AK-Umfrage: Kostendruck bei Sommer-Nachhilfe für SchülerInnen steigt

Im Schnitt 442 Euro Nachhilfeausgaben im Sommer pro betroffener Familie - die Lösung ist Förderung in der Ganztagsschule, sagt AK Präsident Tumpel

Wien (OTS/AK) - Seit Anfang August hat die private Nachhilfeindustrie wieder Hochsaison. Laut Ifes-Umfrage für die Arbeiterkammer zahlt eine Familie, die im Sommer private Nachhilfe für ihr/e Schulkind/er in Anspruch nimmt, im Schnitt 442 Euro - um neun Prozent oder 35 Euro mehr als im Jahr davor (407 Euro). Meistens brauchen die Kinder private Nachhilfe im Sommer, weil sie im Herbst zum Nachzipf antreten müssen. "Der Sommer soll zur Erholung da sein, nicht zur Nachhilfe", sagt AK Präsident Herbert Tumpel. "Deshalb muss die Schule mehr Verantwortung für den Lernerfolg übernehmen." Konkret verlangt die AK individuelle Unterstützung in der Schule bereits, bevor das Scheitern droht - und beim angelaufenen Ausbau der Ganztagsbetreuung muss jetzt auf Qualität geachtet werden.

"Wenn Sie an die letzten Sommerferien denken - wie viel Euro haben Sie da für Nachhilfe ausgegeben?", fragte das Institut für empirische Sozialforschung Ifes im März/April 2012 in 2.851 Haushalten mit Schulkind/ern. Ergebnis: Im Schnitt zahlt eine betroffene Familie 442 Euro für Sommer-Nachhilfe - um neun Prozent oder 35 Euro mehr als im Jahr davor (407 Euro).

Am meisten zahlt eine Familie, wenn ihr/e Kind/er in der Oberstufe des Gymnasiums Sommer-Nachhilfe brauchen: 535 Euro. Für Kind/er in der Unterstufe des Gymnasiums geben betroffene Familien 525 Euro aus. Erheblicher günstiger ist es, wenn das Kind eine Neue Mittelschule besucht (derzeit noch im Schulversuch): 370 Euro.

In der Neuen Mittelschule wird auch nach dem Lehrplan des Gymnasiums unterrichtet, aber in den Hauptgegenständen werden die Kinder von zwei LehrerInnen betreut. Und hier brauchen auch nur 17 Prozent der SchülerInnen private Nachhilfe, weil sie um den Aufstieg kämpfen, im Gymnasium dagegen 34 Prozent.

Zurückgegangen ist die Zahl der Familien, die im Sommer für private Nachhilfe zahlen - hochgerechnet von 96.000 auf 40.000. Hauptgrund ist, dass die Eltern wegen allgemein gestiegener Lebenshaltungskosten bei der Nachhilfe sparen müssen: Für Sommer-Nachhilfe zahlen sie oft nur noch, wenn das Kind im Herbst eine Nachprüfung hat. Teure Lerncamps oder Sprachferien "nur" zur Verbesserung der Leistungen wurden vielfach gestrichen. Sprachkurse im Sommer kosten bis zu 2.000 Euro.

Laut Ifes-Umfrage wünscht sich die Mehrheit der von Nachhilfe betroffenen Eltern bessere Unterrichtsgestaltung, damit die Kinder den Lernstoff von vornherein verstehen, schulische Nachmittagsbetreuung mit individueller Förderung oder gleich die Ganztagsschule. Tumpel unterstützt die Eltern: "Wir brauchen eine neue Schule mit einer gemeinsamen Mittelstufe, Ganztagsbetreuung, mehr Förderung und mehr Durchlässigkeit." Die Vorschläge der AK:

+ Beim weiteren Ausbau der Ganztagsbetreuung müssen die Schulerhalter, Länder und Gemeinden, auf Qualität achten - durch passende Räume; kindgerechte Freizeitgestaltung; gesundes Mittagessen; fachlich bestqualifizierte BetreuerInnen. Begleitend zum Ausbau soll überprüft werden, ob und wie sich dadurch die Leistungen der Kinder verbessern.

+ Die Neue Mittelschule reduziert die Lernbelastung der Familien:
Die flächendeckende Umsetzung des bisherigen Schulversuchs in den Hauptschulen darf nicht der letzte Schritt sein. Die Arbeiterkammer fordert die Zusammenführung von Neuer Mittelschule und Unterstufe der Gymnasien in eine gemeinsame Schule bester Qualität.

+ Individuelle Unterstützung, wenn in der Schule das Scheitern droht: Läuft ein Kind Gefahr, zum Schulschluss negativ abzuschließen, sollen Lernförderung und sozialpsychologische Betreuung in der Schule verpflichtend sein. Dafür brauchen die Schulen die nötige Unterstützung von Fachkräften.

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