"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig "Wie das Geld die Festspiele regiert"

... und was bisher beim neuen Salzburger Chef alles auf der Strecke blieb.

Wien (OTS) - Schon vor Beginn der Salzburger Festspiele 2012, den ersten unter der Führung von Intendant Alexander Pereira, musste man den Eindruck gewinnen, dass der Spielplan sekundär sei - Hauptsache, die Kasse stimmt. Leider hat sich das im Großen und Ganzen bewahrheitet.
In seinen Grundsatzerklärungen redete Pereira ausufernd von Subventionsgebern, Sponsoren und der Schwierigkeit der Finanzierung. Dann lieferte er sich medienwirksam Verbalduelle mit Mitgliedern seines Kuratoriums, in denen es primär um ein Thema ging: Die Erhöhung des Budgets. Wofür er dieses Geld genau verwenden wolle, war schon weniger wichtig.
Sein erklärtes Ziel ist es, die Salzburger Festspiele noch größer zu machen. Size matters! Masse und Macht sind die neuen zentralen Kategorien. Dass er die Festspiel-Jahre davor als provinziell abtat, war ebenso ein bewusstes Foul wie die Behauptung, er wäre der Erste, der in Salzburg Puccini aufführen lasse, was nachweislich nicht stimmt.
Nun ist das Schwimmen gegen den Strom freilich ein interessanter Zug. Und vielleicht hat Pereira recht, dass man genau dann investieren muss, wenn andere sparen. Diese Überlegungen gibt es ja auch im Wirtschaftsbereich. Nur sollte es bei einem hochsubventionierten Betrieb wie den Salzburger Festspielen immer noch ursächlich um die Kunst gehen. Da offenbarten sich gleich in Pereiras erster Saison viele Problemzonen.

Zwischenbilanz Der Start mit der "Zauberflöte" war szenisch ein Flop und sängerisch mittelmäßig. Eine starke Ansage im Mozart-Fach, wie sie Pereiras Vorvorvorgänger Peter Ruzicka mit "Don Giovanni" und dem Durchbruch von Anna Netrebko, ebenfalls mit Nikolaus Harnoncourt am Pult, gelungen war, sieht anders aus.
"Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss wurde bisher zum einzigen durchwegs positiv beurteilten, vollen Opernerfolg. Das aber dank der Fassung von Regisseur Sven-Eric Bechtolf und trotz der von Pereira verantworteten musikalischen Ebene.
Sein Mitbringsel aus Zürich, Mozarts "Il re pastore", war schlecht besucht, obwohl Rolando Villazón mitwirkte. Wie zahlreiche Konzerte mit Topstars. Man darf neugierig sein, wie hoch die Auslastung am Ende des Festivals wirklich gewesen sein wird.
20 Prozent mehr Karten wurden aufgelegt. Die müssen erst verkauft werden.
Ein klares dramaturgisches Konzept war im Opern- und Konzertbereich nicht erkennbar. In erster Linie schien es um große Namen zu gehen - egal, wofür diese engagiert wurden. "Was stellt ihr bloß mit Mozart an?" auf der Titelseite der Zeit war nur eine der zahlreichen kritischen Stimmen aus dem Ausland.
Größer, stärker, teurer - solche Kategorien sind bei Olympischen Spielen wichtig, nicht aber als Muskelprotz-Attitüde in Salzburg. Wobei man den Festspielen zugutehalten muss: Hier gibt es regelmäßig Weltklasseleistungen. In der Kunst liegt Österreich - anders als in London - in jeder Medaillenwertung ganz vorne.

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