Allianz Vermögensreport: Vermögen und Schuldenstand der Österreicher schrumpfen

Wien (OTS) - Während das weltweite Brutto-Geldvermögen erstmals die 100 Billionen Euro-Grenze überschritten hat, ist das Pro-Kopf-Vermögen der österreichischen privaten Haushalte im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Nach Abzug der Verbindlichkeiten liegt Österreich im internationalen Vergleich an 15. Stelle, wie der aktuelle Allianz "Global Wealth Report" zeigt. Gemessen in Prozent der Wirtschaftsleistung stehen mit Blick auf die private Verschuldung in Westeuropa nur die Haushalte Belgiens besser da als Herr und Frau Österreicher. Seit Ausbruch der Finanzkrise profitieren insbesondere die Anlageklassen Bankeinlagen und Versicherungen von der erhöhten Liquiditäts- und Sicherheitspräferenz der Österreicherinnen und Österreicher.

"Es ist unübersehbar, dass Unsicherheit, niedrige Zinsen und die Euro-Krise ihre Spuren in der Vermögensentwicklung hinterlassen", kommentiert Dr. Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich, die Ergebnisse des aktuellen Allianz Global Wealth Report. Der globale Trend zur höheren Bewertung des Sicherheitsaspektes bei der Vermögensbildung gilt auch hierzulande. Hinzu kommt, dass die Menschen in Österreich seit Jahren eine hohe Schuldendisziplin aufweisen."

Weltweit: Wachstum der Geldvermögen bremst sich ein

In der Allianz Studie wurde die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern analysiert. Demnach ist die kräftige Erholung der Geldvermögen, die nach der Finanzkrise 2007/08 beobachtet werden konnte, im letzten Jahr abrupt zum Stillstand gekommen: Das Netto-Geldvermögen pro Kopf legte 2011 nur um 0,6 Prozent zu, nach 7,8 Prozent und 9,7 Prozent in den Jahren 2009 und 2010. Diese enttäuschende Entwicklung hat ihre Ursache in erster Linie im niedrigen Wachstum des Brutto-Geldvermögens: Zwar wurde 2011 - auch dank des schwachen Euro - die Marke von 100 Billionen Euro durchbrochen und das globale Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte kletterte auf insgesamt 103,3 Billionen Euro. Der Zuwachs betrug dabei aber nur 1,6 Prozent und in der Pro-Kopf Rechnung sogar nur 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Österreich auf Platz 15

Im globalen Vergleich belegt Österreich Ende 2011 mit einem durchschnittlichen Netto-Geldvermögen pro Kopf von 40.650 EUR Platz 15 in der Rangliste der reichsten Länder, einen Platz vor Deutschland. Diese Liste wird seit Jahren mit großem Abstand von der Schweiz mit 138.062 Euro angeführt; auf den Plätzen zwei bis fünf folgen Japan, die USA, Belgien und die Niederlande. Zwar musste in Österreich im letzten Jahr beim Netto-Geldvermögen pro Kopf auch ein leichter Rückgang hingenommen werden (-1,1 Prozent); aber dennoch liegt der 2011er Wert mehr als 8 Prozent über dem Vor-Krisen-Höchstwert aus dem Jahr 2007. In der noch längeren Betrachtung bildet Österreich, gleichauf mit Deutschland, aber hinter Dänemark, sogar die europäische Spitzengruppe beim Wachstum der Netto-Geldvermögen pro Kopf (Jahresrate seit 2000: +4,3 Prozent).

Schuldendisziplin: Österreicher zweitbeste Schuldner in Westeuropa

Auf der anderen Seite zeigen die Sparer seit der Finanzkrise 2007/08 eine größere Schuldendisziplin. Der globale Schuldenberg wuchs auch 2011 nur mäßig um 2,2 Prozent und damit deutlich langsamer als die nominale Wirtschaftsleistung. Die globale Schuldenquote (Verbindlichkeiten in Prozent des weltweiten BIP) reduzierte sich dadurch allein im letzten Jahr um annähernd 2,5 Prozentpunkte auf 67 Prozent. In den Jahren vor der Krise erzielte das globale Schuldenwachstum noch regelmäßig Werte von über 8 Prozent und die Schuldenquote erreichte in Spitzenzeiten knapp 72 Prozent.

Gäbe es ein Maastricht-Ziel für private Haushalte, so wären die Österreicher im Europavergleich mit einer privaten Schuldenquote von 55,5 Prozent ein westeuropäischer Musterschüler, nur hauchdünn getoppt von den Belgiern (55,3 Prozent). Auf den Plätzen drei und vier folgen die Italiener (59,6 Prozent) und die Deutschen (60,3 Prozent). "So manche Regierung könnte sich bei ihren Bürgern ein Beispiel nehmen", erklärt Littich. Den höchsten privaten Schuldenstand haben die Dänen (148,9 Prozent).

Flucht in sichere Anlagen

Neben der größeren Schuldendisziplin gibt es ein weiteres Phänomen, das die globale Vermögensentwicklung post-Lehman kennzeichnet: die anhaltende Flucht in die Sicherheit. In den letzten vier Jahren waren Bankeinlagen in jeder Weltregion die am schnellsten wachsende Vermögensklasse. Allein im letzten Jahr stockten die Sparer weltweit ihre Bankguthaben um über 6 Prozent oder rund 2 Billionen Euro auf. Ihr Anteil am Vermögensportfolio hat sich damit seit 2007 um 5,5 Prozentpunkte auf 32,8 Prozent erhöht, gleichzeitig ist der Wertpapieranteil um 6,5 Prozentpunkte auf 34,6 Prozent zurückgefallen. Auch in Österreich ist ein ähnlicher Trend erkennbar:
Hierzulande legten Bankeinlagen am Vermögensportfolio seit 2007 um 1,7 Prozentpunkte (von 44,4 auf 46,1 Prozent), Versicherungen um 0,5 Prozentpunkte zu (von 18,6 auf 19,1 Prozent), während Wertpapiere (von 35,4 auf 32,8 Prozent) an Bedeutung einbüßten. "Die Ergebnisse zeigen, dass Herr und Frau Österreicher den Bedarf für private Vorsorge erkennen. Angesichts des demografischen Wandels und seiner Herausforderungen können sich die Sparer die Flucht in renditeschwache Anlagen wie das Sparbuch eigentlich nicht leisten", so Littich. "Zur Bewältigung der vor uns liegenden Herausforderungen ist langfristiger Kapitalaufbau für die Pensionsvorsorge das Gebot der Stunde."

Lebensversicherung als Inflationsschutz

In diesem Zusammenhang sei die Lebensversicherung die einzige Sparform, welche nicht nur eine Leistung an sich, sondern auch die Höhe der Pension über lange Zeithorizonte garantieren kann, erklärt Littich. "Unsere Gesamtverzinsung liegt seit drei Jahrzehnten im Schnitt 3,5 Prozent-Punkte über der Inflationsrate", erklärt Littich. Das Geld sei zudem konkurssicher und werde von einem externen Treuhänder ein Mal pro Monat nach dem strengen Niederstwertprinzip kontrolliert. Die Angst der Menschen, dass die Inflation ansteigt und dadurch der Wert ihrer Lebensversicherung sinkt, sei unbegründet. "Denn wenn die Inflation ansteigt, steigt auch die Gewinnbeteiligung. Lebensversicherung ist somit der beste Inflationsschutz", resümiert Littich.

Ausblick: Globaler Mittelstand wächst

Noch aufschlussreicher als die Ländereinteilung ist jedoch die Analyse der Mikroverteilung der Vermögen. Diese zeigt das volle Ausmaß der fundamentalen Verschiebungen auf der Vermögensweltkarte:
Ende 2011 zählten rund 720 Millionen Menschen weltweit zur Vermögensmittelklasse. Gegenüber dem Jahr 2000 hat sich ihre Zahl damit mehr als verdoppelt. "Im globalen Maßstab gelingt es immer mehr Menschen, am allgemeinen Wohlstand zu partizipieren. Und diese Menschen kommen nicht mehr aus den üblichen Wohlstandsregionen, sondern aus aufstrebenden Ländern, vor allem in Asien. Dies wird das Gesicht der weltweiten Finanz-, Vermögens- und Gütermärkte in den nächsten Jahren grundlegend verändern", prognostiziert Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE.

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