TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 4. September 2012 von Max Ischia "Schwarz-grüne Fettnäpfchen"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Scherbenhaufen FC Wacker: Ein Vorstand, der alles unternimmt, um sich selbst in Verlegenheit zu bringen. Ein Trainer, dessen Stuhl mehr wackelt, als es den Anschein hat. Und eine Mannschaft, die tief in der Bringschuld steht.

Was tun, wenn die Mannschaft einem Häuflein Elend gleicht, die Verunsicherung aus jeder Pore kriecht und das Punktekonto Anleihen am griechischen Staatshaushalt nimmt? Am besten die Vergangenheit ausblenden und alles neu machen. "Festplatte löschen und neu aufsetzen", sprach also Wacker-Trainer Walter Kogler nach der samstägigen Selbstdemontage seiner Truppe gegen Salzburg. Die 0:4-Heimpleite vor gerade 5800 zutiefst enttäuschten und wütenden Anhängern war der zwischenzeitliche Tiefpunkt einer Vereins-
posse, die zu großen Teilen hausgemacht ist. Ein Rückblick:
Just vor den drei Spielen gegen die Wiener Austria, Red Bull Salzburg und der am 15. September noch ausstehenden Auswärtspartie gegen Sturm Graz wusste der Wacker-Vorstand nichts Besseres zu tun, als Walter Kogler die Rute in den schwarz-grünen Fensterbalken zu stellen. Und weil das Ultimatum, Woche für Woche über den Trainer neu befinden zu wollen, an die Öffentlichkeit gelangte, war der Wacker-Coach tagelang so etwas wie Freiwild. Dann die Kehrtwende um 180 Grad. Ein zweistündiger Krisengipfel zwischen den Wacker-Oberen und der sportlichen Führung (Kogler und Oliver Prudlo) reichte aus, um den Familienfrieden auszurufen. Mit Kogler bis zum Ende des Spieljahres - ohne Wenn und Aber.
Es schien ganz so, als hätte sich die Chefetage neu in ihren Cheftrainer verliebt. War eh alles ein Missverständnis. Und überhaupt: Der Walter ist der Beste. Eine Einschätzung, welche die Fans nicht zwingend teilten. Vielmehr schickten sie ihren angezählten Coach am Samstag verbal wie mittels Transparenten in die Wüste und brachten generell zum Ausdruck, was dieser Tage Fakt ist:
Der FC Wacker Innsbruck gleicht einem Trümmerhaufen.
Wenn sich nun Obmann Kaspar Plattner auf die Suche nach Schuldigen macht, bleibt die Frage, warum erst jetzt? Mit
dem Bekenntnis, bis zum Saisonende an Kogler festzuhalten, hat sich die Chefetage jedenfalls weit aus dem Fenster gelehnt. Bleiben die Erfolge weiter aus, dann wird der in den Seilen hängende Trainer nicht mehr zu halten sein. Und der Vorstand läuft somit Gefahr, sein Gesicht zu verlieren. Bei allem Hickhack der vergangenen Wochen darf eines nicht unerwähnt bleiben: Weder Vorstand noch Trainer trugen zuletzt auf dem Spielfeld das Wacker-Emblem - es war eine Bundesliga-Mannschaft, die sich diesen Status erst wieder verdienen muss.

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