Neues Volksblatt: "G'scheit sein, ..." von Herbert SCHICHO

Ausgabe vom 19. September 2012

Linz (OTS) - Erneut wird eine Empfehlung der Bioethikkommission zu heißen Debatten führen. Vor einigen Monaten haben die Wissenschaftler dem Verfassungsrichter geraten, die künstliche Befruchtung auch für gleichgeschlechtliche Paare zu gestatten; am Freitag wollen sie dem Parlament empfehlen, dass die Präimplantationsdiagnostik unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt wird. Auch diesmal ist man offensichtlich der Versuchung der Machbarkeit erlegen.
Denn die eigentliche Frage ist nicht, ob Lesben gute Eltern sein können oder ob ein Eizellentest vor der Einsetzung in die Gebärmutter hilft, Leid zu sparen. Die dahinterstehende Annahme ist das eigentliche ethische Problem. Man hat nämlich kein Recht darauf, Eltern zu werden. Kinder sind ein Geschenk und kein Produkt, das man erwirbt und bei Fehlfunktionen oder Nicht-Gefallen umtauschen kann. Eltern sind nicht die Besitzer ihrer Kinder und dürfen auch nicht als solche handeln. So legitim der Kinderwunsch ist, man darf daraus keinen Rechtsanspruch konstruieren.
Die Ethik-Kommission hat es nicht leicht, den Spagat zwischen Technik-Nutzen und Technik-Gefahren zu schaffen, oft muss man bei der Abwägung Verrenkungen in Kauf nehmen. Doch bisweilen sollte man auch Nein sagen. Wie heißt es doch: "G'scheit sein, net einitappn!"

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