TUIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 5. September 2012 von Anita Heubacher "Bildung gehört von Ideologie befreit"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Eine gemeinsame Schule, in der Begabungen gefördert und die Schwächeren mitgezogen werden, will die Tiroler ÖVP. Und sie hat Recht damit. Das sagen Experten; Ideologen und Gewerkschafter stecken den Kopf in den Sand.

Da haben Landeshauptmann Günther Platter und Bildungslandesrätin Beate Palfrader, beide ÖVP, einen Stein ins Rollen gebracht - und das ist gut so. Eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen soll es sein, wo Talente gefördert und die Schwächeren mitgezogen werden. Damit wurde das schwarze Weltbild erschüttert, bei dem es den Hardlinern darum geht, in separaten Schulen Bildungseliten heranzuziehen, möglichst ungestört von sozial Schwächeren oder Migranten.
Postwendend auf Platters Vorstoß kam dann auch gleich von ÖVP-Bundesparteichef Michael Spindelegger, dass natürlich am Gymnasium festgehalten werde. Beides wird sich aber nicht spielen -Neue Mittelschule und Gymnasium, das geht sich nicht aus. Applaus bekamen Platter und Palfrader von der roten Bildungsminis terin Claudia Schmied, die schon seit Jahren das Bild der Gesamtschule zeichnet.
Applaus und Distanzierung geschahen aus ideologischen Gründen, dabei sollte nur eines wirklich zählen: Das beste Umfeld für Schüler zu schaffen, um am Ende die besten Ergebnisse zu erzielen.
Die Nationen, die beim PISA-Test gut abschneiden, haben Gesamtschulsysteme. Darunter finden sich Finnland, Kanada, Japan und Singapur. Wer s ein bisschen näher haben will, riskiert einen Blick über die Grenze. Die Südtiroler Mittelschule bringt Schüler hervor, die regelmäßig beim PISA-Test besser abschneiden als ihre Kollegen in Nordtirol. Überall dort hat man das kleingeistige Gesamtschul-Geplänkel schon hinter sich. Holt die Bildung endlich raus aus der ideologischen Ecke! Die sture Haltung der Lehrergewerkschaften, personifiziert vor allem durch das ÖVP-Urgestein Fritz Neugebauer, ist derart unsäglich, dass sogar vielen in den eigenen Reihen der Kragen geplatzt ist.
Soziologen, Pädagogen, Hirnforscher und Psychologen warnen davor, Kinder viel zu früh in fixe Bildungskategorien einzuordnen, die Auslese viel zu früh zu starten. LH Günther Platter greift diesen Gedanken auf und will einen Schulversuch in einer Modellregion. Da bietet sich Innsbruck an. Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) sieht Innsbruck als bildungstechnischen Vorreiter und hat bereits einiges dafür getan.
Parteichef Platter kann überdies ein Näherkommen zwischen Landespartei und der Bürgermeisterin nur recht sein. Schließlich spielt Innsbruck im Landtagswahlkampf eine Schlüsselrolle.

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