Neues Volksblatt: "Panoptikum" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 16. August 2012

Linz (OTS) - Der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl war am 5. April 2002 wie immer ein Mann des Weitblicks. "Eigentlich müsstest du ununterbrochen in Sänften durch Stadt und Land getragen werden. Wenn du das Problem des öffentlichen Images lösen würdest, wärst du der Henry Ford Österreichs". Ob er sich heute lieber auf die Zunge beißen würde als noch einmal das Loblied auf Frank Stronach zu singen, weiß man nicht. Damals, bei der Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien deutete jedenfalls nichts darauf hin, dass der Unternehmer einst auch in den Gefilden der SPÖ wildern würde. Ganz im Gegenteil, waren es doch nicht zuletzt die Sozialdemokraten, die dem Heimkehrer Stronach in Österreich den roten Teppich ausrollten. Ex-Kanzler Franz Vranitzky etwa saß lange im Magna-Aufsichtsrat, und die Roten halfen Stronach beispielsweise seinerzeit beim Kauf von Steyr-Daimler-Puch. Warum also sollte sich ein Kärntner SPÖ-Nationalratsabgeordneter politisch dort nicht wohlfühlen, wo früher schon Politiker aller anderen Couleurs untergekommen sind? Mit seinen Jobs für alle möglichen Leute hat Stronach immer schon Politik gemacht - Firmenpolitik halt. Dass er jetzt für seine Realpolitik wieder in allen Gewässern fischt, macht eines gewiss: Stronach bastelt mehr an einem politischen Panoptikum als an einer wirklichen Partei.

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