Die Turnstunde macht Schule

Olympiamedaillen sind schön und gut, aber am Ende des Tages muss die Volksgesundheit vom Siegespodest lachen.

Innsbruck (OTS/TT) - Von Max Ischia

Untertitel: Es bedurfte schon medaillenloser Spiele, um der Dauer-Problematik Bewegungsarmut breiten Diskussionsraum zu geben.

Text: Eines muss man Norbert Darabos lassen. Der Sportminister hatte schon Wochen vor den medaillenlosen Tagen von London die tägliche Turnstunde an Österreichs Schulen propagiert. Das Echo darauf war freilich überhörbar. Jetzt, da der Volksstolz in Trümmern liegt, kriechen sie alle aus ihren Löchern. Die Oppositionsparteien sowieso und selbst die Regierungs-Granden Faymann und Spindelegger ließen im gestrigen Ministerrat Sympathie für eine Mehr-Bewegung-Bewegung erkennen.
Ob das Echo in Pakistan, Palau, Panama, Papua-Neuguinea, Paraguay, Peru oder den Philippinen - um nur sieben von weiteren 118 medaillenlos gebliebenen Nationen zu nennen - ähnlich war, sei dahingestellt. Es erscheint jedenfalls typisch österreichisch, dass es erst einer olympischen Nullnummer bedurfte, um der Dauerproblematik Bewegungsarmut entsprechenden Diskussionsraum zu geben.
Dabei sind die Zahlen erschreckend wie bekannt: Nur 28 von 100 österreichischen Kindern bewegen sich regelmäßig. Die Fettleibigkeit gewinnt immer mehr an Gewicht und die Kosten des Gesundheitswesens sind kaum mehr zu stemmen. Und dem Parlament fiel einst nichts Besseres ein, als die Halbierung der Turnstunden pro Woche von vier auf zwei zu beschließen. Die Problematik beginnt bei den Kleinsten (Haftung der Kindergartenpädagogen bei Sportunfällen) und zieht sich wie ein roter Faden nach oben.
Ob nun mehr Sport an Österreichs Schulen künftig den Weg zu Olympiamedaillen ebnen könnte, darf höchstens als Nebeneffekt diskutiert werden. In erster Linie geht es um die Gesundheit, die unserer Kinder.
Mehr dazu auf den Seiten 52, 53

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