Greenpeace: Zeit für umfassende Kehrtwende in Biospritpolitik

Biotreibstoffe der zweiten Generation mit Vorsicht zu genießen

Wien (OTS) - Greenpeace begrüßt das gestrige Einlenken von Minister Berlakovich bei der geplanten Einführung von E10, nachdem auch die EU jetzt zurückrudert. Eine Erhöhung der Beimischungsquote hätte die Nachfrage nach Agrarland weiter gesteigert, was unter anderem zur Abholzung von Urwäldern führt. "E10 ist zwar weiterhin nicht ganz vom Tisch, die akute Bedrohung fällt aber momentan weg. Das ist eine gute Nachricht für die Umwelt", so Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof.

Greenpeace fordert jetzt eine umfassende Kehrtwende in der europäischen Biosprit-Politik. Zukünftig soll die Beimischungsquote jährlich von den Ernten abhängig gemacht werden. So können bei einer guten Ernte eventuelle Überschüsse vom Markt genommen und genutzt werden, gleichzeitig wird aber vermieden, dass von Übersee Rohstoffe importiert werden müssen, wenn die heimische Produktion nicht ausreicht. "Nicht die Auslastung des Agrana-Ethanolwerks in Pischelsdorf sondern die Interessen der Umwelt müssen im Mittelpunkt stehen", so Westerhof.

Greenpeace warnt vor überhöhten Erwartungen an sogenannte Biotreibstoffe der zweiten Generation. Hiermit werden gemeinhin Treibstoffe aus Rohstoffen gemeint, die nicht zwingend auch als Lebensmittel genutzt werden können. "Es geht nicht um die Frage, ob man die Rohstoffe essen kann oder nicht, sondern darum, ob es genug Anbauflächen gibt", erklärt Westerhof. "Auch die Produktion aus Reststoffen aus der Landwirtschaft, wie Stroh oder Durchforstungsholz, ist gefährlich. Denn es kann nicht unbeschränkt Biomasse vom Feld oder aus dem Wald entnommen werden, ohne dass der Boden darunter leidet."

Auch die Spritproduktion aus Algen darf laut Greenpeace nicht überschätzt werden. "Die realistisch zu erwartenden Produktionsmengen sind sehr gering", so Westerhof. "Um eine hohe Ausbeute zu erreichen, müssen die Algen gedüngt werden, was die Energiebilanz in den meisten Fällen erst recht verschlechtert".

Greenpeace fordert den Umweltminister auf, sich bei der EU verstärkt für sparsamere Autos einzusetzen. "Wir erwarten uns, dass sich Minister Berlakovich genauso hartnäckig für sparsamere Autos einsetzt, wie er es bis gestern für die Einführung von E10 getan hat", so Westerhof abschließend.

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