WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Auf Regierungen folgen nun die Weltkonzerne - von Herbert Geyer

Seltsam, das bei mehr als 30 Grad zu sagen: Es wird kälter

Wien (OTS) - Es mag ein bisschen seltsam klingen, wenn draußen
das Thermometer Tag für Tag über 30 Grad steigt - aber: Es wird kälter. Weltweit werden heuer 400.000 Jobs dem Erdboden gleichgemacht (siehe Bericht S. 3). Das ist zum einen natürlich verständlich: Da sich - speziell in Europa, aber auch in den USA -die Politik aufs Sparen eingeschworen hat und damit die Konjunktur abwürgt, sinken die Umsätze und Gewinne der Konzerne, und da liegt es nahe, darauf ebenfalls mit Sparen zu reagieren.

Zum anderen ist ein solcher Jobabbau natürlich genauso kurzsichtig wie die Sparpolitik der europäischen Staaten: Mehr Gewinn zu machen geht (ebenso wie der Abbau von Staatsschulden) umso einfacher, je mehr man umsetzt, also durch mehr Wachstum. Und jede Kündigung verringert letztlich auch die Zahl der potenziellen Kunden. Arbeitslose sind als Konsumenten eine recht unzuverlässige Klientel. Letztlich wird der großflächige Jobabbau der Großkonzerne also zum Sinken der Umsätze führen - worauf sie wieder mit Jobabbau reagieren. Die Spirale nach unten ist längst in Bewegung.

Österreich ist von diesem Trend - zumindest vorläufig - nur am Rande betroffen. Weit über 90 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer sind in Klein- und Mittelbetrieben beschäftigt. Und die neigen nicht so zu Hire and Fire, wie sich ja auch im Krisenjahr 2009 gezeigt hat, als sich der Jobabbau trotz eingebrochener Nachfrage in Grenzen hielt. Eine Wirtschaftsstruktur, die auf Klein-und Mittelbetriebe setzt, hat auch einen weiteren unschätzbaren Vorteil: Natürlich gibt es auch dort immer wieder Fehlentscheidungen, die ein Unternehmen im schlimmsten Fall sogar in die Pleite führen können.

Gesamtwirtschaftlich sind die Folgen aber weit weniger gravierend, als wenn an der Spitze eines Großkonzerns Fehlentscheidungen fallen. Solche Managementfehler stehen offenbar auch hinter dem massiven Jobabbau der Weltkonzerne - etwa bei Nokia, der eben die Schließung des Osteuropa-Hauptquartiers in Wien bekannt gab. Seit der ehemalige Gummistiefel-Erzeuger, der mit Handys groß geworden ist, das Smartphone verschlafen hat, geht es mit ihm bergab. Weder die Schließung der Produktion in Rumänien nach nicht einmal drei Jahren noch die jetzt angekündigte Übersiedlung ausgerechnet nach Budapest (wo internationale Konzerne zwecks Budgetsanierung ausgenommen werden wie die Weihnachtsgänse) lässt auf weitsichtige Unternehmenspolitik schließen. Nokia sollte mit dem Jobabbau oben beginnen. Ganz oben.

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