"Verdrängte Jahre": ÖBB-Spurensuche in der NS-Zeit in ORF III

Eisenbahner-Lehrlinge machen (Zeit-)Geschichte

Wien (OTS) - ÖBB-Lehrlinge machen sich auf den Weg, den Spuren ihres Unternehmens in die Vergangenheit zu folgen und befragen ehemalige Eisenbahner/innen zu ihren Erfahrungen während der NS-Zeit. In Zusammenarbeit von ÖBB und ORF III Kultur und Information entstand 2012 eine spannende filmische Dokumentation über die Unternehmensgeschichte der Österreichischen Bundesbahnen zwischen 1938 und 1945. Der Film von Traude Kogoj und Marcus Marschalek beschäftigt sich mit dem Berufsalltag und der Rolle der österreichischen Eisenbahner/innen während der NS-Zeit.

Gestern Abend wurde die Doku, die ORF III Kultur und Information am Samstag, dem 8. September 2012, um 22.05 Uhr ausstrahlt, im Foyer der ÖBB Infrastruktur AG von ÖBB-Vorstandsvorsitzenden Mag. Christian Kern und ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz präsentiert. An diesem Ort findet noch bis 31. Oktober die Themenausstellung "Verdrängte Jahre" statt. Unter den Gästen der von ORF-III-Chefredakteur Christoph Takacs moderierten Preview waren ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber, der israelische Botschafter Aviv Shir On, der deutsche Gesandte Stefan Krawielicki, "News"-Herausgeber Peter Pelinka, der Generalsekretär des Zukunftsfonds Herwig Hösele sowie Kurt Scholz, ebenfalls vom Zukunftsfonds. Zahlreiche Lehrlinge der ÖBB hatten Interesse bekundet und waren erschienen, ebenso wie mehrere Zeitzeugen, die auch an der Dokumentation mitgewirkt hatten.

Im Anschluss an die Filmpräsentation stellten sich ÖBB-Chef Mag. Christian Kern, ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz, ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber und Zeithistoriker Univ.-Prof. Mag. DDr. Oliver Rathkolb einer Publikumsdiskussion. Oliver Rathkolb, der als wissenschaftlicher Beirat für die Dokumentation fungiert hat, wies insbesondere auf die Pionierrolle der ÖBB in dieser Sache hin: In einer Zeit, in der die gut aufgearbeitete Vergangenheit für die jungen Menschen uninteressant zu werden beginne, sei es umso wichtiger, neue Herangehensweisen und neue Formen der Vermittlung zu finden, die das europäische Trauma nicht nur erzählen, sondern rekonstruieren und nachvollziehen lassen. Von ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz wurde besonders auch auf die zentrale Rolle der Medien hingewiesen, die sich ihrer Verantwortung stets bewusst sein müssen.

ÖBB-Vorstandsvorsitzender Mag. Christian Kern: "Die Zeit von 1938 bis 1945 ist der dunkelste Abschnitt unserer Unternehmensgeschichte. Wir sind dazu verpflichtet zu gedenken und möchten mit dieser Filmdokumentation einen weiteren Beitrag zur historischen Aufarbeitung leisten. So unfassbar uns diese Ereignisse heute erscheinen, so klar müssen wir als ÖBB diese Zeit als Teil unserer Geschichte akzeptieren."

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: "Die Aufarbeitung von Zeitgeschichte gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Aufgaben und zur Verantwortung des ORF. Die Reichweiten und Marktanteile entsprechender Dokumentationen wie zum Beispiel unserer kürzlich abgeschlossenen Doku-Reihe über den Zweiten Weltkrieg zeigen, dass unser Publikum an solchen Sendungen höchst interessiert ist. Wichtiges Ziel des ORF ist es, mit Zeitgeschichte aber auch junge Publikumsschichten zu erreichen. Wenn nun die ÖBB ihre eigene Geschichte mit Hilfe junger Lehrlinge aufarbeitet, dann kommt das unserem Ideal von Geschichtsvermittlung sehr nahe - und deswegen haben wir dieses Projekt gerne unterstützt."

ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber: "Mit unserer samstäglichen Hauptabend-Zeitgeschichteleiste ist es uns ein Anliegen, auch zeitgeschichtlich brisante Themen mit starkem Österreichbezug aufzuarbeiten und einem interessierten Publikum zu vermitteln. Die in Zusammenarbeit mit den ÖBB und dem Institut für Zeitgeschichte entstandene Dokumentation von Marcus Marschalek und Traude Kogoj 'Verdrängte Jahre - die ÖBB auf den Spuren der NS-Zeit' ist für uns daher ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung."

"Verdrängte Jahre" - Die Doku

Anspruch des ÖBB-Konzerns war es, eine möglichst breite Auseinandersetzung zur Geschichte der ÖBB (vormals BBÖ) im Unternehmen zu gewährleisten. An diesem Prozess waren verschiedene Personen(gruppen) beteiligt: ÖBB-Pensionisten/Pensionistinnen und Opfer des NS-Regimes, die als Augenzeugen und Augenzeuginnen diesen Zeitabschnitt miterlebt haben, sowie Personen der zweiten und dritten Generation (ÖBB-Mitarbeiter/innen, ÖBB-Lehrlinge), die nicht selten ihre privaten Archive öffneten, Dokumente zur Verfügung stellten und sich an der Erinnerungsarbeit persönlich beteiligten.

Die Erinnerungsarbeit der ÖBB geschieht generationenübergreifend. Sieben ÖBB-Lehrlinge, die sich mit viel Engagement und Eigeninitiative für die Mitarbeit an diesem Dokumentationsprojekt beworben hatten, führten die Interviews mit den Augenzeugen und Augenzeuginnen, stellten ihre persönlichen Fragen an die Interviewpartner/innen und führten die Gespräche. Die ÖBB-Lehrlingsgruppe traf sich auch immer wieder, persönlich oder online, um über die Inhalte der Interviews zu diskutieren. Und sie rekapitulierten ihre eigene Familiengeschichte, suchten nach Dokumenten aus der NS-Zeit und führten - nicht selten zum ersten Mal - ein Gespräch innerhalb der eigenen Familie zu diesem Zeitabschnitt. Die filmische Aufarbeitung der "Verdrängten Jahre" ist am (Zeitgeschichte-)Samstag, dem 8. September, um 22.05 Uhr in ORF III zu sehen. Ab diesem Tag beschäftigen sich in ORF III übrigens bis zum 29. September insgesamt zehn Dokumentationen mit dem Thema "Flucht und Emigration". Details sind unter http://presse.ORF.at abrufbar.

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