Konjunkturerhebung Stein- und keramische Industrie: Branche kommt 2012 nicht vom Fleck

Gegenwind vor allem bei massiven Rohstoffen - Rückläufige Entwicklung im ersten Halbjahr 2012 - Hoffnung auf schwarze Null am Jahresende

Wien (OTS/PWK583) - Der Fachverband der Stein- und keramischen Industrie hat heute die Halbjahresbilanz seiner traditionellen Umsatz- und Beschäftigtenerhebung vorgelegt. "Der zu Jahresbeginn erwartete Gegenwind bläst uns heftiger als gedacht ins Gesicht. Wir kommen kaum vom Fleck und haben eine rückläufige Geschäftsentwicklung. Insbesondere für die massiven Baustoffe wird es zunehmend kritischer", bringt Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie, die aktuelle Branchensituation auf den Punkt.

Per 30. Juni 2012 ging der Umsatz bei den befragten Mitgliedern gegenüber dem 1. Halbjahr 2011 um -1,22 % von EUR 1,602 Mrd. auf EUR 1,583 Mrd. zurück. Bei den Beschäftigten gab es einen leichten Zuwachs von 0,62 % auf rund 14.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Zu Jahresbeginn waren wir noch vorsichtig optimistisch und gingen von einer leichten Steigerung für das Gesamtjahr aus. Mittlerweile hat uns die Realität überholt. Insbesondere im 1. Quartal machten der Branche das schlechte Wetter und die ausbleibenden Aufträge zu schaffen", so Pfeiler. Robert Wasserbacher, Geschäftsführer des Forums mineralische Rohstoffe ergänzt: "Kritisch ist das Umfeld vor allem im Bereich der massiven Bau-Rohstoffe. Einerseits drücken die sinkenden Investitionen im Infrastrukturbereich und im Hochbau auf die Auftragslage unserer Mitglieder. Zum anderen engen Energie- und Ressourceneffizienzziele den Handlungsspielraum massiv ein".

Zwei-Klassengesellschaft in Baustoffindustrie setzt sich fort:
Bauzulieferer mit teils starken Rückgängen, Industriezulieferer im Aufwind.

Die Umfrage wird halbjährlich unter den 313 Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes durchgeführt. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres mussten insbesondere einige Bauzuliefer-Industrien teils starke Umsatzrückgänge hinnehmen. Die Negativausreißer waren:
Naturwerksteinindustrie -21,59 % auf EUR 11,5 Mio., Transportbetonindustrie -8 % auf EUR 165,7 Mio., Ziegel- und -fertigteilindustrie -5,78 % auf EUR 67,6 Mio., Zementindustrie -5,5 % auf EUR 157,9 Mio. und Schotterindustrie -5,42 % auf EUR 51,9 Mio.

Zuwächse konnten umsatzstarke Branchen wie die Schleifmittelindustrie +3 % auf EUR 166,1 Mio., die Kalkindustrie +15,7 % auf EUR 111,7 Mio. (Zuwachs vor allem bei exportorientierten Industriezulieferern) oder auch die feinkeramische Industrie +3,46 % auf EUR 105,4 Mio. verzeichnen.

"Die Schwankungen in den unterschiedlichen Industrien spiegeln die Gesamtsituation, in der sich unsere Branche befindet, gut wider. Die Industriezulieferer werden mit nach oben gezogen, während sich die rückläufigen Infrastrukturinvestitionen direkt auf die Bauzulieferer wie die Zement- oder Transportbetonindustrie niederschlagen. Sie sind die ersten die es spüren, wenn Budgets von öffentlicher und privater Hand gestrichen werden", so Pfeiler.

Kumuliert verzeichneten die Bauzulieferer ein Minus von 2,35 % (Gesamtumsatz im ersten Halbjahr (EUR 1,229 Mrd.), die Industriezulieferer ein Plus von 2,93 % (Gesamtumsatz im ersten Halbjahr EUR 353 Mio.).

Effizienzvorgaben sind kritische Faktoren für die Branche: Grenze des technisch Machbaren ist erreicht.
Was der Stein- und keramischen Industrie nicht nur an die sprichwörtliche sondern auch an die unternehmerische Substanz geht, sind überbordende Vorgaben im Klima- und Energiebereich, vor allem bei der Energieeffizienz. "Wir sind an der Grenze des technisch Machbaren angelangt und dennoch werden die Stellschrauben immer weiter angezogen. Wir zählen bei der Produktion massiver Baustoffe zu den effizientesten Industrien in Europa. Dies vor allem auch aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit und Standortsicherheit, haben doch die Energiekosten bei manchen Branchen einen Anteil an den Herstellungskosten von bis zu 60 - 70 %", kritisiert Pfeiler. Die Branche würde sich Anerkennung für die freiwillig gesetzten Effizienzsteigerungen erhoffen.

Gelder aus Emissionshandel in Forschung statt in Budgetlöcher; Einbeziehung des Verkehrs.
Der Fachverband schlägt grundsätzlich einen neuen Weg vor, nämlich die Erforschung neuer energiesparender Technologien anstelle verpflichtender Einsparsysteme. "Die Mittel aus dem Emissionshandel könnten hier sinnvoller verwendet werde", so Pfeiler und ergänzt "Klima- und Umweltschutzziele erreichen zu wollen, ohne den Verkehr miteinzubeziehen, ist unrealistisch".

Kurze Wege für langlebige Produkte: Absicherung von Primärrohstoffen im Land als Schlüsselfaktor für Klimaschutz und CO2-Reduktion im Verkehrsbereich
Der gesicherte Abbau von Primärrohstoffen wird vom Forum mineralische Rohstoffe als ein Schlüsselfaktor zur Erreichung von Effizienz- und Klimaschutzzielen betrachtet. "Der einfachste und ökologisch wirksamste Weg zur Reduktion von CO2 im Verkehrsbereich ist die Vermeidung langer Wege. Auch aus diesem Grund ist - neben der Sicherstellung der Versorgungssicherheit - die regionale Gewinnung von mineralischen Rohstoffen so wichtig", hebt Wasserbacher hervor, "denn der Transportradius von Baurohstoffprodukten liegt bei durchschnittlich 30 Kilometer".

Das bedeutet auch, dass ein reflektierterer Umgang mit dem Thema Ressourceneffizienz erforderlich sei, betont Wasserbacher und verweist auf die Vorgaben des Ressourceneffizienzaktionsplanes, der eine 50 %ige Erhöhung der Effizienz gegenüber 2008 vorsieht.

"Wir sollten auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen. Denn der Ressourceneffizienzaktionsplan an sich ist kein Selbstzweck. Die Kosten und Auswirkungen der Reduktion sind auch dem Nutzen gegenüberzustellen. Wenn die Gewinnung von Primärrohstoffen über den Lebenszyklus betrachtet ökologisch und ökonomisch effizienter ist als die Herstellung von Sekundärrohstoffen, dann sollte dies stärker mitberücksichtigt werden", so Wasserbacher.

Ressourceneffizienz: Diskussion auch im Rahmen von EUMICON 2012 Das Forum Rohstoffe geht unter dem Titel "Nachhaltige Rohstoffgewinnung: Auf der Suche nach zukunftsweisenden Gleichgewichten zwischen sozialer Gerechtigkeit - ökonomischem Wohlstand - technischen Innovationen - ökologischer Verantwortung" diesen und weiteren Fragen auch im Rahmen von EUMICON 2012 nach. Die europäische Rohstoffkonferenz EUMICON findet von 19. - 21. September an der Montanuniversität Leoben statt. (www.eumicon.com)

Schwarze Null am Jahresende als Ziel
Für den weiteren Jahresverlauf hofft der Fachverband auf Rückenwind und schönes Wetter. "Unser Ziel ist, dass am Ende des Jahres die schwarze Null steht", so Pfeiler abschließend. (us)

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DI Dr. Andreas PFEILER
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