OÖNachrichten-Leitartikel: "Das große Risiko des Frank Stronach", von Wolfgang Braun

Ausgabe vom 18. August 2012

Linz (OTS) - Die Woche gehörte Frank Stronach. Der austro-kanadische Industrielle hat es geschafft, zwischenzeitlich sogar die aktuellen Korruptionsaffären aus den Schlagzeilen zu verdrängen. Das wird ihm gefallen haben.
Stronachs Plan, mit einer eigenen Partei bei der Nationalratswahl 2013 zu kandidieren, ist in den vergangenen Tagen konkret geworden. Die Art und Weise, wie er seinen Einstieg gestaltet, sagt nicht nur etwas über Stronach, sondern auch sehr viel über die gegenwärtige politische Landschaft Österreichs aus. Oder hat es tatsächlich jemanden überrascht, dass es Stronach leicht fällt, Überläufer aus anderen Parteien für sein Projekt zu rekrutieren?
Politische Söldner gehören leider mittlerweile zum Bestandteil unseres Parlamentarismus - vor allem, wenn ihre finanzielle Existenz an das politische Mandat gekoppelt ist. Sie werden Stronachs Beiwerk sein. Erfüllungsgehilfen, die er auch im Sport um sich gesammelt hat, die er benutzte und von denen er oft auch ausgenutzt wurde. Erneuerung lässt sich mit diesem Personal nicht signalisieren, aber das braucht Stronach auch nicht. Er ist die Partei, anders würde er es auch nicht haben wollen. Die wachsende Politikverdrossenheit spielt ihm zudem in die Karten. In diesem Klima hat fast jede neue Partei Chancen auf den Sprung ins Parlament - noch dazu, wenn sie wie in diesem Fall über eine üppige Wahlkampfkasse verfügen kann.
Die große Frage ist daher nicht, ob Stronachs Gruppe es in den Nationalrat schafft oder ob er inhaltlich einmal mehr als Überschriften liefert. Entscheidend ist vielmehr, ob oder wahrscheinlicher wann Stronach die Lust an der Politik wieder verliert. Denn vieles an seinem Projekt wirkt wie eine Laune, eine Marotte, wie eine Suche nach Anerkennung. Stronach scheint wie im Fußball auch in der Politik der Illusion zu erliegen, dass schneller Erfolg delegierbar wäre.
Im Fußball hat er sich nach den ersten Widerständen bald zurückgezogen, in der Politik würde er es vermutlich nicht anders halten. Zurück bliebe eine weitere Retortenpartei à la BZÖ. Stronach geht mit seinem Engagement in der Politik aber auch ein persönliches Risiko ein. Denn ein Scheitern könnte sein Ansehen, das er sich als erfolgreicher Unternehmer mit Mut, Geschick und Ausdauer aufgebaut hat, ramponieren. Aber das wird ihm keiner seiner Adjutanten sagen.

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