WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Draghi möge die Hände in den Schoß legen - von Alexander Hahn

Die Druckerpresse ist keine Lösung der Schuldenkrise

Wien (OTS) - Die ersten zehn Monate seiner Amtszeit als EZB-Präsident hat Mario Draghi hinter sich - und es waren keine einfachen. Mehrmals durfte sich "Super Mario" schon als oberster Feuerwehrmann in der europäischen Schulden- und Bankenkrise betätigen. Nun sind wieder alle Augen auf Draghi gerichtet, wenn der EZB-Rat morgen nicht nur eine Zinsentscheidung fällt, sondern möglicherweise auch der maroden Euroland-Peripherie mit Staatsanleihenkäufen unter die Arme greifen wird.

Hinter den Kulissen hat bereits ein Tauziehen um diese unkonventionelle Maßnahme stattgefunden. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, lehnt Anleihenkäufe als Form der Staatsfinanzierung mit der Notenpresse kategorisch ab, dürfte mit dieser Ansicht im EZB-Rat jedoch weitgehend isoliert dastehen. Dem Vernehmen nach hat Draghi am Montag im Rahmen eines nicht öffentlichen Auftritts vor dem Europäischen Parlament den Kauf von Staatsanleihen als außergewöhnliche Maßnahme zur Rettung des Euro verteidigt. Dabei lehrt die jüngere Wirtschaftsgeschichte gute Gründe, Weidmanns Skepsis zu teilen.

Neben dem Argument, dass Staatsanleihenkäufe den Reformdruck von den Problemstaaten nehmen würden, stehen auch die Sorgen um die langfristigen Auswirkungen solcher Maßnahmen im Raum. Gemäß volkswirtschaftlicher Theorien führt maßlose Geldmengenausweitung, worauf der Erwerb von Staatsanleihen im großen Stil hinausläuft, ebenso wie ein dauerhaft zu tiefes Zinsniveau zu hoher Inflation.
Im günstigen Fall, wohlgemerkt. Wenn frisch gedrucktes Geld die Realwirtschaft erst gar nicht erreicht - wonach es derzeit aussieht -, dann beschränkt sich die Inflation auf Anlageklassen. In Folge entstehen brandgefährliche Spekulationsblasen, diesmal wahrscheinlich an den Anleihenmärkten für solide Schuldner. Zur Erinnerung: Die Immobilienblase in den USA, welche die Finanzkrise zur Folge hatte, wurde ebenfalls durch zu niedrige Zinsen ausgelöst, welche die Folgen der geplatzten Technologie-Bubble zur Jahrtausendwende hätten abfedern sollen.

Zu lockere Geldpolitik ist also bewiesenermaßen dazu geeignet, Krisen auszulösen - zur nachhaltigen Bewältigung dieser jedoch nicht. Daher ist es wünschenswert, würde Draghi morgen die Hände in den Schoß legen und sich auf verbale Unterstützung beschränken. Denn die Eurozone mittels Druckerpresse retten zu wollen, führt sich aus wirtschaftlicher Sicht selbst ad absurdum: Als Folge drohen nämlich Folgewirkungen die unbestrittenen Vorteile einer gemeinsamen Währung ohnedies aufzuzehren.

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