Einseitiger Anspruch auf Bildungskarenz wäre kontraproduktiv

WKÖ-Gleißner: Beitragszahler sollen Verwendung ihrer Beiträge hinterfragen - Bildungskarenz stärker am Arbeitsmarkt ausrichten

Wien (OTS/PWK561) - "Die Bildungskarenz ist ein gutes, aber
teures Modell, das aus Arbeitslosenversicherungsbeiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert wird. Angesichts der rasant steigenden Kosten - 76 Mio Euro waren es 2011 - ist es aus Sicht der Financiers legitim, die Verwendung und den arbeitsmarktpolitischen Nutzen zu hinterfragen", entgegnet Rolf Gleißner, stv. Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Kritik an Kontrollen der Bildungskarenz seitens des ÖGB.

Bei der Bildungskarenz vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein Ruhen von Arbeit und Entgelt für einen bestimmten Zeitraum. In dieser Zeit absolviert der Arbeitnehmer eine Ausbildung und erhält das Weiterbildungsgeld vom AMS.

Derzeit wird im Rahmen der Bildungskarenz Weiterbildungsgeld ausbezahlt, ohne dass geprüft wird, ob die Ausbildung am Arbeitsmarkt nachgefragt wird und ob die Ausbildung überhaupt betrieben und mit Erfolg absolviert wird. Dementsprechend hat das IHS in einer Evaluierung festgestellt, dass Meisterprüfungen meist zu einer beruflichen Verbesserung führen, während Hochschulausbildungen den Arbeitsmarktstatus nicht verbessern, oft sogar verschlechtern. Schon aus dem Grund sollten sich die Ausbildungen stärker am Arbeitsmarkt orientieren. Gleißner: "Warum sollten die Beitragszahler ein Philosophie-Doktorat finanzieren, wenn das oft nicht einmal dem Doktoranden selbst am Arbeitsmarkt nützt?"

Festgestellt wurde weiters, dass die Initiative zur Bildungskarenz in den allermeisten Fällen vom Arbeitnehmer und nicht vom Unternehmen ausgeht. "Die stark steigende Inanspruchnahme zeigt, dass die Unternehmen den Wunsch ihrer Arbeitnehmer meist mittragen. Ein einseitiger Anspruch, wie vom ÖGB gefordert, ist daher nicht nötig, sondern kontraproduktiv", betont Gleißner.

Hingegen könnte man dem Experten zufolge durchaus vom "Alles oder Nichts"-Prinzip abrücken und - wie bei der dualen Berufsausbildung -eine Ausbildung parallel zur Teilzeitarbeit ermöglichen. "Von einer zielgerichteten Bildungskarenz profitieren alle: Arbeitnehmer und Arbeitgeber ebenso wie die Beitragszahler", so Gleißner. (PM)

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Mag.Dr. Rolf Gleißner
Wirtschaftskammer Österreich
stv. Leiter Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
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Fax 05 90 900 114288
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