Eurokrise und das politische Tollhaus

Innsbruck (OTS/TT) - Von Alois Vahrner

Untertitel: Rauswurf-Forderungen, angebliche Vorbereitungen auf ein Euro-Aus, Rufe nach dem Nord-Euro oder Schilling:
Das europäische Stimmengewirr verursacht vor allem Verunsicherung bei den Bürgern.

Text: Österreich war bisher bei der Bekämpfung der Eurokrise politisch ein Fliegengewicht, ein braver Mitläufer. Aufgefallen ist einzig Finanzministerin Maria Fekter, die zuweilen voreilig Gipfelergebnisse ausplauderte oder zum Ärger Roms Italien als Kandidat für den Euro-Rettungsschirm ins Spiel brachte.
Jetzt zog auch Außenminister Michael Spindelegger die Samthandschuhe aus und verlangte einen "Rauswurf" von Eurosündern - ohne Griechenland konkret zu nennen. Vielleicht auch unter dem Eindruck der heftigen Forderungen von FPÖ, BZÖ und Neo-Politiker Frank Stronach nach einem Nord-Euro oder der Rückkehr zum Schilling. Noch kräftiger als Spindelegger äußerte sich Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja, der meinte, sein Land bereite sich auf einen Zerfall der Eurozone vor - ehe er von seinen Regierungskollegen zurückgepfiffen wurde.
Als ob die Schuldenkrise an sich nicht schon explosiv genug wäre: Das völlig unabgestimmte Stimmengewirr von Politikern aus den 17 Euro-Mitgliedsländern trägt ganz sicher nicht zum Vertrauen in den Euro bei. Statt mitzuhelfen, das Feuer zu löschen, betätigen sich manche sogar noch als Brandbeschleuniger. Dass der ausgezeichnete Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker seinen Job in diesem Tollhaus lieber heute als morgen loswerden möchte, ist wahrlich kein Wunder. Vor dem Eurostart wurden Expertenwarnungen darüber, dass hier wirtschaftlich starke mit schwachen Ländern unter ein Dach kommen, in den Wind geschlagen. Dazu kamen mangelnde Eingriffs- und Kontrollmöglichkeiten bis hin zur Aufnahme völlig ungeeigneter Länder. Dies alles rächt sich jetzt bitter.
Der Euro als wahrscheinlich weitreichendstes europäisches Projekt ist nun einmal Faktum. Es ist noch immer vor allem eine Schulden- und Wirtschaftskrise in einigen Mitgliedsländern, die Währung ist die Nummer zwei weltweit und seit ihrer Gründung härter als der US-Dollar.
Ob Griechenland nach all seinen Verfehlungen den Euro-Rauswurf verdient hat, muss politisch entschieden werden. Für die EU und den Euro wäre das Griechen-Aus wohl tatsächlich "beherrschbar", den bankrotten Griechen würde mit dem Grexit und der Drachme aber das absolute Chaos drohen. Eine Trennung in harten Nord-Euro und schwächeren Süd-Euro wäre ein Abenteuer mit unabsehbaren Folgen, die in Österreich von manchen gewünschte Rückkehr zum Schilling (der durch die Bindung ein Anhängsel der D-Mark war) wohl noch mehr.

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