ÖGJ: In der ÜBA warten 10.000 Jugendliche, die sofort eine betriebliche Lehrstelle antreten können

WKÖ-Hochhauser soll nicht über Fachkräfte- und Lehrlingsmangel jammern, sondern lieber die Ausbildung hochfahren

Wien (OTS/ÖGB) - "Die Wirtschaft soll nicht über Fachkräftemangel jammern, sondern ausbilden", sagt der Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Jürgen Michlmayr, zu den heutigen Aussagen von WKÖ-Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser. Betreffend den laut Hochhauser um 20 Prozent gestiegenen Bedarf nach Lehrlingen hat Michlmayr einen Tipp, wo sie zu suchen beginnen sollte: "In den überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen (ÜBA). Dort sind derzeit 10.000 Jugendliche, die in Wirklichkeit alle eine Lehrstelle in einem Betrieb suchen - und diese sofort antreten können."++++

Die Schwierigkeiten der Wirtschaft, genug Fachkräfte zu finden, sind hausgemacht. Michlmayr: "Seit 1980 ist die Zahl der Lehrstellen um ein Drittel zurückgegangen, gerade 20 Prozent der Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden könnten, tun das auch. Die Zahlen machen klar, dass vor allem auf der Seite der Wirtschaft einiges getan werden muss, damit die Zahl der Ausbildungsverweigerer unter den Unternehmen wieder sinkt. Die Gewerkschaftsjugend hat ihr Modell für eine Fachkräftemilliarde längst auf den Tisch gelegt. Es umfasst Qualitätsförderung sowie Anreize, wieder mehr Lehrlinge auszubilden."

Fachkräftemilliarde für mehr Lehrausbildung und bessere Qualität

Zur fairen Finanzierung der Lehrlingsausbildung fordert die ÖGJ eine Fachkräftemilliarde. Ein Prozent der Bruttoentgeltsumme soll von den Unternehmen eingehoben werden. 2009 wären so aus der Lohnsumme der Vollzeitbeschäftigten 756,2 Millionen Euro zur Verfügung gestanden. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten mit, kommt man auf eine Milliarde Euro für die Fachkräfte-Aus- und Weiterbildung -Mehreinnahmen von 850 Millionen Euro im Vergleich zum derzeitigen Modell, wonach die Betriebe in den Insolvenzfonds Geld für die Lehrstellenförderung einzahlen. Geld aus der Fachkräftemilliarde soll dann an jene (derzeit gerade 20 Prozent der) Unternehmen fließen, die Lehrlinge ausbilden. Außerdem sollen aus der Fachkräftemilliarde die Plätze in überbetrieblichen Ausbildungsplätzen finanziert werden, die derzeit der Bund (über das AMS) finanziert. Ersparnis für die SteuerzahlerInnen: 150 Millionen Euro pro Jahr. "Wir erwarten aber auch, dass wegen der Förderungen künftig mehr Unternehmen selbst ausbilden und daher weniger Plätze in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen notwendig sein werden", sagt Michlmayr."

Wirtschaft stellt gut ausgebildete Fachkräfte nur als billige Lehrlinge an

Obwohl angeblich so ein eklatanter Fachkräftemangel besteht, beschäftigt die Wirtschaft gut ausgebildete AbsolventInnen der Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS) oft nur als Lehrlinge statt als Fachkräfte. "Seit Jahren fehlt eine klare Regelung, wie Schulbildung an einer BMHS im Arbeitsleben behandelt wird. "Es ist vom Gooodwill der Unternehmer abhängig, ob junge Fachkräfte auch entsprechend entlohnt werden, oder ob sie nur mit der Lehrlingsentschädigung abgespeist werden", kritisiert Michlmayr. Für die Absolventin einer Tourismusschule, die in einem Reisebüro zu arbeiten beginnt, beträgt die Differenz zwischen Lehrlingsentschädigung im ersten Lehrjahr und Kollektivvertrag-Startgehalt beispielsweise rund 13.000 Euro brutto allein in den ersten zwölf Monaten.

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