Neue Anreizsysteme in der Gesundheitsversorgung - Gesundheitsbewusstsein fördern

Diskussionsveranstaltung über Anreizsysteme - SVA geht als Gesundheitsversicherung neue Wege

Wien (OTS/PWK618) - "Anreize in der Gesundheitsversorgung - der erste Schritt für mehr Gesundheit?" Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Gesundheitspolitischen Forums und der Wirtschaftskammer Österreich-Plattform Gesundheitswirtschaft am Mittwochabend. Rund 120 Interessierte und ExpertInnen, darunter Peter McDonald, stv. Obmann der SVA, und Norbert Jachimowicz von der Wiener Ärztekammer, diskutierten, welche Maßnahmen zur Stärkung der Eigenverantwortung im Gesundheitssystem sinnvoll und notwendig sind. Laut einer Ökonsult-Studie sind fast 88 Prozent der Österreicher überzeugt, dass mehr Anreize geschaffen werden sollten, um die Menschen zu verstärkter Vorsorge, Eigenverantwortung und gesunder Lebensführung zu motivieren.

"Mit dem freiwilligen Vorsorgeprogramm 'Selbständig Gesund' hat die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft zu Beginn des Jahres einen Paradigmenwechsel eingeläutet", betonte McDonald. Im Rahmen eines Gesundheitschecks wird gemeinsam mit dem Haus- und Vertrauensarzt ein individuelles, auf jeden Einzelnen abgestimmtes Programm erarbeitet, das entweder "Gesundheit beibehalten" oder "Gesundheit verbessern" lautet. Zu fünf Gesundheits-Parametern (Blutdruck, Gewicht, Bewegung, Tabak und Alkohol) bespricht der Arzt mit dem Patienten Gesundheitsziele, die auf den Erhalt oder eine Verbesserung der erhobenen Werte innerhalb eines bestimmten Zeitraumes abzielen. Nach Ablauf des vereinbarten Zeitraumes (mindestens sechs Monate) gibt es einen so genannten "Recall-Termin", bei dem überprüft wird, ob die Gesundheitsziele erreicht wurden. Durch die eigene aktive Teilnahme an dem Programm und die Erreichung der Gesundheitsziele wird als zusätzlicher Anreiz nach sechs Monaten der Selbstbehalt halbiert.

Teilnehmer am Programm werden dabei doppelt belohnt: durch mehr Lebensqualität und bei Erreichung von vereinbarten Gesundheitszielen durch die Halbierung des Selbstbehaltes beim Arztbesuch. "Wir wollten damit in der notwendigen Weiterentwicklung unseres derzeitigen Kranken- und Reparatursystems hin zu einem tatsächlichen Gesundheitssystem Vorbild sein", so der stv. SVA-Obmann. Nach rund einem halben Jahr habe sich bereits gezeigt, dass das Modell mit Erfolg angenommen werde: Die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen ist im Vergleich des Zeitraumes Jänner bis Juni 2012 mit dem Vorjahreszeitraum österreichweit um rund 46 Prozent gestiegen.

"Die internationalen Daten bestätigen den neuen Weg der SVA zu mehr Gesundheitsbewusstsein: Trotz einer hohen Lebenserwartung von durchschnittlich 80,4 Jahren verlieren die Österreicherinnen und Österreicher mehr als 20 Jahre an Lebensqualität durch Krankheit. Im Schnitt verleben die Menschen nur 59,4 beschwerdefreie, gesunde Jahre, um 1,3 Jahre weniger als im EU-Vergleich", so Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

"Man muss vor allem auch hinhören, welche Fragen die Menschen bewegen und welche Ziele verfolgt werden. Ein zentrales Anliegen ist es, die Gesundheitskompetenz jedes Einzelnen zu stärken. Gerade bei den Jugendlichen muss bereits früh das Bewusstsein geschaffen werden, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist, sondern durch einen gesunden Lebenswandel aktiv beeinflusst werden kann. Anreize zur Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens können einen wichtigen Beitrag leisten, " betont Gleitsmann, der in diesem Zusammenhang auf den erfolgreichen Mutter-Kind-Pass hinweist. "Erfolgsbeispiele von Anreizsystemen aus den Nachbarländern zeigen: Auf den Mix kommt es an", so der WKÖ-Experte.

Ärztekammer-Vertreter Norbert Jachimowicz unterstrich: "Es sollte der Entschluss zur Verhaltensänderung in Richtung Gesundheit belohnt werden, um so die Motivation, etwas für seine Gesundheit zu tun, anzuerkennen." In diesem Zusammenhang betonte der Ärztekammer-Vertreter: Es stellt sich die Frage, an welchen Schrauben man im Bereich der Bewegung drehen könnte. Als Präventionsmaßnahme sollte - in Anlehnung an "Health in all Policies" - "Bewegung in all Policies" gelten. Bewegung muss sowohl in der Schule, aber auch in Betrieben alltäglich sein - in allen Lebensbereichen und bei allen Altersstufen." (PM)

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