Greenpeace: Belgischer AKW-Schaden zeigt Schwäche von Stresstests

Umweltschutzorganisation fordert sofortige Überprüfung aller Atomreaktoren mit RDM-Hülle

Wien/Brüssel (OTS) - Als Konsequenz des Schadens am belgischen Atomkraftwerk Doel, fordert die Umweltorganisation Greenpeace eine sofortige Überprüfung und gegebenenfalls Stilllegung aller Atomreaktoren mit baugleicher Reaktorhülle der Herstellerfirma RDM. Gestern wurde bekannt, dass die Hülle von Block 3 des AKW Doel einen Riss aufweist. Besonders beunruhigend dabei ist, dass es laut belgischen Atombehörden Hinweise darauf gibt, dass mögliche Risse kein Zeichen von Altersschwäche, sondern ein strukturelles Problem der RDM-Reaktorhüllen sind. Alleine in Europa gibt es neben Doel3 sieben weitere noch in Betrieb befindliche baugleiche Reaktoren. Das AKW Doel wurde im Zuge der EU-Stresstests als sicher bewertet.

"Der gravierende Schaden am AKW Doel zeigt ganz deutlich die Schwächen der vorgenommenen EU-Stresstests. Ein Schaden dieser Art hätte im Zuge der Untersuchungen auffallen müssen. Alleine in Europa stehen sieben weitere baugleiche Reaktoren, die noch in Betrieb sind und ebenfalls bereits Risse in der Reaktorhülle haben könnten. Diese müssen sofort überprüft und gegebenenfalls stillgelegt werden", so Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof.

Die Firma RDM baute in den 1970er Jahren Reaktorhüllen hauptsächlich für europäische Atomkraftwerke, belieferte jedoch auch die Atomindustrie in den Vereinigten Staaten. Weltweit gibt es elf in Betrieb befindliche Reaktoren mit RDM-Hüllen, davon stehen sieben in Europa: Zwei in der Schweiz (Leibstadt und Mühleberg), zwei in Spanien (Cofrentes und Santa Maria de Garona), einer in den Niederlanden (Borssele), einer in Schweden (Ringhals 2), und zwei in Belgien (Tihange 2 und der betroffene Reaktorblock Doel 3).

Der Reaktor in Doel wurde 1982 in Betrieb genommen. Einer Regierungsentscheidung des letzten Monats zufolge sollte das AKW erst im Jahr 2022, nach 40 Jahren Betrieb, heruntergefahren werden.

Greenpeace fordert das sofortige Herunterfahren und eine genaue Überprüfung aller Reaktoren. Bei jeglichen Schäden muss im Sinne der Sicherheit der Bevölkerung als Konsequenz eine sofortige Stilllegung der beschädigten Atomkraftwerke erfolgen. "Außerdem muss Minister Berlakovich von der EU-Kommission sofort Aufklärung darüber verlangen, wie man dieses Problem bei den EU-Stresstests übersehen hat können", so Westerfof abschließend.

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