Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 12. August 2012. Von WOLFGANG SABLATNIG. "Das teure Steckenpferd".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Frank Stronach ist nicht zu unterschätzen. Dass seine Parteigründung aber tragfähig ist, muss er erst beweisen.

Man kann Frank Stronach nicht vorwerfen, dass sein (gesellschafts-)politisches Engagement eine Eintagsfliege ist. Sein "Institut für sozioökonomische Gerechtigkeit" tritt bereits an vier heimischen Unis als Sponsor auf. In Innsbruck finanziert der Industrielle eine Stiftungsprofessur für "Innovation und Entrepreneurship". In Graz sowie Wien lässt er über Demokratie und Steuerwesen forschen.
So ungewöhnlich für österreichische Verhältnisse dieses Engagement für die Hochschulen ist, so ungewöhnlich ist die Gründung einer Partei aus dem politischen Nichts heraus - anders als bei den Grünen, die sich aus dem umweltpolitischen Engagement der 1970er und 1980er heraus formierten, anders auch als bei den Sonderwegen im blauen und - vor allem in Tirol - schwarzen Lager.
Mit Frank Stronach kommt jemand, der als Unternehmer ein globales Firmenimperium aufgebaut hat und nun seine Vorstellungen auch in einer Partei und der Politik umsetzen will. Frank Stronach ist aber auch deshalb anders, weil er allem Anschein nach anders als viele bisherige Möchtegern-Politiker auch über die nötigen Millionen verfügt, um professionell in einen Wahlkampf zu ziehen.
Frank Stronachs Ambitionen sind daher durchaus ernst zu nehmen, auch wenn in Österreich seine groß angekündigten Projekte abseits des Magna-Konzerns mehr Flop als top waren.
Der Ankündigungen gab es freilich schon genug. Jetzt müssen Taten folgen. Und erst anhand seiner Mitstreiter und des Programms - beides will er im September präsentieren - wird sich zeigen, ob er die "geistige Revolution", die er verspricht, auch anstoßen kann - oder ob die Parteigründung das teure, aber wirkungslose Steckenpferd eines Milliardärs bleibt.

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