Pressekonferenz ÖGH und ÖGN: Nierenfunktion und Bluthochdruck: Eine fatale Wechselwirkung, die Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigt

Wien (OTS) - Nierenerkrankungen und Bluthochdruck sind im Steigen begriffen, derzeit besteht bei ca. zehn Prozent der Bevölkerung eine eingeschränkte Nierenfunktion, mehr als 1 Milliarde Menschen leiden weltweit unter zu hohem Blutdruck. Da Nierenerkrankungen und Bluthochdruck schleichend beginnen und die Patienten lange Zeit beschwerde- und schmerzfrei sind, werden sie häufig zu spät erkannt. Patienten mit Nierenerkrankungen leiden oft jahrelang und unerkannt an Diabetes oder Hochdruck. Zudem haben Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Außerdem haben sie eine ähnliche Mortalität an der Dialyse wie Krebspatienten - sie liegen zwischen Lungen- und Dickdarmkrebs. Durch rechtzeitige Früherkennung könnte dem vorgebeugt werden.

Am 5. September fand in Wien zum Auftakt der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaften für Nephrologie und Hypertensiologie eine Pressekonferenz statt. Die Kongresspräsidenten der Jahrestagung der medizinischen Fachgesellschaften Nephrologie und Hypertensiologie, Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, und Univ.-Prof. Dr. Bruno Watschinger, zeitgleich auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie, sprachen sich für eine dringende Optimierung der Nierenversorgung in Österreich aus.

Unterschätzte Gefahr durch Nierenfunktion und Bluthochdruck

In Österreich entwickeln etwa 10 bis 12 Prozent aller Erwachsenen eine eingeschränkte Nierenfunktion. Klassische Risikofaktoren sind Hypertonie und Diabetes mellitus. Derzeit gibt es in Österreich etwa 4.000 dialysepflichtige Patienten, und etwa 4.000 Nierentransplantierte (1). Die Niere kann als einziges Organ auch längerfristig maschinell ersetzt werden, zudem hat sich das Überleben an der Dialyse in den letzten Jahren deutlich verbessert, wie Daten aus dem Österreichischen Transplantations- und Dialyseregister rezent zeigten. Allerdings stellen Nierenersatztherapien eine hohe finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem dar. Nur präventive Maßnahmen können zur Kostensenkung beitragen. Ähnlich verhält es sich bei der Hypertonie. Bluthochdruck ist sehr weit verbreitet und stellt eine enorme gesundheitliche Gefahr für betroffene Patienten dar. Die Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks, wie zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Nierenkrankheiten sind nicht nur für viele Todesfälle und Lebensjahre mit Behinderung verantwortlich, sondern verursachen auch enorme Kosten für das Gesundheitssystem. Weltweit leiden mehr als 1 Milliarde Menschen (2) unter zu hohem Blutdruck. Laut einer rezenten WHO Statistik (3) weist weltweit jeder dritte Erwachsene zu hohe Blutdruckwerte auf, jeder zehnte leidet an Diabetes mellitus. Bluthochdruck ("Hypertonie") ist jedes Jahr für 7,6 Millionen vorzeitige Todesfälle (4) verantwortlich und ist eine der Hauptursachen für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Nierenkrankheiten.

Chronische Niereninsuffizienz (5) in fünf Stadien nach der National Kidney Foundation (NKF) (6):

Die Niereninsuffizienz lässt sich einerseits klinisch-ätiologisch einteilen in:

  • Akutes Nierenversagen (ANV) bzw. akute Niereninsuffizienz
  • Chronisches Nierenversagen (CNV) bzw. chronische Niereninsuffizienz.

Andererseits lässt sich diese auch anhand der glomerulären Filtrationsrate (GFR) (7) in fünf Schweregrade einteilen:

Stadium Beschreibung Geschätzer GFR** ml/min/1,73m2 I Nierenschädigung mit normaler oder über 90 erhöhter GFR (mit Proteinurie), sonst als Normalbefund zu werten (ohne Proteinurie). II Nierenerkrankung mit milder Funktions- 60-89 einschränkung (mit Proteinurie), ohne Proteinurie nur milde Nierenfunktions- störung III Nierenerkrankung mit moderater Funktions- 30-59 einschränkung IV Nierenerkrankung mit schwerer Funktions- 15-29 einschränkung V Chronisches Nierenversagen mit Notwendig- unter 15 keit zur Dialyse

Zusammenhang Nierenfunktion und kardiovaskuläre Ereignisse:
höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse oder den Tod Patienten mit Nierenerkrankungen leiden oft jahrelang und häufig unerkannt an Diabetes oder Hochdruck. Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz haben ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Die Nieren spielen sowohl in der Entstehung der Hypertonie als auch während der Erkrankung eine zentrale Rolle. Sie sind zentrale Schaltstelle blutdruckwirksamer Hormone (z.B. Renin-Angiotensin-Aldosteron System, dieses steuert den Kochsalzhaushalt und das intravasale Volumen, das ist der Grad der Gefäßfüllung). Die Nieren beeinflussen auch das sympathische Nervensystem (Stressnervensystem) welches blutdrucksteigernde Signale aussendet. Umgekehrt schädigt zu hoher Druck das Nierengewebe dauerhaft und führt zu einer fortschreitenden Niereninsuffizienz. Häufig gehen Bluthochdruck und Nierenerkrankungen Hand in Hand und ein Problem führt zur Verschlechterung des jeweils anderen. Nierenprobleme und Bluthochdruck gemeinsam aggravieren die Gefahren für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz.

So haben Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz eine ähnliche Mortalität an der Dialyse wie Krebspatienten - sie liegen zwischen Lungen- und Dickdarmkrebs. Vor allem ab einer Restfunktion der Niere unter 45 Prozent steigt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse oder den Tod dramatisch an.(8) Wesentlich ist auch festzuhalten, dass neben dem Alter die glomeruläre Filtrationsrate und Proteinurie die besten Prädiktoren für ein kardiovaskuläres Risiko darstellen. Das Risiko hängt immer davon ab, wie schnell ein solcher Patient vom Arzt kontrolliert und behandelt wird. Diese Tatsachen werden aber immer wieder vergessen.

Verhinderung der Hypertonie-assoziierten Komplikationen

Um die Hypertonie-assoziierten Komplikationen zu verhindern sind zwei Dinge grundlegend: die Identifikation eines Hochdruckpatienten sowie die konsequente und ausreichende Behandlung des Bluthochdrucks. Aus Sicht der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie (9) sollte jeder Österreicher seinen Blutdruck kennen, wissen, dass ihn das Gesundheitsproblem Bluthochdruck treffen kann und dass Bluthochdruck kein "Kavaliersdelikt" ist, sowie jedes Jahr den Blutdruck kontrollieren.

Alter: Zunahme von Nierenerkrankungen und Hypertonie

Das Bewusstsein für chronische Niereninsuffizienz und Hypertonie ist sowohl in der Bevölkerung als auch beim medizinischen Personal nicht ausreichend verankert, denn Nierenerkrankungen und erhöhte Blutdruckwerte verursachen keine Schmerzen. So werden diese häufig erst sehr spät diagnostiziert. Die Prävalenz der chronischen Niereninsuffizienz und der Hypertonie ist altersabhängig, so steigt diese mit höherem Alter an: Ca. 40 Prozent der Bevölkerung nach dem 70. Lebensjahr weist eine eingeschränkte Nierenfunktion auf, etwa zwei Drittel der über 60-jährigen eine Hypertonie. Studien in dieser Altersgruppe weisen erhebliche Vorteile für gut behandelte Patienten nach. Das rechtzeitige Erkennen und konsequente Behandlung neu auftretender Fälle ist daher von immanenter Bedeutung, um Patienten vor Komplikationen zu schützen, die die Lebensqualität beeinträchtigen.

Innovation in Nephrologie und Hypertensiologie

Die Zunahme betroffener Patienten macht die Notwendigkeit der Entwicklung effektiver Strategien zur Prävention renaler und Hypertonie-assoziierter Komplikationen deutlich. Über neue innovative Therapiekonzepte wird im Rahmen der Jahrestagung intensiv diskutiert. Spannende Abstracts über Innovationen finden Sie am Ende der Pressemappe.

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Quellenangaben:
1) Österreichisches Dialyse- und Transplantationsregister 2012
2) Lawes, Lancet 2008; 371; 1513-18
3) WHO-World Health Statistics Report 2012
4) Lawes, Lancet 2008; 371; 1513-18
5) Als Niereninsuffizienz bezeichnet man die Unterfunktion einer oder beider Nieren. Es kommt im Rahmen einer Niereninsuffizienz zur Erhöhung der Konzentration von harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure und andere) im Blut.
6) www.kidney.org
7) Die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) gibt das Gesamtvolumen des Primärharns an, das von allen Glomeruli beider Nieren zusammen, in einer definierten Zeiteinheit, gefiltert wird. Dies sind bei einem Menschen mit normalen Blutdruckwerten ca. 120 Milliliter pro Minute beziehungsweise circa 170 Liter pro Tag. Die GFR sinkt physiologisch mit zunehmendem Alter oder pathologisch bei Nierenerkrankungen verschiedenster Art. Die GFR ist für die Abschätzung der Nierenfunktion die wichtigste Größe. Die GFR wird im klinischen Alltag durch die Ermittlung der Kreatininclearance näherungsweise ermittelt (siehe auch renale Clearance).
8) Go et al, NEJM 2004
9) www.hochdruckliga.at

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