"Kronen Zeitung" kopiert Presse-Beitrag zu Frühpensionen

Wien (OTS) - Schon am 3. August 2012 hat Herr Karl Ettinger in der Tageszeitung "Die Presse" kritisiert, dass bei den Frühpensionen der Beamten der Stadt Wien die Schwerarbeiter deutlich in der Unterzahl sind und auch Kanzleibedienstete und klassische Verwaltungsbeamte frühzeitig pensioniert werden. Heute - also 17 Tage (!) später -berichtet Herr Peter Gnam in der "Kronen Zeitung" ein wenig gekürzt den selben Sachverhalt und kommentiert ihn in seiner Rubrik "Thema des Tages".

Man könnte dies als "Sommerloch-Debatten-Beitrag" abtun, oder sich fragen, wie viel ein Spitzenjournalist verdient, wenn er derart ungeniert abschreibt. Interessant wäre natürlich auch die Frage, ob er einen Teil seines Gehalts an Herrn Ettinger abliefert. Solche launigen Fragen vergehen einem aber, wenn man sich den Inhalt näher ansieht.

Da ich zum Inhalt des Beitrags von Herrn Ettinger ja schon in meiner OTS-Aussendung am 3. August 2012 kritisch Stellung genommen habe, erspare ich mir hier eine Wiederholung.

Grundsätzlich ist aber nochmals festzustellen:

  • es wurde nie behauptet, dass nur Schwerarbeiter/innen wie etwa Pflegekräfte, Feuerwehrbeamte oder Kanalarbeiter eine Frühpension in Anspruch nehmen müssen,
  • selbstverständlich können auch Kanzleibedienstete frühzeitig so schwer erkranken, dass sie nicht mehr arbeitsfähig sind,
  • zwischen Kanzleibediensteten (die mitunter auch sehr belastende Aufgaben zu erledigen haben) und Schwerarbeiter/innen gibt es eine Reihe von Berufsgruppen mit verschiedensten körperlichen und psychischen Belastungen, die in Einzelfällen dazu führen können, dass Menschen frühzeitig ihren Beruf aufgeben müssen,
  • und mit Sicherheit gibt es auch Einzelfälle, die die Lücken der medizinischen und rechtlichen Systeme missbrauchen, um möglichst rasch eine Pension in Anspruch nehmen zu können.
  • Es gibt aber auch sehr viele Bedienstete der Gemeinde Wien, die das gesetzlich vorgesehene Pensionsantrittsalter erreichen. Offensichtlich haben sich so manche Journalisten nicht die Mühe gemacht, die verfügbaren Statistiken genauer anzusehen, denn dann hätte so mancher "Skandal-Artikel" gar nicht erscheinen müssen.

Ob Schwerarbeiter/innen, Kanzleibedienstete, mittelschwer belastete Beschäftigte und Menschen die das Sozialsystem missbrauchen - all dies gibt es natürlich auch im ASVG. Bei der ganzen Diskussion geht es also eigentlich um den Vergleich zwischen den Bediensteten im Bereich der Gemeinde Wien, der Bundes- und Landesbediensteten und der Privatbeschäftigten. Leider gibt es aber bisher keine brauchbaren Daten, die einen umfassenden seriösen Vergleich ermöglichen, der Lebenseinkommen, Belastungen, Qualifikationen, Lebensarbeitszeit, Ruhestandsbezug usw. berücksichtigt.

Es ist erschütternd und ärgerlich, wie Teile der Politik und der Medien diese Unklarheiten ausnützen und mit statistischen Tricksereien und Halbwahrheiten sich Schlagzeilen zurecht legen und gegen Gemeindebedienstete bzw. den politischen Gegner polemisieren. Wenn man sich ansieht, welche haarsträubenden "Postings" nach solchen Zeitungsberichten auf Internetseiten wie z.B. "krone.at" landen, dann muss man erkennen, dass dieses Schüren von Vorurteilen zu Wut und Hass gegenüber Beamten führt.

Ich bin jederzeit bereit, schlechte Arbeitsbedingungen anzuprangern, strukturelle Versäumnisse beim Bedienstetenschutz oder Betrieblichen Eingliederungsmanagement zu kritisieren und Missbrauch zu bekämpfen. Es ist aber nicht hinzunehmen, dass einerseits die weit überwiegende Mehrheit der pragmatisierten Gemeindebediensteten zu unrecht als Privilegierte verunglimpft werden und sich sogar schwer kranke Beamtinnen und Beamte für ihre frühzeitige Pensionierung rechtfertigen müssen, nur weil sie vielleicht vorher auf einem Schreibtisch gearbeitet haben.

Rückfragen & Kontakt:

Kurt Obermülner, MAS (Mediation)
Vorsitzender
Fraktion Christlicher Gewerkschafter
in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe - Wien
1090 Wien, Maria Theresien Strasse 11
Homepage: www.fcg-gdg-kmsfb.at
Tel.: (01) 31316-83682, Handy: 06767068511

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