander angeordnet.

"Neben der sicheren Unterbringung sind die zahlreichen Arbeitsplätze für die Insassen in den Arbeits- und Wirtschaftsbetrieben für die Resozialisierung von großer Bedeutung, wobei durch die technischen Einrichtungen auch die Sicherheit aller Bediensteten gewährleistet ist", sagt Wolfgang Turner, Leiter der Justizanstalt Korneuburg.

Das Justizzentrum Korneuburg ist zudem ein energetisches Vorzeigeprojekt. "Es wurde nach Passivhausstandard geplant und ist österreichweit ein Pilotprojekt des BMJ", sagt Hans-Peter Weiss. Die Heizung wird zur Hälfte über eine Erdwärmepumpe und einen Gasbrennwertkessel betrieben. Zusätzlich soll eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Vorkonditionierung der Frischluft über Sole-Wärmetauscher für behagliches Raumklima sorgen. Die Brauchwässer für die Gebäude werden über Grundwasserbrunnen in Gericht und Justizanstalt gepumpt. Fassaden mit Dämmstärken von bis zu 36 Zentimeter ermöglichen darüber hinaus einen effizienten Energieeinsatz.

Kunstprojekte

Optische Highlights bringen neben der modernen Architektur des Neubaus auch insgesamt zwei in das Gebäude und die Außenanlagen integrierte BIG Art "Kunst & Bau"-Projekte mit sich, die in Kooperation mit Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich entstanden.

"FREITREPPE" von Hans Schabus:

Für Hans Schabus ist das Gerichtsgebäude, vor allem aber die angeschlossene Haftanstalt ein Ort, der für manche einen zwar vorübergehenden, jedoch lang andauernden Moment des Stillstands bedeutet. Er legt also eine der Haupttreppe entsprechende Skulptur unbegehbar quer mitten auf den Vorplatz der Anlage. Die Jury begründete die Entscheidung für das Projekt folgendermaßen:
"Die großformatige Skulptur von Hans Schabus - das aus dem Justizzentrum gewissermaßen heraus sezierte, umgelegte und in den Außenraum versetzte Hauptstiegenhaus - ist eine Manifestation des Stillstandes an einem Ort des Kommens und Gehens. Es verweist auf ein Innehalten in der Bewegung und damit auf die dem Gerichtsgebäude angeschlossene Haftanstalt. Die Treppe als Zeichen der Mobilität wird quergelegt unbenutzbar und damit zu einem Symbol des Innehaltens an einem Ort und in einem Leben ständiger Mobilität."

"LIBRA - BALANCING THE INVISIBLE" von Nikolaus Gansterer:

Mit der Arbeit "Libra - Balancing the invisible" sind die diagrammatischen Zeichnungen von Nikolaus Gansterer als mobiles Raumgebilde in einem der großen überdachten Atrien des neuen Justizzentrums Korneuburg untergebracht. Ausgangspunkt von Gansterers Arbeit ist unter anderem die Frage, wie sich das komplexe Miteinander sozialer Zwischenräume abbilden und in Form bringen lässt. Durch die Funktionsweise des Mobiles, bei dem alle Elemente immer wieder miteinander in ein Gleichgewicht zurückfinden, wird das Prinzip der Waagschale und somit das Sinnbild der Justitia reflektiert. Das außergewöhnliche Mobile in Leichtbauweise fungiert dabei als Blickfang und als Raumsensorium.

"Das Projekt 'Libra - Balancing the invisible' ist ein mobiles Objekt, das auf Nikolaus Gansterers besondere Professionalität als Zeichner hinweist. Es besteht aus einem zarten Geflecht von Aluminiumrohren und schwarzen Kugeln, wobei an manchen Enden Segel in unterschiedlichen Größen angebracht sind. Durch Luftbewegungen und Solarenergie bewegen sich die Elemente unabhängig voneinander, und bilden immer neue Raumkonstellationen. Die langsamen Veränderungen der Libra können ebenso wie die Schattenzeichnungen, die sie an Wände und Gläser der Architektur wirft von allen Benutzern des Gebäudes beobachtet werden. Die Zartheit des Objekts und seine fließenden Bewegungen unterstützen das klare architektonische Konzept des Justizzentrums. Somit entsteht eine Form von erweiterter Raumzeichnung, die mit ihren Bewegungen unsichtbare Thermik, Lichtverhältnisse und die Vorgänge, die im Gebäude stattfinden, sichtbar macht", so die Jury-Begründung.

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Mag. Ernst Eichinger, MBA, MRICS
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