ANSCHOBER: Hochwasserschutz in OÖ geht gut voran, in Einzelfällen bis zu 8 Jahre Verzögerung mangels Solidarität von Grundeigentümern

Appell des Wasser-Landesrates: Naturnaher Hochwasserschutz braucht Grundflächen - Hochwasserschutz braucht Zusammenhalt, Solidarität und größtmögliches Tempo

Linz (OTS) - Auch die Inhalte des Hochwasserschutzes wurden in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Wasser-Landesrat Rudi Anschober, der seit Ende 2003 für den Hochwasserschutz in Oberösterreich verantwortlich zeichnet, setzt auf naturnahen Hochwasserschutz, auf Schutz vor den Risiken der Natur mit der Natur. Es werden daher keine Einzellösungen mehr verwirklicht, mit denen das Problem immer nur flussabwärts weitergegeben wird. Es werden nur mehr in Ausnahmefällen harte Dämme errichtet, sondern es wird auf Gesamtkonzepte für die gesamten Fließstrecken der Gewässer gesetzt und vor allem auf mehr Platz für die Fließgewässer, damit sie sich in Überschwemmungssituationen gesichert ausbreiten können. 500 Schutzprojekte konnten so in den letzten Jahren in Oberösterreich bereits verwirklicht werden, 269 sind in Arbeit, weitere 104 geplant. Ein wichtiges Instrument dafür sind naturnahe Rückhaltebecken, von denen im aktuellen Schutzprogramm der letzten Jahre bereits 75 errichtet wurden, 23 davon mit einer Größe von mehr als 100.000 Kubikmetern, neun sogar mit mehr als 500.000 Kubikmeter Volumen. Für diesen naturnahen Hochwasserschutz braucht es besonders stark die Unterstützung durch Grundeigentümer, häufig auch in Regionen, die nicht akut vom Wasser bedroht sind, sondern in denen das Problem im Ernstfall entsteht.
Anschober: "95 Prozent der Grundeigentümer sind höchst solidarisch und ermöglichen den naturnahen Hochwasserschutz durch ihre Bereitschaft, Grund gegen Entschädigung zur Verfügung zu stellen. In Einzelfällen bereiten uns einzelne Grundeigentümer jedoch große Probleme - fehlende Solidarität und fehlende Bereitschaft führen in besonderen Situationen zu jahrelangen Verzögerungen von Projekten, im Extremfall sogar um bis zu acht Jahre."
Einige Beispiele für massive Zeitverzögerungen aus diesem Grund:
- Im Bereich der Ache wird bei einem Schutzprojekt seit 2004 ergebnislos mit einen Grundbesitzer verhandelt, bei einem zweiten Projekt, einem Rückhaltebecken, ebenfalls mit einem Einzelnen seit Jahren. Die aktuellen Hochwasserprobleme in Waldzell wären bei bereits erfolgter Umsetzung des Projektes nicht in diesem Ausmaß entstanden.
- Im Bereich der Mattig kommt es bei drei Projekten zu massiven Verzögerungen durch Probleme mit Grundeigentümern, bei einem davon wird nun nach drei Jahren Verzögerung die Enteignung beantragt.
- Der Hochwasserschutz Attnang-Puchheim verzögert sich ebenfalls bereits seit einiger Zeit aufgrund fehlender Unterstützung durch einige Grundeigentümer.
- Zwei Jahre Verzögerung sind auch beim Hochwasserschutz in Obertraun durch einen einzelnen Grundeigentümer entstanden. Anschober: "Das sind einige Beispiele für konkrete Verzögerungen. In anderen Fällen war es möglich, Blockaden dadurch zu umgehen, dass durch Umplanungen die verweigerten Grundstücke dann doch nicht erforderlich waren. Dies ist aber meist teuer und zeitverzögernd. Mit der zeitlichen Entfernung von der Katastrophe 2002 verblasst offensichtlich mit der Erinnerung auch in Einzelfällen die Bereitschaft zur Solidarität. Mein Dank gilt daher der überwiegenden Mehrheit der Grundeigentümer, die unsere Schutzarbeit problemlos unterstützen und dadurch erst ermöglichen. Mein Appell richtet sich aber an die Wenigen, die massive Verzögerungen verursachen - wir brauchen Tempo bei der Umsetzung, denn niemand weiß, wann das nächste große Hochwasser kommen wird. Es kann in zwanzig Jahren sein, aber auch in zwei Wochen. Wir wissen nur, dass es kommen wird und dass das Risiko und das Ausmaß von Hochwasserkatastrophen durch die Klimaveränderung massiv steigen."

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