OÖNachrichten-Leitartikel: "Die Grünen treffen auf einmal ins Tor", von Wolfgang Braun

Ausgabe vom 19. September

Linz (OTS) - Geschätzt, aber nicht im selben Maß gewählt. Das war lange das Los der Grünen in Österreich. Guten Umfragewerten folgte nie der große Durchbruch bei Nationalratswahlen. Das Meisterstück, eine Regierungsbeteiligung im Bund, blieb ihnen bisher verwehrt. Manchmal standen sich die Grünen auch selbst im Weg und schwächten sich durch interne Reibereien. Nicht selten waren sie einfach zu blauäugig, um schöne Auflagen zu verwerten.
Umso bemerkenswerter ist der gestrige Schachzug Gabi Mosers. Die Linzerin, grünes Urgestein im Parlament, wurde in den vergangenen Tagen wegen einer Lappalie von SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ zum Rücktritt von ihrer Funktion als Vorsitzende des Korruptions-Untersuchungsausschusses aufgefordert. Die Motive waren durchsichtig: Allen vier Parteien ist in unterschiedlicher Vehemenz daran gelegen, den für sie unangenehmen Ausschuss rasch abzudrehen. Mosers angebliche Verfehlung sollte als Argument herhalten. Mit ihrem überraschenden Rückzug hat Moser der Phalanx der anderen Parteien den Wind aus den Segeln genommen. Wer den Ausschuss weiter stoppen will, kann sich nun nicht mehr hinter Scheinbegründungen verstecken. Mosers Entscheidung ist nicht der einzige Pluspunkt, den die Grünen in jüngster Vergangenheit gesammelt haben. Dass der Skandal-Sumpf in Kärnten vor Gericht aufgedeckt werden konnte, war nicht zuletzt dem beharrlichen Engagement des grünen Mandatars Rolf Holub zu verdanken. Auch die von manchen anfangs belächelte Sommertour der grünen Bundeschefin Eva Glawischnig trug Früchte. Glawischnig, die lange einen abgekämpften Eindruck machte, zeigte österreichweit Präsenz, knüpfte wertvolle Bürgerkontakte und wirkt seither wieder frischer und fitter. Und schließlich gelang den Grünen sogar, was in der Vergangenheit oft schiefging - nämlich ihre aktuelle Plakatkampagne. Knackig und sympathisch wird der größte Trumpf der Grünen präsentiert: "0 Prozent korrupt", heißt es da unter anderem. Die Botschaft stimmt. In der von Skandalen und Affären gebeutelten Innenpolitik können einzig die Grünen eine weiße Weste für sich reklamieren. Langsam schlägt sich das auch in den Umfragen nieder. Die Grünen sind in einem Hoch, bei dem jedoch noch nicht sicher ist, ob es bis zur Wahl 2013 anhält. Aber wenn es so kommt, wäre es nicht unverdient.

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