Leitl zu Pensionen: "Vom Reden ins Handeln kommen und Anreizmodell für Versicherte und Betriebe rasch und zeitlich befristet umsetzen"

Pensionsantrittsalter ist trotz längerer Lebenserwartung gesunken statt gestiegen - Österreich muss in die Zukunft statt in die Vergangenheit investieren

Wien (OTS/PWK641) - "Die eingeschlagene Konsolidierung des österreichischen Budgets kann nur dann erfolgreich sein, wenn auch bei den Pensionen die begonnenen Reformen kontinuierlich fort- und umgesetzt werden. Nicht ein Schönreden der Probleme bringt uns weiter, gefordert sind vielmehr konkrete und pragmatische Lösungsansätze, damit ältere Arbeitnehmer länger in Beschäftigung bleiben", betont Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl angesichts der heutigen Aussagen von ÖGB-Präsident Erich Foglar und AK-Präsident Herbert Tumpel zum Thema Pensionen.

Leitl verweist auf einige Daten und Fakten, die selbst von den größten "Systemoptimisten" nicht geleugnet werden können. So ist das durchschnittliche Zugangsalter in der gesetzlichen Pensionsversicherung von über 61 Jahren in den 1970er Jahren auf derzeit 58 Jahre gesunken. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung um zwölf Jahre gestiegen. Auf 100 Menschen im Erwerbsalter kommen derzeit 26 Menschen im Alter von 65plus, 2060 werden es nur noch gut 2 Erwerbsfähige je Pensionist sein. Leitl dazu: "Im Vergleich zu den 1970er Jahren leben wir heute erfreulicherweise wesentlich länger. Wir können uns aber nicht darüber hinweg schwindeln, dass bei einem so viel längeren Verbleib im Ruhestand Änderungen im Pensionsrecht unumgänglich sind, damit auch jüngere Generationen noch angemessene Pensionen bekommen."

Leitl verweist darauf, dass in Ländern wie der Schweiz, Schweden oder Deutschland die Menschen deutlich später in Pension gehen. Umgemünzt auf Österreich wären daher Einsparungen von bis zu 5 Milliarden Euro möglich. Da derart "starke Umbrüche" im Pensionssystem kurzfristig nicht machbar sind, ein längerer Verbleib älterer Arbeitnehmer in Beschäftigung aber dringend geboten ist, schlägt die Wirtschaftskammer ein konkretes Anreizmodell für Versicherte und Betriebe nach der Formel 25/25/50 vor: Versicherte, die trotz Rechtsanspruch auf eine Pension weiterarbeiten, könnten demnach 25 Prozent zu ihrer fiktiv errechneten Pension zusätzlich zum regulären Einkommen erhalten. Weitere 25 Prozent bekäme der Betrieb und 50 Prozent blieben im Pensionssystem.

"Ich appelliere an die anderen Sozialpartner, diesen pragmatischen Lösungsvorschlag, der rasch wirkt und für alle Beteiligten von Vorteil ist, zu unterstützen", so Leitl. "Setzen wir dieses Anreizmodell probeweise auf ein Jahr befristet mit einer anschließenden Evaluierung um!" Eine solche Maßnahme wäre auch ein wichtiger Beitrag gegen den Fachkräftemangel, der nach einer aktuellen WKÖ-Umfrage zu einem immer gravierenderen Problem für die österreichischen Betriebe wird. "Derzeit schicken wir Fachkräfte in die Rente, die wir noch dringend brauchen würden." Die Erwerbsquote der 60-64-Jährigen liegt in Österreich derzeit bei 22 %. Im Vergleich dazu kommt Schweden auf 61 Prozent, Deutschland auf 41 Prozent. "Dahin muss die Reise auch für Österreich gehen", so der WKÖ-Präsident.

Leitl abschließend: "Kaum eine Woche vergeht, in der nicht OECD, Währungsfonds oder EU - zu Recht - Reformen im Pensionssystem einmahnen. Kommen wir vom Reden ins Handeln und geben wir pragmatischen Lösungen eine Chance. Erst jüngst hat der Rechnungshof wieder vorgerechnet, dass die Pensionsausgaben der Regierung (inkl. Beamte) von 2011 bis 2016 um 2,7 Mrd. Euro und damit um mehr steigen werden, als jene für die Zukunftsbereiche Jugend, Familie, Unterricht, Kunst, Kultur, Wissenschaft und Forschung in Summe. Statt immer mehr Geld in die Vergangenheit zu pumpen, müssen wir in die Zukunft investieren. Auch aus diesem Grund muss es - im Sinne unserer Verantwortung für die jüngeren Generationen - rasch zu einem Umdenken bei allen Beteiligten kommen." (SR)

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