"kreuz und quer" am 21. August: "Scheidung nach Art der Scharia" und "Scheidungskinder"

Wien (OTS) - Die junge pakistanische Muslimin Imran Iqbal wohnt in London und wurde von ihrem Vater zwangsverheiratet. Die ungewollte Hochzeit vermasselte Imran zufolge ihr ganzes Leben. Und sie ist mit diesem Problem nicht alleine: Zwangsehen werden von der jungen Generation nur mehr schwer ertragen. Zwar gibt es vielfältige Lösungsversuche, aber diese verlaufen meist sehr spannungsgeladen. "kreuz und quer" - präsentiert von Christoph Riedl - zeigt am Dienstag, dem 21. August 2012, um 22.30 Uhr in ORF 2 mit Masood Khans Dokumentation "Scheidung nach Art der Scharia" die Probleme der neuen Generation pakistanischer Muslime in Großbritannien zwischen Familientradition, Religion und persönlichem Willen. Um 23.25 Uhr folgt Michael Cencigs Dokumentation "Scheidungskinder", in der sieben Scheidungskinder verschiedener Generationen ihre Erfahrungen, Ängste und Sorgen schildern.

"Scheidung nach Art der Scharia" - ein Film von Masood Khan

An britischen Scharia-Gerichten häufen sich die Scheidungen. Was nach einem gesellschaftlichen Trend aussieht, ist vor allem Ausdruck einer jungen muslimischen Generation im Wandel, die zwischen familiärer Tradition und Religion ihren eigenen Weg gehen möchte. "Schon am Anfang habe ich meinem Vater gesagt, dass er mein Leben zerstört. Trotzdem habe ich der Nikah, der muslimischen Ehe, zugestimmt. Mein Vater hat mir gesagt, dass es kein Zurück mehr gibt. Meine Zukunft ist vermasselt", sagt Imran Iqbal aus London. "Scheidung nach Art der Scharia" begleitet junge pakistanische Muslime wie Imran und erzählt die Geschichten ihrer unglücklichen arrangierten Ehen. Die Lösungsversuche sind vielfältig - und konfliktreich. Sie reichen von Polygamie bis zur im Islam doch möglichen Scheidung der Ehepartner.

Im Zwiespalt zwischen familiären Interessen und dem eigenen persönlichem Willen werden in Großbritannien die Scharia-Gerichte aber auch von Muslimen um Hilfe und Rat gebeten. Laut einer britischen Studie sprechen sich 40 Prozent der Muslime im Land mittlerweile sogar dafür aus, in mehrheitlich muslimischen Gebieten des Königreichs die islamische Rechtssprechung in das britische Rechtssystem aufzunehmen. "Ja, wir wollen das System der Scharia der britischen Gesellschaft anbieten", meint auch Scheich Suhaib Hasan, Generalsekretär des Islamic Sharia Council in London.

"Scheidungskinder" - ein Film von Michael Cencig

Sieben Scheidungskinder geben einen Einblick in ihre persönlichen Geschichten, Probleme, Ängste und Hoffnungen. Welche Erfahrungen übertrugen sich dabei auf die eigenen Beziehungen? Selma, 18 Jahre alt, hat durch die Trennung ihrer Eltern das Vertrauen zu Männern verloren. Was Selma unter anderem geholfen hat, nicht nur ihre eigene Situation, sondern auch die ihrer Eltern besser zu verstehen, war eine Familienaufstellung. Das älteste Scheidungskind ist die 82-jährige Eva. Problematisch war für sie jedoch nie die Trennung ihrer Eltern, sondern viel mehr die gesellschaftliche Ächtung der Scheidung Anfang der dreißiger Jahre. Peter, 41, sieht in seiner Scheidung wiederum eine Erbsünde.

Eine gewisse Hoffnung und Zuversicht klingt bei allen Protagonisten durch. Sie haben ihre schwierige Geschichte angenommen und gelernt, mit ihr zu leben. Die Scheidung ihrer Eltern ist ein gravierendes Geschehen in ihrer Biografie, aber sie überschattet nicht ihr ganzes Leben. Vor allem eines haben sie sich bewahrt bzw. zurückerobert: die Fähigkeit zu lieben.

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