Schönborn: Christentum in Europa ist "Fremdkörper und Wurzel"

Wiener Erzbischof referiert beim "Michaelsempfang" in Berlin vor Kanzlerin Merkel und hochrangigen Vertretern aus Politik und Kirche - Fragen des Lebensschutzes zeigen Marginalisierung des Christentums

Berlin, 13.09.12 (KAP) Das Christentum ist in Europa beides:
Fremdkörper und Wurzel. Das verdeutlichte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwochabend bei einem Vortrag vor hochrangigen Vertretern aus Politik und Kirche in Berlin. Dem Christentum habe es trotz eines unleugbaren Bedeutungsverlustes "gut getan", "dass es durch das Feuer der Kritik von Aufklärung und Säkularismus gehen musste". Denn dies gebe "die Chance der Läuterung" und stelle "die Frage nach seiner Glaubwürdigkeit".

Zugleich erklärte der Wiener Erzbischof, in so mancher säkularen Kritik am Christentum sei "auch ein Stück Sehnsucht verborgen, es möge doch so etwas wie ein authentisches, gelebtes Christentum geben". Und Schönborn fügte optimistisch hinzu: "Insgeheim wissen wir wohl, ob säkular oder gläubig, dass hier die tragfähigen Wurzeln Europas liegen."

Hauptthemen der Rede war die Marginalisierung christlicher Positionen in Fragen des Lebensschutzes und hinsichtlich der gesellschaftlichen Bedeutung von Religion. Dabei ging Kardinal Schönborn sowohl auf die aktuelle Beschneidungsdebatte ein als auch auf die von Papst Benedikt XVI. beim letzten Deutschlandbesuch angemahnte "Entweltlichung" der Kirche.

Der Wiener Kardinal sprach beim jährlichen "Michaelsempfang" in Berlin auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz und nach den Einleitungsworten von Episkopatsvorsitzenden Erzbischof Robert Zollitsch. Schönborns Überlegungen zum Status quo des Christentums in Europa folgte ein hochkarätiges Auditorium. Unter den rund 900 Gästen im Tagungszentrum der Berliner Katholischen Akademie waren u.a. die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Bundesminister Annette Schavan, Wolfgang Schäuble, der Apostolische Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Périsset, der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki und weitere deutsche Bischöfe.

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