WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Österreicher in der Spekulantenfalle - von Eva Komarek

Vom Kunden sollte eine gewisse Mündigkeit verlangt werden dürfen!

Wien (OTS) - Bund und Gemeinden tun es, Unternehmen tun es und private Häuselbauer tun es auch: Zocken. Die Verschuldung in fremden Währungen, vorzugsweise im Schweizer Franken und japanischen Yen, war lange Zeit Standard. Immerhin rund ein Drittel aller Privatkredite in Österreich sind in fremden Währungen. Schuldner wollten von den niedrigen Zinsen und den günstigen Wechselkursen profitieren. Doch mit der Finanzkrise wurden diese Kredite zur Spekulantenfalle. Denn sie bergen gleich zwei Risiken: den Kurs der jeweiligen Währung zum Euro und das Zinsniveau. Soll die Rückzahlung über einen Tilgungsträger finanziert werden, dann kommt noch die Entwicklung dieser Veranlagung als drittes Risiko hinzu. Die öffentliche Hand und viele Unternehmen sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich von den Banken hochriskante Spekulationsgeschäfte in Form von Währungs- oder Zinswetten aufschwatzen lassen. Verkauft wurden sie unter den Schlagworten "Zinsmanagement" oder "Absicherung". So werden etwa bei einem Swap Zinsen getauscht. Je nach Marktlage werden mit anderen Akteuren feste gegen variable Zinssätze oder lange gegen kurze Vertragslaufzeiten getauscht. Damit soll die Zinslast reduziert werden. Doch diese Wetten basieren auf Spekulation und bergen ein massives Risiko: Die Verluste sind nicht begrenzt.

Mit der Finanzkrise wurde das bisher "bombensichere" Geschäft, mit dem alle gut verdient haben zum Debakel. Nun wird nach Schuldigen gesucht. Zu leichtfertig wurden diese Produkte angepriesen, auf die Risiken wenig bis gar nicht hingewiesen, denn auch die Banken haben damit sehr gut verdient. Teilweise wurden diese Spekulationsinstrumente auch von nicht qualifizierten Finanzberatern verkauft. Heute stehen viele vor dem Scherbenhaufen, die Banken ebenso wie die Kunden. Fehlberatung - an dieses Wort klammern sich nun die Schuldner und ziehen vor Gericht. Bis zum Obersten Gerichtshof wird um die Verluste gefochten. Die Banken stehen einmal mehr als das ultimativ Böse da. Sicher ist ihnen vorzuwerfen, dass sie nicht genug aufgeklärt haben. Aber auch vom Kunden sollte eine gewisse Mündigkeit verlangt werden dürfen. Zins- und Schuldenmanagement gehört zu den Aufgaben von Bund und Ländern und auch ein Unternehmer sollte Risiken hinterfragen. Wenn sich ein Firmenchef von einem Finanzberater eine Währungsabsicherung auf türkische Lira verkaufen lässt, obwohl er gar keine Geschäfte mit der Türkei macht, dann ist das schlicht Dummheit und kein Fall fürs Gericht.

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