"dok.film" am 9. September in ORF 2 mit "Herzausreisser - Neues vom Wienerlied"

Eine Dokumentation über Wiener Populärmusik nach 1945

Wien (OTS) - Das Wienerlied ist eine Herzensangelegenheit und gleichzeitig ein Problem, ist es doch erblich vorbelastet mit Kitsch und Heurigenseligkeit, Chauvinismus und Larmoyanz. Erst in seinen zeitgenössischen Reinkarnationen hat es wieder zur ursprünglich wilden, undisziplinierten Seite zurückgefunden. Karin Bergers Dokumentation "Herzausreisser - Neues vom Wienerlied", die am Sonntag, dem 9. September 2012, im Rahmen des "dok.film" um 23.00 Uhr in ORF 2 zu sehen ist, reist durch die Geschichte und folgt den Spuren und Aneignungsweisen von Wiener Populärmusik nach 1945.

Die erste neue, auf das Wienerlied bezogene Komposition nach der Hochblüte des Süßlichen im NS-Unterhaltungsfilm war von schwarzem Humor inspiriert. Ernst Kölz vertonte in den frühen 60er Jahren Texte aus H. C. Artmanns "med ana schwoazzn dintn", Helmut Qualtinger interpretierte sie - ein "trio congenial". Bald nach diesen "Anti-Wienerliedern" ließ der Akkordeonspieler Karl Hodina Jazz und Blues in seine neuen Lieder einfließen und begann damit eine Renaissance des traditionellen Wienerliedes. Seine erste Komposition war ebenfalls eine Vertonung eines Gedichtes von H. C. Artmann. Der Filmbogen spannt sich von diesen "Vorläufern" zu neueren musikalischen Versuchen wie jenen des Kollegiums Kalksburg, das anarchisch und wild mit der Tradition verfährt.

"Herzausreisser" ist eine Begegnung mit Musikerinnen und Musikern wie Karl Hodina, Roland Neuwirth & Extremschrammeln, Kollegium Kalksburg, Walther Soyka, Die Strottern, u. a. Was treibt sie an? Wie gehen sie mit der Tradition um? Was verbindet sie mit Wien? Die Künstler haben im Film Zeit, nachzudenken, gehen in die Tiefe ihrer Reflexion, lassen das Publikum an Prozessen teilhaben. Die österreichische Regisseurin Karin Berger präsentiert in ihrem Film eine kleine Gruppe Unverdrossener und Verwegener, die nach eigener Wiener Musik sucht, sie für sich brauchbar macht, in den vergangenen Jahrhunderten kramt, Altes und Neues verbindet, schöne Melodien findet, sich über das Wienerlied lustig macht, und - als Antithese zu Kitsch und Sentimentalität - auch wieder schwarze Seiten zum Klingen bringt. Es geht um Fernweh und Hierbleiben, um Liebe, Tod und Alkohol, um männliches Selbstmitleid und Resignation.

Gemeinsam ist allen Musikerinnen und Musikern, dass sie aus alten Ingredienzien Neues gestalten. Traditionelles spielt eine Rolle, oft aber nur mehr verpackt als Zitat. Alte Harmonien werden mit Blues und Jazz verbunden, lateinamerikanische Rhythmen mit Wiener Dialekttexten, alte Instrumentalmusik wird neu interpretiert.

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