Ehemaliges Heimkind aus Tirol spricht von "Ausbeutung" durch die Firma Swarovski

Der Kristallkonzern ließ Ende der 60er-Jahre im Erziehungsheim St. Martin in Schwaz produzieren. Die Mädchen sahen kaum Geld dafür.

Wien (OTS/Kurier) - Der weltbekannte Kristallkonzern Swarovski
ließ in den 60er-Jahren in der berüchtigten Landeserziehungsanstalt St. Martin (Schwaz in Tirol) Kristallbänder anfertigen. Als Arbeitskräfte wurden die jugendlichen Zöglinge des Heimes herangezogen.

Mehrere Betroffene erzählen in der Mittwochsausgabe des KURIER von harter "Akkordarbeit", die sie für Swarovski leisten mussten. "Für die Befestigung der Kristalle auf den Bändern musste man Kraft aufwenden. Viele Mädchen hatten Probleme mit den Handgelenken", schildert etwa Waltraud R., die die Jahre 1967/68 in St. Martin verbringen musste. Das ehemalige Heimkind Hermine Reisinger spricht gar von "Ausbeutung" der 15- bis 18-jährigen Mädchen.

Geld haben die Heimzöglinge von St. Martin dafür kaum erhalten - wenn überhaupt, seien es "maximal einige Groschen" gewesen.

Bei Swarovski hat man in den Firmenarchiven gestöbert, bislang allerdings keinen Anhaltspunkt für eine Produktionsstätte in Erziehungsheimen gefunden. Die Sache liege zu lange zurück. "Wenn Swarovski in einem Kinderheim etwas fertigen ließ, dann sicher im guten Glauben, dass das Geld an die Kinder weitergeleitet wird", sagt Bianca Henderson von der Firma Swarovski. Einige Zöglinge vermuten, dass der Lohn für die Fertigung der Kristallbänder direkt an die Heimleitung geflossen ist.

Im Büro des zuständigen Tiroler Soziallandesrates Gerhard Reheis (SPÖ) will man von der Ausnutzung junger Arbeitskräfte erstmals durch den KURIER erfahren haben. Jedoch müsste das Land bereits seit zwei Jahren davon Bescheid wissen - ein Wissenschaftler, der die Tiroler Heimgeschichte aufarbeitet, hat 2010 in seinem Buch bereits darüber geschrieben. Die Politik will jetzt "Einzelfälle" prüfen.

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