Gesundheitliche Belastungen in den Gesundheits- und Sozialberufen weiterhin im Spitzenfeld

Präsidenten Reisner und Haneder bekräftigen die Allianz am 2. Tag der Gesundheitsberufe in NÖ

Wien (OTS) - "Es hat sich zwar einiges bewegt, wie die Schaffung des "Medizinischen Assistenzberufe Gesetzes" oder des neuen "Spitalsärztegesetzes", doch die großen Strukturveränderungen in den Gesundheitseinrichtungen lassen noch auf sich warten", erklärten die Präsidenten der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, und sein Kollege von der NÖ Arbeiterkammer, Hermann Haneder, unisono anlässlich des heute, Freitag, in St. Pölten stattgefundenen zweiten Tages der Gesundheitsberufe in Niederösterreich.

BM Stöger: Gesundheit als zentraler Faktor zur Stabilisierung der Wirtschaft

"Wenn die Wirtschaft in einer Krise ist, haben Menschen häufig Angst. Dann braucht man Stabilität und die bekommt man mit einem gut funktionierenden Gesundheitssystem. In Österreich haben wir es geschafft, mit Hilfe der wertvollen Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits- und Sozialbereich die Wirtschaft zu stabilisieren. Wir haben es geschafft, den Menschen die Sicherheit zurückzugeben, indem wir die Finanzierung des Gesundheitssystems sichergestellt haben ohne Einschnitte im Gesundheitssystem", meinte BM Alois Stöger. Die Gebietskrankenkassen schreiben positive Zahlen und "wir haben Arbeitsplätze gesichert".

Das Maß ist der Mensch

Das diesjährige Motto des Gesundheitstages "Das Maß ist der Mensch" soll helfen, den Focus bei künftigen Entscheidungen auf das Wesentliche zu richten. "Und zwar auf den Menschen, denn genau dort müssen wir ansetzen", forderte der Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte, OA Dr. Ronald Gallob. "Wir stehen am Schnittpunkt zweier Trends: Aufgrund der zunehmenden Zahl älterer Menschen und des damit verbundenen Anstiegs an Multimorbiditäten sowie des medizinischen Fortschritts steigen einerseits die Anforderungen an das Gesundheitssystem. Andererseits steigt das Durchschnittsalter der im Gesundheitsbereich beschäftigten Personen. Um diese Entwicklung zu bewältigen, müssen wir uns am Menschen als unser Maß orientieren, was bislang noch zu wenig getan wird." Auch die Zunahme an Behandlungen in Tageskliniken und die immer kürzer werdende Verweildauer im Krankenhaus stellen neue Herausforderungen für die MitarbeiterInnen in Gesundheitsberufen dar.

Aufwertung für medizinische Assistenzberufe und besserer Arbeitnehmerschutz erreicht

"Wir haben zwei wichtige Forderungen durchgesetzt", sagte AKNÖ-Präsident Hermann Haneder beim 2. Tag der Gesundheitsberufe, "Berufe wie Ordinationsassistentin oder Operationsgehilfe werden ab Jänner 2013 deutlich aufgewertet und der ArbeitnehmerInnenschutz wird durch den Ausbau der Arbeitspsychologie in den Betrieben deutlich verbessert, um auf die steigenden Belastungen im psychischen Bereich zu reagieren". Qualitätssicherung für die PatientInnen beginnt bei einer qualifizierten Berufsausbildung aller Gesundheitsberufe. Die Zeit der Hilfstätigkeiten im Gesundheitswesen ist vorbei.

Personalbedarfsberechnungen an aktuelle Entwicklungen anpassen

Die Vizepräsidentin der NÖ Arbeiterkammer, DGKS Brigitte Adler, zeigte im Zuge der Enquete auf, was diese Entwicklung für die Zukunft des Pflegeberufes bedeutet: "Die Entwicklungen der letzten Jahre werden bis heute vom Pflege- und Betreuungspersonal kompensiert. Dies führt zu einer fortschreitenden Verdichtung der Arbeit mit der Konsequenz, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von erheblichen psychischen und physischen Belastungen betroffen sind. Die Folgen sind Krankenstände, Burn-out und eine überdurchschnittlich hohe Fluktuation. Doch wir werden künftig noch mehr Beschäftigte im Gesundheitswesen brauchen und sie werden älter sein als heute. Wir brauchen daher sehr rasch gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen und -zeiten." Verschärft wird die Situation durch einen laufenden Anstieg des Patientenaufkommens, konkret um 50 Prozent in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Der Personalstand hingegen ist weitgehend gleich geblieben oder sogar gesunken. "Viele Arbeitsstellen bleiben durch Karenzen oder längere Krankenstände monatelang unbesetzt", kritisierte die AKNÖ-Vizepräsidentin.

Auch niedergelassene Ärzteschaft betroffen - Kassenstellen immer öfter unbesetzt

Die Auswirkungen der Entwicklungen machen auch vor den Ordinationen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht halt. Durch die kürzeren Aufenthalte in den Krankenhäusern kommen Patientinnen und Patienten früher in die häusliche Pflege und brauchen auch eine intensivere Unterstützung durch ihren Hausarzt. Dieser wiederum hat aufgrund der ausufernden Bürokratie aber immer weniger Zeit für seine Patienten. All dies trägt mit dazu bei, dass die Anzahl der BewerberInnen um Kassenplanstellen kontinuierlich sinkt beziehungsweise Kassenstellen gar nicht mehr nachbesetzt werden können. Kurienobmann-Stv. Dr. Martina Hasenhündl meinte dazu: "Wir machen die Erfahrung, dass auch in Niederösterreich Kassenplanstellen immer öfter mehrfach ausgeschrieben werden müssen, insbesondere in ländlichen, schwieriger erreichbaren Regionen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass in den nächsten zehn Jahren rund ein Drittel der niedergelassenen AllgemeinmedizinerInnen und ein Viertel der niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte in Pension gehen werden. Wenn der niedergelassene Bereich aber nicht mehr lückenlos funktioniert, müssen die Patientinnen und Patienten auf das Krankenhaus ausweichen. Und dort sind bekanntlich bereits alle Kapazitäten ausgeschöpft."

Deutliche Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation der angestellten Ärztinnen und Ärzte in den NÖ Landeskliniken

In den letzten Jahren konnten mit konsequenter und harter politischer Arbeit mehrere wesentliche Forderungen für die Spitalsärztinnen und Spitalsärzte umgesetzt werden. So wurde beispielsweise bereits vor einigen Jahren für alle angestellten Ärztinnen und Ärzte in der Landesklinikenholding die freie Wahl der Arbeitszeitobergrenzen innerhalb der Möglichkeiten des Krankenanstaltenarbeitszeitgesetzes eingerichtet. Dieser erste Schritt hat der Arbeitsverdichtung in der Vergangenheit Rechnung getragen und eine deutliche Entlastung der Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer gebracht. Darüber hinaus wurde damit die Qualität der geleisteten Arbeit gesichert. In einem nächsten Schritt wurde nach einjähriger Arbeits- und Verhandlungsdauer eine Novelle zum NÖ Spitalsärztegesetz ins Leben gerufen, welche eine wesentliche Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation darstellt und gleichzeitig den Beruf Spitalsärztin beziehungsweise Spitalsarzt für die Zukunft sichern kann. Die entscheidende und für alles unbedingt nötige Grundbedingung war, dass nicht nur eine Gesprächsbasis zwischen den Arbeitnehmervertretungen und dem Dienstgeber aufgebaut worden war, sondern dass eine Vertrauensbasis geschaffen wurde, mit welcher die noch auf die Ärzteschaft zukommenden Hürden bewältigt werden können.

Forderungen des St. Pöltner Appells weiterhin aufrecht

"Damit wir für die Mehrheit der MitarbeiterInnen der Gesundheits-und Sozialberufe bald eine ähnlich erfreuliche Mitteilung verkünden können, bleiben die Forderungen des St. Pöltner Appells selbstverständlich weiterhin aufrecht", zeigte sich VP Brigitte Adler optimistisch und fasste die zentralen Forderungen beider Interessensvertretungen zusammen:

  • Eine deutliche Aufstockung des Personals, um die Arbeit in der erforderlichen hohen Qualität vollbringen zu können. Eine Verringerung der extrem hohen Arbeitsverdichtung ist dafür nötig!
  • Planbare verlässliche Arbeitszeiten im Sinne einer Family-Work-Balance: Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss gewährleistet werden. Dazu zählen die Beendigung von überlangen Arbeitsdiensten, zu häufiger Wochenendarbeit und kurzfristiger Inanspruchnahme!
  • Eine professionelle Personalentwicklung, die eine individuelle Karriereplanung ermöglicht!
  • Die leistungsgerechte und bedarfsorientierte Entlohnung für die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe - in Analogie zu den Spitalsärztinnen und -ärzten!
  • Gesundheitsfördernde Arbeitsplätze, um die hohe emotionale Belastung zu verringern!

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