WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Mit den Politikern kehrt die Krise zurück - von Hans Weitmayr

Das politische Gezerre beginnt wieder und wird für Marktturbulenzen sorgen

Wien (OTS) - Es war, so ist man versucht zu sagen, ein August wie damals. Zumindest aus österreichischer Sicht. Egal ob man im sonnigen Ausland weilte oder zu Hause, beispielsweise in der Bundeshauptstadt, konnte man, leicht betäubt von der Hitze des Tages und der Nacht, durch beinahe menschenleere Straßen gleiten; eine Stille, die nicht nur den Misanthropen unter uns zugutekam, sondern oft auch im beruflichen Umfeld den Geschäftsverlauf entschleunigte. Entschleunigt wurde trügerischerweise auch die Eurokrise. Gut, ab und zu stellte sich der eine oder andere Politiker aus der dritten Reihe in die erste und versuchte, mit ein paar markigen Sprüchen über den Euro zu punkten. Hoffnungsfrohe Altunternehmer mit seltsamem Akzent, noch seltsameren Weltanschauungen und Gefolgsleuten aus der vierten Reihe forderten den Schilling zurück und trugen auch sonst unfreiwillig zur Erheiterung der Massen bei.

Mit dieser Ruhe wird es ab dieser Woche vorbei sein. Schon bevor der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras seine Tour des Capitales beginnen konnte, brachten sich schwergewichtige europäische Politiker auf der einen und Vertreter der Europäischen Zentralbank auf der anderen Seite in Stellung. Wobei die Verfechter des Status quo unter Einbeziehung einer möglichst offensiv agierenden Notenbank bereits am Sonntag die Initiative ergriffen und über eine mediale Offensive vorerst die Themenhoheit an sich gerissen haben. Entsprechend positiv sind die Märkte in die zweite Augusthälfte gestartet. Am Anleihensegment haben sich die Renditen spanischer Anleihen mit zehnjährigen Laufzeiten vorerst beruhigend weit von der gefährlichen Sieben-Prozent-Marke entfernt.

Das wird nicht so bleiben. Gegner einer offensiven EZB-Politik werden sich schnell formieren, die Griechenland-Problematik wird sich weiter radikalisieren, das Nachdenken über den Grexit wird lauter werden. Vor diesem Hintergrund werden wir uns wieder auf volatilere, weil von der politischen Meinung hin- und hergerissene Märkte einstellen müssen. Problematisch ist das nicht nur für diejenigen Marktteilnehmer, die so gerne mit dem Attribut "Zocker" versehen werden, sondern auch für die Eurozone, weil diese Unsicherheit die Renditen der Peripherie-Staatsanleihen in die Höhe treiben und in einem zweiten Schritt die Refinanzierungskosten wieder steigen lassen wird.

Mit der Politikerkaste kehrt also auch die Eurokrise mit voller Wucht in unser aller Leben zurück. Hat jemand eine der beiden vermisst?

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