Kulturministerin Schmied bat gestern zum Auftakt der Kultursaison und verlieh die outstanding artist awards - Bilder zum download

Verleihung der mit insg. rund Euro 130.000 dotierten Kunstpreise im Rahmen des Kunst- und Kulturfestes des BMUKK - "Ein Hoch auf die zeitgenössische Kunst!"

Wien (OTS) - Zum bereits traditionellen Auftakt der Kultursaison lud Kulturministerin Claudia Schmied zum Kunst- und Kulturfest des BMUKK ins Festzelt auf den Concordiaplatz in Wien. Zahlreiche Persönlichkeiten des kulturellen Lebens folgten der Einladung, nützten das Zusammentreffen für persönliche Gespräche und feierten gemeinsam mit den frisch prämierten Preisträgerinnen und Preisträgern des outstanding artist awards.

Kulturministerin Claudia Schmied bekräftigte einmal mehr, dass es Kunst und Kultur sind, wofür Österreich international anerkannt ist, dass es Kunst und Kultur sind, die Österreich einzigartig machen. "Unermüdlich müssen wir für die Finanzierung von Kunst und Kultur eintreten! Die Haltung einer weltoffenen, innovationsfreudigen Kulturpolitik gilt es ständig zu vertreten und vorzuleben. Ihnen, sehr geehrte Künstlerinnen und Künstler, gilt unsere Wertschätzung, für Sie arbeiten wir im Kulturministerium. Unsere Theater, Museen und Kultureinrichtungen sind Weltklasse, das muss einmal gesagt sein", so die Ministerin.

Erstmals fand die Verleihung der outstanding artist awards im Rahmen des alljährlichen Kunst- und Kulturfestes des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur am Concordiaplatz in Wien statt.

Die Kulturministerin betonte: "Es ist dies ein Hoch auf die zeitgenössische Kunst!" und sagte weiter: "Ein weit gefasster Kunstbegriff ist aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. Auch wenn die "klassischen" Kunstsparten nach wie vor im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, werden auch andere Lebensbereiche immer mehr mit Kunst vernetzt und so wertvolle Impulse für das zeitgenössische Kunstschaffen gewonnen. Dieser Entwicklung Rechnung tragend, spiegelt auch der outstanding artist award die Bandbreite der zeitgenössischen österreichischen Kunst wieder. Mit der Vergabe in den Sparten Video-und Medienkunst, Frauenkultur, Interdisziplinarität und Interkultureller Dialog sowie Karikatur und Comics möchten wir auf diese Schnittstellen aufmerksam machen und auch jene Kunstschaffenden, die in diesen Bereichen arbeiten, sowie ihre erfolgreichen Projekte in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Denn gerade dort beschäftigen sich Künstlerinnen und Künstler besonders intensiv mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen wie Migration, Rassismus, Integration, Diskriminierung, Emanzipation und Feminismus. In vielfältigen Projekten erarbeiten sie ihre Ideen und setzen diese mit den unterschiedlichsten Mitteln um. Meist arbeiten die Kunstschaffenden eng und gezielt mit bestimmten Bevölkerungsgruppen zusammen und unterstützen so die aktive Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur."

Zehn der insgesamt 15 outstanding artist awards in 14 Kategorien gingen an Künstlerinnen, zwei an Künstler, drei weitere an Künstlergruppen. Mit dem outstanding artist award ausgezeichnet werden herausragende Künstlerinnen und Künstler der jüngeren und mittleren Generation, die über ein bereits aussagekräftiges Oeuvre verfügen und deren Arbeiten von überregionaler Bedeutung sind. Die Preise sind mit Euro 8.000 dotiert. Die einzige Ausnahme bildet der Modepreis, der aus einem einjährigen Arbeitsstipendium in Verdingung mit einem Praktikum bei einer/em internationalen Designer/in besteht.

"Die Preise sind Ausdruck der Wertschätzung für die Arbeit der Künstlerinnen und Künstler und mögen sie ermutigen, ihren künstlerischen Weg konsequent weiter zu gehen", so die Ministerin im Rahmen der Preisverleihung.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des outstanding artist awards 2012 im Überblick:

Bildende Kunst: Miriam Bajtala
Im Bereich Bildende Kunst gratulieren wir einer Frau, die schon mal den roten Teppich der Präsidentschaftskanzlei mit einem Fleckerlteppich verlängert hat, die Bilder verkehrt herum aufgehängt hat und den Titel auf der Rückseite vermerkt hat, wie etwa "Die Arbeit ist kein Hase", und die uns ganz allgemein mit Videos, Filmen, Fotos, Zeichnungen, Installationen und Texten die Welt von allen Seiten vorführt.

Darstellende Kunst: Thomas Sobotka, Gründer und Leiter von t`eig Thomas Sobotka bringt die Schwierigen auf die Bühne, die jungen Unbequemen, die anders leben als die meisten von uns, die riskieren, randalieren und sich widersetzen. Sein Theater t`eig spielt an wechselnden Orten in Graz und ist vielfach ausgezeichnet.

Experimentelles Design: Sonja Bäumel
"Gegenstände", sagt sie, "sind nicht statisch und stumm, sondern lebendig und lautstark." Wenn Schwammerln aus der Bluse wachsen, wenn eine zweite, biologische Schicht unseren Körper überlagert, wenn Mode herkömmliche Formen in Frage stellt, ist von Sonja Bäumel die Rede.

Dokumentarfilm: Katharina Copony
Katharina Copony zeigt uns fremde Länder und Menschen, unbekannte Lebenssituationen, das harte Brot und das Versprechen von Erfolg. Zu Ihrem Film "Oceanul Mare" heißt es: "Im Ozean ist es so: Wenn du nicht aufpasst, wirst du gefressen und ertrinkst! Wenn du Erfolg hast, gleitest du wie ein triumphierendes Segelboot über den Ozean!"

Experimentalfilm: Michael Palm
Michael Palms Filme liefen bei den wichtigsten Festivals, er wurde mehrfach, darunter auch bei der Diagonale für seine innovativen Filme ausgezeichnet. Michael Palm führt uns in scheinbar bekannte Bildwelten, die mit jeder neuen Einstellung sich verändern und unsere Sichtweise in Frage stellt. Sein in den nächsten Tagen anlaufender Film "low definition control" ist ein Film über Paranoia, über Angst, über allmächtige Kontrolle. Seine Filme beuteln uns, sie erfassen uns.

Frauenkultur: Verein "Maiz"
Sie sind mutig, unangepasst und fürchten sich nicht davor anzuecken. Sie kämpfen für die rechtliche und soziale Besserstellung von Migrantinnen ungeachtet ihrer Herkunft und greifen aktiv in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Migration und Rassismus ein. Sie tun das für und vor allem gemeinsam mit den Migrantinnen. Für ihr Projekt "Ästhetik des Ungehorsams", für ihren Mut und ihre Kraft gebührt ihnen der outstanding artist award für Frauenkultur.

Interdisziplinarität: Gruppe gold extra für die Entwicklung des Multiplayer-Online-Computerspiels "Frontiers"
Viele von uns kennen Computerspiele vom Selberspielen oder von den Kindern. Hier kommt eine Künstlergruppe, die aus dem virtuellen Spiel in die politische Realität unserer Gegenwart verweist. Die Spieler übernehmen die Rolle eines Flüchtlings, der die Festung Europa erreichen will. Es ist eine wirkliche Kulturleistung, die Technik des Spiels für einen Lernprozess zu verwenden, der Kinder und Jugendliche ernst nimmt und ihnen in heutiger Form vermittelt, welches oft grausame Schicksal Flüchtlinge aus der dritten Welt zu vergegenwärtigen haben. Für die Entwicklung des Multiplayer-Online-Computerspiels "Frontiers" ergeht die Auszeichnung im Bereich Interdisziplinarität an die Gruppe gold extra.

Interkulturellen Dialog: Margit Schwarz - RAUMlabor für das Projekt "meeting points"
Wir leben in realen, virtuellen, architektonischen und sozialen Räumen mit unterschiedlicher Ausprägung. Diese Vernetzung, Mensch-Raum hautnah zu erfahren, ist Voraussetzung, um Infrastrukturen jeder Art zu verändern und neu zu entwickeln. Das betrifft unter anderem auch die Schule, weil neue pädagogische Zugänge auch neue räumliche Voraussetzungen brauchen.

Karikatur und Comics: Künstlerkollektiv "Tonto-Comics"
Diese KünstlerInnen-Gruppe sucht in allen Disziplinen neue Wege: vom Musiklabel über Sprachexperimente bis hin zu Karikatur und Comics in enger Verbindung mit anderen Formen der Bildenden Kunst. In den vom Künstlerkollektiv "Tonto-Comics" gestalteten Comic-Heften werden von einer Vielzahl von Künstlerinnen und Künstlern Geschichten erzählt, die stilistisch und formal ganz unterschiedlich gestaltet sind. Große Kunst in Karikatur und Comics - dafür steht das Künstlerkollektiv "Tonto-Comics".

Kinder- und Jugendliteratur: Verena Hochleitner
Kinderbücher müssen vor einer besonders kritischen Leserschaft bestehen. Sie brauchen eine tolle Geschichte und ansprechende Illustration. Jede Autorin und jeder Autor braucht die Gestalterin, die ein Gesicht zur Geschichte kreiert, die den Text bildnerisch umsetzt und öffnet. Verena Hochleitner experimentiert mit allen Formen der Grafik, findet immer neue, immer verblüffende Zugänge.

Künstlerische Fotografie: Heidrun Holzfeind
Der Freitag-Markt in einem Außenbezirk von Kairo, Gebäude nach dem Tsunami von 2004, Porträts von Menschen aus fernen und nahen Ländern - Foto-Kompositionen, die auf ruhige, unaufgeregte Weise hinter die Kulissen schauen. Wir werden auf die sonst verborgene Kehrseite einer globalisierten Welt geführt und sind eingeladen zu reflektieren, welche Werte unsere Gesellschaft verfolgt und was wir tatsächlich weltweit vorfinden. Die Kunst des aufdeckenden Blicks, die große Kunst der Fotografie - dafür wird Heidrun Holzfeind mit dem outstanding artist award ausgezeichnet.

Literatur: Olga Flor
Paul Jandl schrieb über Olga Flor, sie sei dabei, sich mit großem Können in die erste Reihe der Literatur zu schreiben. Man darf ergänzen, sie ist bereits dort angekommen, oder anders formuliert:
"Die Königin lebt." Vor wenigen Tagen ist ihr vierter Roman "Die Königin ist tot" bei Zsolnay erschienen.

Modepreis: Tina Elisabeth Reiter
Tina Elisabeth Reiters Abschlussarbeit am London College of Fashion wurde als "collection of the year" 2011 mit dem "Meanswear Award" ausgezeichnet und bei der Show der Abschlussarbeiten im Victoria & Albert-Museum präsentiert. Sie hat in dieser Kollektion "the sound of homeless(ness)" scheinbar widersprüchliche Bereiche verknüpft: die Lebenssphäre der Heimatlosen, alpenländische Kleidungstraditionen und die Ästhetik moderner Männerbekleidung. Wer am Beginn einer Karriere eine solche Vielfalt an Ideen und ein gültiges theoretisches wie praktisches Konzept zu entwickeln imstande ist, der Frau gebührt der diesjährige Modepreis.

Musik: electric indigo - Susanne Kirchmayr
Susanne Kirchmayr hat den Weg in die DJ-Szene für die Frauen freigekämpft. Vor bald zwanzig Jahren ist sie aufgebrochen, um die Musikszene zu verändern. Sie startete eine DJ-Karriere, begann bald selbst Musik zu produzieren und schuf "femal-pressure", ein Netzwerk für Musikerinnen, DJs und Bildende Künstlerinnen im Bereich elektronischer Musik. 2003 gründete Susanne Kirchmayr ihr eigenes Label: indigo:inc recordings. Inzwischen ist Susanne Kirchmayr vielfach ausgezeichnet und erhält nun den outstandig artist award im Bereich Musik.

Video- und Medienkunst: Isa Rosenberger
Die Geschichte einer Brücke wird zur Erzählung über das Verhältnis des postkommunistischen Systems und des Kapitalismus, ein architektonisches Monument zum Symbol gesellschaftlicher Veränderung. Politische Untersuchungen mit künstlerischen Mitteln, stets nahe an den Menschen zeigt uns die Preisträgerin im Bereich Video- und Medienkunst, Isa Rosenberger.

Mehr Informationen zu den KünstlerInnen, Jurybegründungen und Bilder der Veranstaltung sind unter
http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/2012/20120906.xml sowie unter
http://www.bmukk.gv.at/kunst/outstanding12.xml abrufbar.

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Mag. (FH) Julia Flunger-Schulz
Pressesprecherin
Tel.: +43 1 53120 5030
julia.flunger-schulz@bmukk.gv.at
http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/index.xml

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