AK zu "Fachkräftemangel": Wirtschaft muss mehr ausbilden

Gerade in den wenigen Berufen mit stärkerer Nachfrage geht Lehrausbildung zurück

Wien (OTS) - Wer über Fachkräftemangel klagt, sollte zu allererst seine Hausaufgaben machen und in den Berufen mit stärkerer Nachfrage Ausbildungsplätze anbieten", sagt Josef Wallner, Leiter der AK Abteilung Arbeitsmarkt und Integration. Im Halbjahresabstand wird von WirtschaftsvertreterInnen ein "Mangel an Fachkräften" beklagt. "Ein Blick in die AMS-Statisitk zeigt aber ein anderes Bild", sagt Wallner. Die aktuellen Stellenandranglisten mit höherer Nachfrage zeigen, dass in den letzten 12 Monaten nur in den Berufsbereichen MetalltechnikerInnen und Bau- und MöbeltischlerInnen erhöhte Nachfrage bestanden hat. Auf eine dieser offenen Stellen kamen laut Statistik 1,5 Arbeitsuchende. "Das heißt aber auch, dass es immer noch mehr Arbeit Suchende in diesen Bereichen gibt als offene Stellen", so Wallner. Gleichzeitig ist aber genau in diesen Berufen die Neuausbildung von Lehrlingen (im ersten Lehrjahr) zum Teil dramatisch gesunken. "Viele Betriebe selbst tun gar nichts, um einem allfälligen Fachkräftemangel vorzubeugen. Im Gegenteil: Sie reduzieren genau dort das Lehrstellenangebot, wo eine erhöhte Nachfrage behauptet wird."

Wallner mahnt die Wirtschaft, auch mit Blick auf die schwierigere Lage am Arbeitsmarkt, jetzt die eigene Belegschaft weiter zu entwickeln und zu qualifizieren. Zuletzt sind die Arbeitslosenzahlen wieder massiv angestiegen. Bei älteren ArbeitnehmerInnen, aus-ländischen ArbeitnehmerInnen und im Bereich der Arbeitskräfteüberlassung hat der An-stieg im August zweistellige Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr erreicht.
"Widersprüchlich ist auch, dass die Unternehmen einerseits ständig nach neuen aus-ländischen Fachkräften rufen, dann aber nicht bereit sind, deren Qualifikation anzuerkennen. So zeigen Studien der Arbeiterkammer Wien und die Daten von Statistik Austria, dass fast jede/r dritte ausländische ArbeitnehmerIn unterhalb des Ausbildungsniveaus eingesetzt wird und dass ausländische ArbeitnehmerInnen auch geringer entlohnt werden als inländische. "Obwohl die Wirtschaft nach immer neuen ausländischen Fachkräften ruft, ist sie offenbar nicht bereit, ältere Fachkräfte auf dem österreichischen Arbeitsmarkt einzustellen", so Wallner. "Die Unternehmen müssen ihre Personalpolitik ändern. Das ist die wichtigste Antwort auf den angeblichen Facharbeitermangel", so Wallner weiter. Derzeit werden in der Industrie über Leiharbeitsfirmen eingesetzte Fachkräfte wieder verstärkt gekündigt. Ausländischen ArbeitnehmerInnen, die bereits hier sind, verlieren verstärkt ihren Job und ältere Fachkräfte erhalten nicht einmal einen Vorstelltermin, weil sie "zu alt" sind. Offenbar geht es den Unternehmen nicht primär um Fachkräfte, sondern darum, dass die Ausbildungskosten dafür noch stärker als schon derzeit von der Allge-meinheit getragen werden und dass Fachkräfte zu möglichst sinkenden Lohnkosten gefunden werden.

Die AK verlangt daher ein Überdenken der Lehrstellenförderung in Richtung von mehr Effektivität und Effizienz.
+ Es müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit ältere Arbeitsuchende entlang eines individuellen Wiedereinstiegspfads die passenden Angebote erhalten, die sie brauchen.

+ ArbeitnehmerInnen aller Alters- und Qualifikationsgruppen müssen verstärkt in die innerbetrieblichen Aus- und Weiterbildung einbezogen werden. Das sichert die berufliche Flexibilität und Anschlussfähigkeit an neue Aufgaben auch der älteren ArbeitnehmerInnen.

+ Es braucht mehr Umstiegsmöglichkeiten auf weniger belastende Arbeitsplätze innerhalb der Unternehmen, damit ältere ArbeitnehmerInnen länger gesund im Beruf bleiben können.

+ Die Anerkennung ausländischer Qualifikationen muss erleichtert werden, damit jene zahlreichen ausländischen Fachkräfte, die bereits im Land sind und im Zuge der Zuwan-derung nach Österreich kommen, auch tatsächlich entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt werden.

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