Deutsche Bioethanolwirtschaft weist Kritik an E10 scharf zurück

Forderungen des Entwicklungsministers haben mit Fakten nichts zu tun

Wien (OTS/aiz) - Der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) hat heute die Forderung von Entwicklungsminister Dirk Niebel , wegen steigender Agrarpreise und Dürren solle es einen sofortigen Verkaufsstopp für den Biotreibstoff E10 an deutschen Tankstellen geben, scharf zurückgewiesen. Erstens werde deutsches Bioethanol nicht mit Brotgetreide, sondern mit Industrierüben und Futtergetreide hergestellt, stellt der Verband zum Thema "Teller oder Tank" klar. Zweitens verlaufe die Einführung von E10 weitaus besser als jene des bleifreien Benzins. Und drittens sei Bioethanol ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Klimawandel, gibt der BDBe zu bedenken.

"Gerade bei steigenden Lebensmittelpreisen kann Biosprit zu stärkerem Hunger in der Welt beitragen", hatte Niebel in einem Interview behauptet. Im Kabinett müsse darüber nachgedacht werden, "ob man nicht den Konflikt zwischen Tank und Teller auflösen kann".

Richtig ist laut BDBe jedoch, "dass bei der europäischen Bioethanolproduktion keine Rohstoffe aus Drittländern importiert werden. Darüber hinaus ist die vermeintliche Konkurrenz zwischen der Erzeugung von Lebens- und Futtermitteln sowie der Produktion von Biokraftstoffen in Europa nicht vorhanden. In Europa wird ein integriertes Konzept zur Produktion von Lebens- und Futtermitteln sowie Biokraftstoffen praktiziert. Das heißt, dass bei der Bioethanolproduktion zahlreiche hochwertige Kuppelprodukte anfallen, die beispielsweise Futtermittelimporte wie Soja reduzieren und somit Flächen für andere Verwendungszwecke freisetzen", stellt der Verband fest.

Deutsches Bioethanol nicht aus Nahrungsmitteln hergestellt

Weiters stellt der Verband fest, dass "deutsches Bioethanol nicht aus Nahrungsmitteln hergestellt wird, sondern nur aus Industrierüben und Getreide mit Futtermittelqualität". Für den Anbau von Rohstoffen zur Bioethanolerzeugung einschließlich der zahlreichen Kuppelprodukte wie Futtermittel, Biogas und Biodünger seien im Jahr 2011 in Deutschland 240.000 ha genutzt worden. Dies entspreche lediglich 2% der deutschen Ackerfläche, informiert der BDBe.

Einführung von E10 läuft weitaus besser als jene von bleifreiem Benzin

Zu der Aussage von Niebel, E10 sei "in Deutschland sowieso nie akzeptiert worden", stellt der Verband folgendes fest: "Richtig ist, dass die Einführung von Super E10 weitaus besser verläuft als in den 1980er-Jahren die Einführung bleifreien Benzins. Bei E10 ist nach einem Jahr ein Marktanteil von gut 13% erreicht. Die Tendenz ist weiter steigend: Im April 2012 erreichte E10 bei den Ottokraftstoffen einen Anteil von 15,4%. Bleifreies Benzin hatte zwei Jahre nach der Einführung nur knapp 10% Marktanteil verzeichnet und es dauerte zehn Jahre, bis es als Standardsorte etabliert war."

Bioethanol sei für die Ziele der EU zur Treibhausgasminderung bei Pkw bis zum Jahr 2020 ein zentraler Baustein, erklärt der BDBe. Grund für die Einführung war die Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU. Deutschland war Vorreiter bei der Umsetzung: Die strengen gesetzlichen Bestimmungen zur Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien sind sehr schnell eingeführt worden. Nach dieser Richtlinie dürfen nur Biokraftstoffe vertrieben werden, die entlang ihrer gesamten Produktionskette mindestens 35% weniger Treibhausgase ausstoßen als ein fossiler Kraftstoff. "Deutsches Bioethanol aus Futtergetreide und Industrierüben übertrifft diesen Mindestwert bei Weitem und hat sogar noch Potenzial - in modernen Benzinmotoren sogar darüber hinaus -, die Treibhausgasminderung auf bis zu 70% zu steigern", informiert der Verband.

Agrana: Einführung von E10 in Österreich wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll

Auch die Agrana hat vor Kurzem darauf hingewiesen, dass die Einführung von E10 in Österreich sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll sei. "Für E10 müssen hierzulande keine zusätzlichen Ackerflächen herangezogen werden. Vielmehr werden dadurch enorme CO2-Einsparungspotenziale im Land genutzt und im Rahmen der Bioethanolerzeugung wertvolle Eiweißfuttermittel gewonnen", wurde betont.

Im Agrana-Bioethanolwerk in Pischelsdorf/NÖ werden jährlich rund 220.000 m3 Bioethanol hergestellt - eine Menge, die ausreicht, um den gesamten österreichischen Bedarf an Bioethanol bei einer Einführung von E10 im Inland zu decken. Aktuell exportiert die Agrana die Hälfte der hierzulande erzeugten Bioethanolmenge.

Bereits jetzt wird in Pischelsdorf aus dem eingesetzten Getreide neben Bioethanol auch das garantiert gentechnikfreie Eiweißfuttermittel ActiProt(R) hergestellt. Mit ihrer Investition in eine der Bioethanolproduktion vorgelagerte Fabrik zur Produktion von Weizenstärke und Weizengluten geht die Agrana nun einen Schritt weiter. Die Anlage, deren Inbetriebnahme für Ende 2013 geplant ist, nutzt zunächst alle wesentlichen Rohstoffbestandteile für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion, um dann die agrarischen Reststoffe in der Bioethanolerzeugung zu verwerten. Durch diese 100%ige Rohstoffnutzung kann - wie die neueste Lebenszyklus-Analyse der Joanneum Research Forschungs GmbH zeigt - eine Erhöhung des Treibhausgas-Einsparungspotenzials von Bioethanol von bisher 50% auf zukünftig 70% gegenüber Benzin erreicht werden.
(Schluss) kam

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