Umfrage: Verstehen Sie Gesundheit?

Wien (OTS) - Knapp ein Viertel der Bevölkerung tut sich schwer zu verstehen, was ihr Arzt ihnen sagt. Ein Drittel der Menschen hat Schwierigkeiten, Informationen in den Medien darüber, wie sie ihren Gesundheitszustand verbessern können, zu verstehen. Ansätze sind auf zwei Ebenen notwendig: das Gesundheitssystem selbst muss verständlicher werden und die Bevölkerung muss befähigt werden, mit gesundheitsrelevanten Informationen besser umzugehen. Ein wesentlicher Schritt wurde mit der Erarbeitung Österreichischer Rahmen-Gesundheitsziele schon gesetzt, denn eines der 10 Rahmengesundheitsziele lautet "Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken".

Die komplexer werdende Gesellschaft verlangt uns immer mehr Entscheidungen ab. "Viele davon haben Auswirkungen auf die Gesundheit", so die international renommierte Expertin Ilona Kickbusch. "Um diese informiert treffen zu können, braucht es `Gesundheitskompetenz'.... Die Menschen müssen gesundheitsrelevante Informationen finden, verstehen, beurteilen und anwenden können." Im Rahmen einer EU-Studie wurde in Österreich und sieben anderen europäischen Ländern erhoben, wie kompetent sich die Befragten punkto Gesundheit selbst einschätzen. In Österreich wurde die Studie durch den Fonds Gesundes Österreich finanziert und von einem Team unter der Leitung von Prof. Jürgen Pelikan, vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Gesundheitsförderungs-Forschung, wissenschaftlich betreut. Eine nationale Erweiterung der Studie sowie eine zusätzliche bundesländerspezifische Analyse wurde durch einen wissenschaftlichen Grant von Merck Sharp & Dohme (MSD) ermöglicht. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger finanzierte eine Anschluss-Studie zur Erhebung und Auswertung von Gesundheitskompetenzdaten bei 15jährigen Jugendlichen in Österreich.

Erhoben wurde die Selbsteinschätzung der Gesundheitskompetenz für verschiedenste Aufgaben und Situationen aus drei Themenfeldern, (1) der Krankheitsbewältigung, (2) der Prävention und (3) der Gesundheitsförderung. Die zentralen Ergebnisse, so Jürgen Pelikan:
"Gesundheitskompetenz und Gesundheit hängen in Österreich deutlich zusammen. Im Vergleich zu sieben anderen europäischen Ländern schneidet Österreich punkto Gesundheitskompetenz allerdings unterdurchschnittlich ab. Mangelnde Gesundheitskompetenz ist generell für die Mehrheit der Bevölkerung ein Problem und ist bei Personen aus sozial schwächeren Gruppen noch häufiger."

Konkrete Detailergebnisse der Umfrage in Österreich

Auf die Frage "Wie einfach ist es Ihrer Meinung nach..." antworten die in Klammer in Prozent genannten Anteile mit "ziemlich schwierig" bzw. "sehr schwierig":

  • ...Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu beurteilen? (57%)
  • ...Angaben auf Lebensmittelpackungen zu verstehen? (51%)
  • ...aufgrund von Informationen aus den Medien zu entscheiden, wie Sie sich vor Krankheiten schützen können? (48%)
  • ...Informationen darüber, wie Sie psychisch gesund bleiben können, zu verstehen? (33%)
  • ...mit Hilfe der Informationen, die Ihnen der Arzt gibt, Entscheidungen bezüglich ihrer Krankheit zu treffen? (32%)
  • ...Informationen in den Medien darüber, wie Sie ihren Gesundheitszustand verbessern können, zu verstehen? (31%)
  • ...Entscheidungen zu treffen, die Ihre Gesundheit verbessern? (30%)
  • ...zu verstehen, was ihr Arzt Ihnen sagt? (22%)
  • ...zu beurteilen, welche Alltagsgewohnheiten mit Ihrer Gesundheit zusammenhängen? (21%)
  • ...Informationen über gesundheitsfördernde Verhaltensweisen, wie Bewegung und gesunde Ernährung zu finden? (18%)

Die Gesundheitskompetenz der Jugendlichen unterscheidet sich überraschend wenig von der der Gesamtbevölkerung. "Es ist daher besonders wichtig schon frühzeitig anzusetzen und Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihre Alltagsentscheidungen zu gesunden Entscheidungen zu machen. Denn was in frühen Jahren erlernt wird, prägt ein Leben lang." so Stefan Spitzbart vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Mit Projekten wie "Gesunde Schule" oder "Richtig Essen von Anfang an" setzt der Hauptverband bereits erste Schritte, um die Gesundheitskompetenz von Kindern und Eltern nachhaltig zu stärken.

Gesundheitskompetenz ist eines von 10 Rahmengesundheitszielen
Als Auftrag für die Politik versteht das Bundesministerium für Gesundheit die Umfrageergebnisse. Mit den 10 Rahmen-Gesundheitszielen wurden jüngst richtungsweisende Vorschläge für ein gesünderes Österreich beschlossen. Pamela Rendi-Wagner, die für das öffentliche Gesundheitswesen verantwortlich ist: "Ein effizientes Gesundheitswesen sieht immer den Menschen im Mittelpunkt. Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, die es allen in Österreich lebenden Menschen erlauben, ihre Gesundheit bestmöglich zu fördern. Ein wesentlicher Schritt ist getan, denn eines der 10 Rahmengesundheitsziele lautet `Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken`".

Gesundheitskompetenz und soziale Faktoren hängen eng zusammen
Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen sozialen Parametern (Bildung, finanzielle Situation, sozialer Status), wer hier schlechter gestellt ist, schneidet auch bei der Gesundheitskompetenz schlechter ab. Christa Peinhaupt, die Leiterin des Fonds Gesundes Österreich "Die Ergebnisse zeigen, dass der Fonds Gesundes Österreich mit seinem Schwerpunkt 'Schaffung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit' an der richtigen Stelle ansetzt. Zudem arbeiten wir daran, dass alle Politikbereiche sich ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung bewusst werden und an einem Strang ziehen um diese zu verbessern. Damit wollen wir Rahmenbedingungen schaffen, die es den Menschen ermöglichen, bei guter Gesundheit alt zu werden."

Wo kann man ansetzen?

Ansätze sind auf zwei Ebenen notwendig: das Gesundheitssystem selbst muss verständlicher werden und die Bevölkerung muss befähigt werden, mit gesundheitsrelevanten Informationen besser umzugehen. Um die Gesundheitskompetenz zu verbessern sind folgende Maßnahmen zentral:

  • Die Vermittlung einfacher und verständlichen Informationen (Informationsbroschüren, Beiträge in Medien, Beipackzettel, Lebensmittelinformationen, ..)
  • Die gesundheitsfördernde Gestaltung von Lebenswelten (Betriebe, Kindergärten, Strukturen in Gemeinden ..)
  • Hürden bei der Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen verringern (Verbesserung der Kommunikation bei der Ausbildung von Medizinberufen, Wegweiser für die Nutzung des Gesundheitswesens,...)
  • Besondere Maßnahmen für benachteiligte Zielgruppen (genaue Zielgruppenauswahl, Wegweiser für Hilfestellungen in sozialen Notlagen, Broschüren in Sprachen der wichtigen Migrantinnen Gruppen ..)

Wie man die Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung verbessern kann, wird auch im Rahmen der Gespräche in Alpbach 2012 aus verschiedenen Perspektiven des Gesundheitswesens diskutiert werden.

Bilder finden Sie nach Ende der Veranstaltung im OTS Bildarchiv unter www.apa-fotoservice.at, etwa drei Stunden nach Veranstaltungsende stehen O-Töne inklusive Moderationstext unter www.o-ton.at bereit.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Markus Mikl
Fonds Gesundes Österreich
Ein Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich GmbH
Tel.: 01 8950400-16
E-Mail: markus.mikl@fgoe.org
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