Bei Kinderbetreuung stehen die Bedürfnisse der Familien im Vordergrund

Widmann: Schlechtreden ist nicht gerechtfertigt / Ergebnisse der ersten landesweiten Bedarfsumfrage zur Kinderbetreuung

Salzburg (OTS) - Erstmals wurde im gesamten Land Salzburg eine unverbindliche Bedarfsumfrage zur Kinderbetreuung bei allen Familien mit Kindern bis drei Jahren durchgeführt. Bei der unverbindlichen Bedarfsumfrage wurden 17.079 Fragebögen an die Erziehungsberechtigten der Kinder bis drei Jahren ausgesendet. Die Adressen wurden vom zentralen Melderegister des Innenministeriums mit Einverständnis der Gemeinden zur Verfügung gestellt. Der Rücklauf betrug 14 Prozent. Das bedeutet, dass 14 Prozent der Eltern auf die unverbindliche Bedarfsumfrage reagierten und somit Auskunft über die Betreuungssituation von 2.266 Kindern im Alter bis drei Jahren gaben. Von 1.848 Kindern konnten dann schlussendlich die Informationen zum Betreuungsbedarf zur Auswertung herangezogen werden.

Für 962 Kinder (221 Kinder in der Stadt, 281 Kinder im Flachgau, 177 Kinder im Pongau, 132 Kinder im Pinzgau, 118 Kinder im Tennengau und 33 Kinder im Lungau) wurde zum Zeitpunkt der Umfrage ein Platz gesucht. Die restlichen 886 Kinder hatten bereits einen Betreuungsplatz oder wurden zu Hause betreut.

"Wenn man eine positive Interpretation zulässt, so liegt der Schluss nahe, dass von den insgesamt rund 17.000 Kindern sehr viele Eltern entweder bereits einen Platz für ihr Kind gefunden hatten oder ihr Kind zum Teil innerfamiliär oder durch Tageseltern betreut wird und die Eltern jedenfalls keinen Grund sahen, die Bedarfsumfrage zu retournieren", sagte dazu die für die Kinderbetreuung im Land Salzburg ressortverantwortliche Landesrätin Dr. Tina Widmann heute, Freitag, 10. August. "Wenn man von rund 17.000 Kindern insgesamt ausgeht und bei einer Rücklaufquote von 14 Prozent weiß, dass 962 definitiv einen Platz suchten, so relativieren sich die Negativmeldungen über die Kinderbetreuung im Land Salzburg."

"Für mich war es wichtig zu erfahren, wo wir mit der Kinderbetreuung im Land Salzburg tatsächlich stehen. Daher habe ich den Erhebungszeitraum im Spätsommer/Herbst 2011 angesetzt mit dem Ziel, einen Vergleich anstellen zu können, wie viele Plätze tatsächlich und wo genau benötigt werden, um danach die Gemeinden durch das Kindergartenreferat und Forum Familie individuell und bestmöglich beim bedarfsorientierten Ausbau unterstützen zu können. Meine Absicht war es auch, für die Erziehungsberechtigten eine Möglichkeit zu schaffen, Wünsche und Anliegen deponieren zu können -auch im Hinblick auf eine Novellierung des Kinderbetreuungsgesetzes. Keinesfalls Ziel war es, ein Ranking unter den Gemeinden zu veranstalten. Das bringt keinem etwas", so Landesrätin Widmann.

"Die Umfrage zeigt aber auch, dass für 962 Kinder zum Zeitpunkt der Umfrage kein passender Platz vorhanden war, was mir als Kinderbetreuungsreferentin ganz klar den Auftrag gibt, den eingeschlagenen Weg intensiv fortzusetzen. Dazu gehören Aufklärungsarbeit auf den Bürgermeisterkonferenzen und in den Gemeinden, persönliche individuelle Beratung, um das passende Angebot für jede einzelne Gemeinde und ihre Bedarfssituation zu finden, Verstärkung der gemeindeübergreifenden Lösungen beim Ferienangebot, verstärkte Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, individuelle Beratung durch Forum Familie für die Eltern, Aufbau der Salzburger Familienallianz zum schnellen Abrufen sämtlicher Betreuungsangebote sowohl für den Normalfall als auch für die Notsituation oder außerplanmäßige Betreuung, Novellierung des Kinderbetreuungsgesetzes vor allem auch in Richtung Flexibilität unter Beibehaltung der hohen Qualitätsstandards in Salzburg", betonte Widmann.

Rund elf Prozent der Eltern, die die Fragebögen retournierten, betonten, wie wichtig für sie die Möglichkeit der Betreuung zu Hause sei. "Frühkindliche Bildung geschieht nicht nur in der außerfamiliären Betreuung. Frühkindliche Bildung wird innerhalb verschiedenster Familienmodelle geleistet, und es darf nicht so getan werden, als wäre Erziehung in der Familie keine Bildung", sagte Widmann. Generell gelte es, in der Kinderbetreuung pragmatische Lösungen zu finden und nicht alles und jeden in Radikallösungen über den "Alles-und-alle-gleich-machen-Kamm" zu scheren.

"Mein Ziel ist es, Bedingungen für ein gelingendes Familienleben zu schaffen - und die sind nun einmal für jede Familie anders. Die konkrete Ausgestaltung ist und bleibt Sache der Familie", unterstrich Widmann. "Ich sehe es nicht als meine Aufgabe als Politikerin an, den Menschen zu sagen, wie sie leben sollen, ich werde also meine politischen Intentionen weder darauf auslegen, dass Mütter zu Hause bleiben und die Betreuung selber übernehmen, noch werde ich flächendeckende außerfamiliäre Kinderbetreuung bevorzugen. Die Eigenverantwortung und eigenen Entscheidungen der Familien unterstützend werde ich aber in enger Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern dafür sorgen, dass die außerfamiliären Kinderbetreuungsmöglichkeiten ausgebaut werden. Zugleich werde ich mich darum bemühen, dass Familien, die ihre Kinder selber erziehen, ebenfalls Unterstützung erfahren. Der erste Schritt ist mit dem Einbringen der Forderung nach vier Jahren pensionsanrechnender Erziehungszeiten für jedes Kind bei der Familienreferentinnen- und -referentenkonferenz in Wien von mir schon gesetzt worden", so die Landesrätin.

Die Kinderbetreuungsreferentin hält auch nichts davon, sich an abstrakten Zahlen zu orientieren. "Vielmehr gilt es darauf zu schauen, welche Wünsche und Bedürfnisse Familien im Einzelnen haben und wie sich Lebenswunschbilder einzelner Familien verwirklichen lassen. Dazu gehört es auch und ganz besonders, Einzelfalllösungen in Gesetzen zu ermöglichen. Diese dürfen natürlich niemals auf die Qualität in der Kinderbetreuung negative Auswirkung haben. Eines ist nämlich völlig klar: Die Qualität der Kinderbetreuung im Land Salzburg ist gemessen an den angestrebten Qualitätsstandards des Bundes auf sehr hohem Niveau", so die Landesrätin.

Bei der Bedarfsumfrage hatten die Eltern die Möglichkeit, ihre Anliegen zu deponieren. So wünschten sich rund 45 Prozent mehr Flexibilität in der Betreuungslandschaft, 23 Prozent günstigere Angebote und 5,5 Prozent wohnortnähere Angebote.

"Um flexibler, bedarfsorientierter und einzelfallgerechter agieren und mit Alltagsvernunft entscheiden zu können, überarbeitet das Kinderbetreuungsreferat derzeit das Kinderbetreuungsgesetz. Dazu gehören zum einen die Rahmenbedingungen und das Gehaltsschema der Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen. Wenn die Pädagoginnen und Pädagogen gerne und unter guten Bedingungen arbeiten und die wohlverdiente Anerkennung für ihre schwierige Aufgabe erhalten, dann kommt das ausschließlich unseren Kindern zugute. Es gilt aber auch, Erleichterungen für die Eltern zu schaffen - vor allem dort, wo sich nach der Erfahrung der ver-gangenen Jahre das Gesetz als zu starr erwiesen hat. Es muss auf die tatsächliche Situation reagiert werden können und nicht auf irgendwelche auf dem Papier geschaffenen Modellsituationen", betonte Widmann. Als Beispiel nennt sie die Pflichterfüllung des letzten Kindergartenjahres in begründeten Fällen auch am Nachmittag oder die Erleichterung der Bestätigung der Arbeitsplatzsuche für einen Kinderbetreuungsplatz und umgekehrt.

"Ein großer Erfolg in Richtung Flexibilität und Anpassung an die Bedürfnisse der Eltern war die Gesetzesänderung für Schulkindgruppen im Kinderbetreuungsgesetz. So dürfen Gemeinden, die schon Schulkindgruppen im Kindergarten führten, dies auch weiterhin tun, und sie müssen diese nicht zugunsten der schulischen Tagesbetreuung aufgeben", so Widmann.

Vom Ergebnis der Bedarfsumfrage wurden alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von Landesrätin Widmann in einem persönlichen Brief über die Betreuungssituation, die sich aus der Umfrage für ihre Gemeinde ergeben hat, informiert und durch persönliche Gespräche und Beratungen auf Ausbau- und Erweiterungsmöglichkeiten speziell für ihre Gemeinde aufmerksam gemacht.

"Die meisten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister haben die Notwendigkeit der Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erkannt", zeigte sich Widmann erfreut. Was die Schließungstage anbelangt, hat das Land Salzburg nach Wien die zweitwenigsten in Österreich.

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