Alpbacher Perspektiven 2012 - Ekström: "In der Schule lernen wir viel, on the Job lernen wir mehr"

Lob aus Schweden für duale Lehrlingsausbildung - Hochhauser betont Bedeutung einer Basisausbildung sowie von Flexibilität zu Um- und Neuorientierung

Wien (OTS/PWK549) - Als wichtiges Verbindungselement zwischen Bildungssektor und Wirtschaft lobte Anna Ekström, Generaldirektorin der "Swedish National Agency for Education", das duale System der Lehrlingsausbildung, wie es in Österreich oder Deutschland existiert: "Andere Länder, die ein solches System nicht kennen, haben die allergrößten Probleme", konstatierte die Bildungsexpertin aus Schweden, denn: "In der Schule lernen wir viel, on the Job lernen wir mehr", zeigte sich Ekström überzeugt. Es gehe eben nicht nur darum, wie viel man lernt, sondern was man lernt und wie die Qualität der Lehre ist.

Und Ekström nahm auch und insbesondere die Politik in die Pflicht, die alles tun müsse, um zum Fortbestand eines solchen Best Practice-System beizutragen.

Nicht wegzudiskutieren sei eine Zweiteilung des Arbeitsmarktes in Europa in einen Arbeitsmarkt für junge Frauen und einen für junge Männer: Leistungskontrollen in Schulen zeigen, dass Mädchen und junge Frauen mehr leisten und bessere Leistungen bringen. Die Chancengleichheit für (junge) Frauen auf dem Arbeitsmarkt sei jedoch nicht besonders groß.

Besonders hob Ekström die Bedeutung von Entrepreneurship, Unternehmergeist, hervor: Es sei nicht nur wichtig, neue Unternehmen zu gründen. Genauso wünschens- und lobenswert ist es, wenn junge Menschen neue Ideen in bestehende Unternehmen einbringen und dort Verantwortung übernehmen.

Die Bedeutung des dualen Ausbildungssystems unterstrich auch Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich: "Es ist signifikant, dass Länder mit einer solchen Ausbildung eine deutlich geringere Jugendarbeitslosigkeit aufweisen." Allerdings bedeute das nicht, dass man sich auf den Lorbeeren eines gut funktionierenden Systems ausruhen dürfe: "10.000 junge Menschen ohne jede Ausbildung in Österreich sind 10.000 zu viel", so Hochhauser.

Angesichts der demographischen Entwicklung - mehr ältere Arbeitnehmer oder Menschen in Pension und weniger Junge - und dem schon jetzt spürbaren Mangel an Fachkräften ist eine rasche weitere Attraktivierung der dualen Lehrlingsausbildung für den Wirtschaftsstandort Österreich unabdingbar.

Hochhauser betonte auch die Notwendigkeit und Unverzichtbarkeit einer Basisausbildung. Vor dem Hintergrund der Entwicklung hin zur Dienstleistungsgesellschaft betonte Hochhauser die Bedeutung der Bereitschaft, sich im Anschluss an die Basisausbildung um- oder gänzlich neu zu orientieren und die dazu nötige Flexibilität. Neben modernsten Lehrausbildungen soll es in Zukunft auch möglich sein, nach der dualen Ausbildung auch andere Bildungswege ohne Hürden beschreiten zu können.

Um den Fachkräftebedarf besser abdecken zu können, gelte es schon jetzt, in Österreich alle Potenziale auszuschöpfen, wie insbesondere durch die Beschäftigung von älteren Menschen, Frauen sowie von Menschen mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus wurden mit der Einführung der Rot-Weiß-Rot-Karte attraktive Zuwanderungsregeln vor allem für jene höher qualifizierten Schlüsselkräfte und Fachkräfte aus Drittstaaten geschaffen, die in Österreichs Unternehmen dringend gebraucht werden.

Isabelle Deganis vom Regional Office for Europe and Central Asia der International Labour Organisation in Genf wies darauf hin, dass das Risiko, ohne Arbeit zu sein, für Jugendliche viel höher ist als für Erwachsene. Dazu kommen die Situationen, mit denen junge Menschen oft zurechtkommen müssen, wie nur befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeitarbeit, wenig Verdienst sowie die Qualität der Arbeit und der Arbeitsbedingungen: "Junge Menschen verlangen nach Stabilität", postulierte sie. Die Jugend verdiene es nicht, sich ewig in einer Art Übergangsphase zwischen Ausbildung und Arbeitsleben befinden zu müssen, so Deganis.

"Es wird immer wichtiger, neue Felder der Beschäftigung zu erschließen und neue Lösungen für Probleme zu finden", betonte Hinnerk Hansen, Mitbegründer der Plattform HUB Vienna. HUBs existieren bereits in 30 Städten und sind eine Art Andockstation für Unternehmer und Selbständige. Die HUBs dienen als Kommunikationsplattform, wo den Mitgliedern Räumlichkeiten offen stehen, in denen sie ihre Talente einbringen und gemeinsam Geschäftsmodelle erarbeiten können. Weiters wird dort versucht, vielversprechende junge Ideen mit dem Markt zu verbinden. So seien zum Beispiel im HUB Zürich E-Mobility-Lösungen oder im HUB Johannesburg ein Verfahren zur Trinkwasserreinigung im Teamwork entwickelt worden. Ein Beispiel für eine Erfolgsgeschichte des HUB Vienna ist das Unternehmen "Gebrüder Stitch", das nachhaltig hergestellte Jeans verkauft, die allen ökologischen Standards entsprechen: "Erfolgsmodelle wie diese inspirieren dann in weiterer Folge neue Gründer und potenzielle Jungunternehmer", ist Hansen überzeugt.

"Die Arbeitsbedingungen werden sich in Zukunft noch stärker ändern als bisher. Die physische Produktion geht weiter zurück und die Art und Weise der Arbeit verändert sich", konstatierte Milo Schaap von Microsoft Österreich. 75 Prozent der neuen Jobs hätten mit Wissen und Informationsverarbeitung zu tun, deshalb sei es besonders notwendig, dass die Arbeitnehmer der Zukunft eine gute Grundausbildung erhalten, die sie auf das neue Arbeitsumfeld vorbereitet. "Unternehmer müssen sich die Frage stellen: Wie bilden wir die 'Generation Facebook' aus, wie können wir ihre Qualitäten nutzen und ihre Ideen verwertbar machen? Die Unternehmen müssen aber auch berücksichtigen, dass sich die Erwartungshaltungen der Arbeitnehmer der Zukunft geändert haben. Es wird immer wichtiger, dass die Mobilität und Flexibilität im Job gewährleistet ist", betonte Schaap.

Carl Rauch von der Autohaus 24 GmbH präsentierte ein Beispiel für die Erweiterung der Geschäftsfelder von Medienhäusern. Seit Mitte der 90er habe ein Rückgang beim Verkauf von Printprodukten und der Aufstieg des Internets begonnen. Große Unternehmen wie der Axel Springer-Verlag in Deutschland haben nicht nur die Digitalisierung der Zeitung vorangetrieben, sondern sich auch in anderen, neuen Geschäftsfeldern etabliert: So beschäftigt der Konzern in seiner Tochter-GmbH Autohaus 24 Autoverkäufer und IT-Experten, die online Fahrzeuge verkaufen. (JR/TB)

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