Phänomen Blitz - Internationale Blitzschutzexperten tagen in Wien

Pressegespräch anlässlich der ICLP 2012, 31st International Conference on Lightning Protection, in Wien

Wien (OTS) - Bis zu 24.000 Personen sterben jährlich weltweit durch Blitzschlag, 240.000 werden verletzt - so lauten die Schätzungen von Blitzexperten, denn exakte Zahlen sind nicht verfügbar. Überlebende eines Blitzunfalls tragen sehr oft bleibende Schäden davon: Bei etwa einem Drittel der Blitzopfer sind Verbrennungen festzustellen. Die häufigsten und gravierenderen Folgen sind jedoch Störungen des Nervensystems einschließlich des Gehirns, führte Professor Mary Ann Cooper, University of Illinois, Chicago (USA), am 3. September 2012 in Wien aus.

Die Notfallmedizinerin und Spezialistin für die medizinische Behandlung von Blitzunfallopfern und deren Spätfolgen ist eine von über 300 Blitzschutzexpert/innen, die an der 31. ICLP, der International Conference on Lightning Protection, teilnehmen. Von 2. bis 7. September 2012 tagt die internationale Blitzforschungs-Community an der Technischen Universität Wien. Dr. Gerhard Diendorfer, Leiter des heimischen Blitzortungssystems ALDIS und international anerkannter Blitzforscher, ist es gelungen, diese seit 1951 bestehende Konferenz nach 54 Jahren wieder nach Wien zu holen.

Die Erfindung des Blitzableiters im 18. Jahrhundert

Seit Benjamin Franklin 1752 erste Versuche mit Papierdrachen machte, um die Wirkung von Blitzen zu erforschen, ist der Wissensstand rund um das Phänomen Blitz - konkret über Blitzentladungen und ihre Auswirkungen genauso wie über Maßnahmen des Blitzschutzes - enorm gewachsen. Allerdings sind nach wie vor einige Fragen ungelöst. "Die ICLP organisiert daher alle zwei Jahre eine internationale Konferenz und bietet Blitzforscher/innen aus der ganzen Welt eine einzigartige Informations- und Kommunikationsplattform", betonte Professor Farhad Rachidi-Haeri, Präsident des Scientific Committee der ICLP.

Herausforderungen an den Blitzschutz steigen

Die heute geforderte hohe Verfügbarkeit bei gleichzeitig zunehmender Empfindlichkeit der elektronischen Geräte stellt immer wieder neue Anforderungen an den Blitzschutz. Eine Woche lang präsentieren nun Wissenschaftler aus aller Welt in mehr als 230 Fachvorträgen aktuelle Forschungsergebnisse zum Phänomen Blitz. Im Mittelpunkt der 31. Internationalen Blitzschutzkonferenz in Wien steht unter anderem der Blitzschutz von Personen und Gebäuden bzw. von kritischen Infrastruktureinrichtungen, wie Eisenbahnen, Energieversorgungsnetzen bis hin zu den Raketenstartrampen am Kennedy Space Center.

Kritische Infrastrukturen erfordern komplexen Schutz

"Der Blitzschutz für moderne Betriebsgebäude oder technische Anlagen, wie Windkraft- und Umspannwerke, Photovoltaik- oder Bahnanlagen und dgl., ist wesentlich komplexer auszuführen als die den meisten Menschen als Blitzableiter bekannten Metalldrähte, die vom Dach über die Hausmauern in die Erde führen. Dienen diese Blitzableiter primär dem Brand- und Personenschutz, erfordern technische Einrichtungen einen umfassenden Überspannungsschutz, damit die empfindlichen elektronischen Komponenten bei direktem oder nahem Blitzschlag nicht zerstört werden und somit ausfallen. Welches Risiko von Blitzschlägen ausgeht, haben in Österreich zum Beispiel die durch Blitzschlag lahmgelegte Franz-Josefs-Bahn oder die zerstörte Radaranlage 'Goldhaube' des österreichischen Bundesheeres in den letzten Monaten gezeigt", informierte Gerhard Diendorfer, Chair der ICLP 2012 in Wien.

Besondere Maßnahmen für die Energieversorgung

Professor Mario Paolone, der an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (Schweiz) im Bereich des Blitzschutzes von Energieversorgungssystemen forscht, ergänzte: "Gerade die stetig steigende Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien und der Schutz der dafür verwendeten Anlagen stellen enorme Herausforderungen an den Blitzschutz dar. Schließlich zählt Blitzschlag zu den Hauptursachen für Stromausfälle. Der Schutz von Hochspannungsleitungen respektive der von den Energieunternehmen geforderten "Supergrids" oder auch der naturgemäß exponierten Windturbinen bedingt völlig neue Schutzkonzepte und -systeme."

ALDIS-Blitzmessungen am Gaisberg als Basis für weltweite Blitzforschung

Um einen optimalen Schutz gegen Blitzschäden zu dimensionieren, muss jedoch zunächst erfasst werden, mit welchen Ladungen oder Stromstärken bei einem direkten oder nahen Blitzschlag zu rechnen ist. "Die seit Jahren von ALDIS-Mitarbeitern durchgeführten direkten Blitzstrommessungen am Sender Gaisberg bei Salzburg leisten einen wesentlichen Beitrag dazu", strich OVE-Präsident Dr. Franz Hofbauer hervor. Der OVE, der Österreichische Verband für Elektrotechnik, Betreiber von ALDIS und Organisator der 31. ICLP in Wien, folgt damit seinem Gründungsziel, Sicherheitsmaßnahmen zur Verhütung von Personen- und Sachschäden zu treffen - ein Ziel, welches knapp 130 Jahre nach der Gründung nach wir vor hohe Aktualität aufweist.

Über ALDIS:

ALDIS (Austrian Lightning Detection and Information System) ist ein Gemeinschaftsprojekt von OVE, Siemens und der Austrian Power Grid AG zur Blitzortung und Blitzdokumentation im zentraleuropäischen Raum und liefert exakte Blitzdaten an Wetterdienste, Energieversorgungsunternehmen, Versicherungen und Sachverständige. ALDIS ist darüber hinaus weltweit anerkannte Blitzforschungsstelle. Forschungsergebnisse werden in renommierten Fachzeitschriften und bei internationalen Konferenzen präsentiert. Mit dem für jedermann nutzbaren Gewitterinformationsdienst ALDIS mobile (www.m.aldis.at) liefert ALDIS einen Beitrag zur Reduktion des Blitzrisikos.

Über den OVE:

Der Österreichische Verband für Elektrotechnik (OVE) repräsentiert alle Bereiche der Elektrotechnik und Informationstechnik und vertritt die Interessen seiner Mitglieder sowie der gesamten Branche auf nationaler und internationaler Ebene. Seine Kerngebiete sind die elektrotechnische Normung, die Zertifizierung, die Blitzortung und Blitzforschung sowie die fachliche Aus- und Weiterbildung. Der OVE ist der offizielle österreichische Vertreter bei IEC und CENELEC, den internationalen und europäischen Normungsorganisationen für die Elektrotechnik. Der OVE steht für die Förderung der Wissenschaft, die Vertretung des Berufsstandes des Elektrotechnikers und für die Sicherheit von elektrotechnischen Anwendungen. Die Aktivitäten seiner Fachgesellschaften dienen dem Erfahrungsaustausch, dem Aufbau von Expertennetzwerken und der Imagebildung.

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