ARBÖ: Striktes Nein zu E10 - Wichtige Fragen noch offen

Protestunterschriften auf www.arboe.at/e10

Wien (OTS) - Für den ARBÖ kommt eine Einführung von E10 in Österreich nicht in Frage, solange fundamentale Fragen nicht geklärt sind. "Wir sagen strikt Nein zu einer überhasteten Einführung von E10 in Österreich, das in Deutschland ein glatter Flop ist. Solange fundamentale Fragen nicht geklärt sind, soll es diesen Agrosprit an den heimischen Zapfsäulen nicht geben", so die ARBÖ-Generalsekretärin Mag. Lydia Ninz. Die Protestunterschriftaktion des ARBÖ (www.arboe.at/e10) hat mittlerweile 18.000 Unterschriften erreicht.

In Österreich gibt es keinen Grund, voreilig und unvorbereitet E10 einzuführen. Die EU schreibt vor, dass bis zum Jahre 2020 zehn Prozent der Treibstoffe biogen sein müssen. Derzeit, also acht Jahre davor, liegt Österreich bereits bei knapp acht Prozent. Diese EU-Vorgabe ist also kein plausibler Grund für eine sofortige Einführung. "Die EU lässt viele Varianten offen, diese Quote zu erfüllen und beileibe nicht nur die Beimischung von Ethanol zu Benzin. Wenn alle Traktoren mit reinem Biodiesel fahren - was die meisten auch technisch vertragen - wäre das ein brauchbarer Beitrag zur Erfüllung der Quote", so Ninz.

Die wichtigsten offenen Fragen sind:

1. Bringt die Beimischung des aus Nahrungsmittelpflanzen gewonnenen Ethanols zu Benzin tatsächlich die behaupteten Einsparungen von CO2? Dafür müsste es genaue Zertifizierungen geben - nicht nur für das in Österreich produzierte Ethanol, sondern auch für importiertes Benzin. 2. Wie kann sichergestellt werden, dass durch die Versprittung von Lebensmittelpflanzen nicht der Hunger in der Welt zunimmt und die Preise für Lebensmittel so steigen, dass sie gerade für die ärmsten Menschen nicht mehr leistbar sind? Die seit Jahren versprochene zweite biogene Generation gibt es noch immer nicht in ausreichender Menge (Dabei würde die gesamte Pflanze und nicht nur die Frucht verwertet bzw. Pflanzen, die nicht zur Nahrungsmittelproduktion taugen). Renommierte Experten, wie z.B. die deutsche Nationale Akademie der Wissenschaften, warnen ausdrücklich vor "jeder Form der Bioenergie, die zur Verknappung der Lebensmittel bzw. deren Preise durch Wettbewerb um Land und Wasser in die Höhe treiben." 3. Welche Autos verkraften E10? Nach Schätzungen des ARBÖ sind es 216.000 ältere Autos, die E10 nicht verkraften. Es gibt aber auch eine Reihe neuerer Autos, für die die Hersteller keine Garantie bei E10 abgeben. Fakt ist, dass in Deutschland 80 Prozent der Benzin-Pkw-Fahrer keine E10 tanken weil sie technische Nachteile für ihre Autos befürchten, obwohl es dort eine Liste der Autos gibt, die E10 verkraften. 4. Wie kann sichergestellt werden, dass E10 günstiger wird, ohne dass dafür alle anderen Benzinsorten preislich steigen? Fakt ist, dass in Deutschland 80 Prozent der wenigen E10 Tanker (15-20 Prozent) diese Sorte nur deshalb tanken, weil sie preislich günstiger ist, derzeit um vier Cent. "Da die Finanzministerin in Österreich keine Steuervorteile für E10 springen lässt und Ethanol aufgrund der Mißernten bei Mais sich weltweit extrem verteuert hat, könnte E10 derzeit gar nicht günstiger angeboten werden. Um E10 trotzdem preislich attraktiv zu machen, ist eine saftige Verteuerung bei den anderen Spritsorten zu befürchten. Das kommt für uns schon überhaupt nicht in Frage, zumal sich Sprit ohnehin schon massiv verteuert hat", so die ARBÖ-Generalsekretärin. 5. Können die heimischen Bauern wirklich davon profitieren und nicht nur die Agrarkonzerne? Fakt ist, dass derzeit das Getreide für die österreichische Produktion von Agrotreibstoffen importiert werden muss. Eine Überprüfung der Wertschöpfungskette könnte hier Klarheit schaffen. Gewinnen werden sicher nicht die kleinen Bauern, sondern wohl eher jene Konzerne, die Getreide zu Ethanol verarbeiten, so der ARBÖ.

Zusammenfassend: "Neben zusätzlichen Belastungen für die Autofahrerinnen und Autofahrer ist für den ARBÖ entscheidend, dass im Zweifelsfall Nahrungsmittelpflanzen auf den Teller gehören und nicht in den Tank", bekräftigt die ARBÖ-Generalsekretärin.

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