Ethikunterricht - OTS Stellungnahme Freidenkerbund vom 21.9.12

Wien (OTS) - Der Vorsitzende der Freidenker Österreichs, Dr. Gerhard Engelmayer, begrüßt die Initiative der Plattform "Ethik für alle" in einer Aussendung und kündigt den Beitritt zur Plattform an. Der Freidenkerbund (www.freidenker.at) ist Österreichs größte und traditionsreichste laizistische Organisation und feiert dieser Tage mit österreichischen Spitzen-Kabarettisten beim Laizistengipfel OPEN MIND SUMMIT an der Uni Wien sein 125 Jähriges Bestehen.
Religion ist für die Freidenker eine sehr persönliche Sache, um die Traditionen der Familie zu pflegen, keineswegs etwas, was in den öffentlichen Raum gehört und schon gar nicht in die Schule, womit Feindbilder kreiert statt abgebaut werden (wie eine Direktorin aus der Leopoldstadt im ORF klagte).

Diese Privatangelegenheit kostet der Öffentlichkeit hunderte Millionen, eine Subvention der Religionen, die im Religionsunterricht neue Mitglieder "rekrutiert" und für die Erstkommunion vorbereitet. Einwände wie der Verweis auf das Konkordat schmälern nicht die Berechtigung des Anliegens, sondern zeigen nur auf, wie verfahren die Situation ist und wie schwierig es sein wird, hier eine für die säkulare Gesellschaft tragbare Lösung zu finden.

Die Schule hat auch andere - dem Religionsunterricht zuwider laufende - Ziele: Sowohl BV-G Art 14 (5a) als auch SchOG §2 (1) zielen auf eine Befähigung der Schüler zum "selbstständigen Urteil". Das kann am besten über "selbstständiges Denken" bzw. "kritische Reflexion", also gerade über das Gegenteil von Gläubigkeit, erreicht werden. Im Interesse des Staates kann es nur liegen, den jungen Menschen zu einem kritischen, selbständig denkenden Staatsbürger zu erziehen. Dadurch schlüpft er aus der Rolle des Stimmviehs in eine Rolle des mündigen, klug entscheidenden Bürgers, um als Souverän vom Populismus möglichst unbeeinflusste, gute Entscheidungen zu fällen. Dr. Engelmayer: "Religion lehrt das Fürchten und nicht das Denken!"

Ähnlich bei der Moral: Die Aufgabe des Staates wäre es auch, eine einheitliche Ethik für alle auf Basis der letzten Erkenntnisse der Menschheit zu etablieren, nicht auf Basis von vor 3000 Jahren, ähnlich wie unsere heutigen Hygienevorschriften für Fleischverarbeitung nicht aus der Bibel stammen, sondern aus der Feder der besten dafür qualifizierten Wissenschafter. Bei neuen Fragestellungen wie Präimplantationsdiagnostik passiert dies bereits.

Aber trotz der zweifelsfreien Berechtigung der Anliegen ist es derzeit nicht realistisch, von einer Abschaffung des Religionsunterrichtes auszugehen. Wir sind daher (in Orientierung am Berliner Lebenskundeunterricht) für einen Ethikunterricht im Sinne der Plattform "Ethik für alle", der muss für alle Schüler verpflichtend und allen Religionen gegenüber fair sein und diese gleich behandeln, und dieser Unterricht braucht im Fach ausgebildete Pädagogen, aber keinesfalls Religionslehrer. Die Lehrpläne müssten von den Verbänden erstellt oder begutachtet werden.

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Dr. Gerhard Engelmayer
Vorsitzender Freidenkerbund Österreich
engelmayer@aon.at
Tel.: +43 699 814 814 30

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